Eine freche Variation der «Betenden Hände» des deutschen Renaissance- Malers Albrecht Dürer: Das von Zeno Schneider entworfene Theaterplakat. Foto: zvg
Eine freche Variation der «Betenden Hände» des deutschen Renaissance- Malers Albrecht Dürer: Das von Zeno Schneider entworfene Theaterplakat. Foto: zvg

Nachrichten

«Ahs und Ohs» für Casanova

Seit Anfang März probt die Theatergruppe Chärnehus mit Regisseurin Barbara Schlumpf die neue Komödie von Thomas Hürlimann. «De Casanova im Chloster» wird am 19. Oktober im Kino Etzel uraufgeführt.

Gegen viertel nach sieben treffen an diesem nasskalten Montag alle ein, die heute zur Probe aufgeboten sind. Als letzter Zeno Schneider, der Träger der Titelrolle und mit einer braunen Kartonschachtel. Er bringt die ersten Exemplare des druckfrischen Flyers mit, von ihm selber gestaltet. Der vielseitig talentierte Arzt in Rente hat eine freche Variation der «Betenden Hände» des deutschen Renaissance-Malers Albrecht Dürer geschaffen. Blickfang ist der rot lackierte Nagel des linken kleinen Fingers, der dank eines speziellen Druckverfahrens sogar tastbar ist. Er wird auch in der Komödie sichtbar sein, zu der Thomas Hürlimann auf der Rückseite des Flyers schreibt: «Das Stück ist eine Commedia, doch mit einem herbstlichen Unterton, denn alle Figuren sind ihren Rollen zu sehr verhaftet, um ihnen zu entkommen. So geht es auch dem Autor und wohl den meisten, die bei der Uraufführung mitspielen. Wir müssen uns damit abfinden, dass wir, mit Martin Heidegger gesagt, keine Entwürfe mehr sind, sondern ‹Geworfenheit›. Wir haben unsere Rollen gefunden, nun müssen wir sie weiterspielen, ob sie uns ganz zufriedenstellen oder nicht.»

Das Manuskript

Von den Rollen, die wir in unserem Leben spielen, nun also zu den Rollen, welche die Mitglieder der Theatergruppe Chärnehus auf der Bühne ausfüllen sollen. Nach einer Pause vor und nach Ostern wird seit letzter Woche wieder gearbeitet. Arbeit? Ja, sicher, aber gleichzeitig auch ein grosses Vergnügen. Davon zeugt nicht nur die gute Laune der Spielerinnen und Spieler, diesen Eindruck erhalte ich auch in der folgenden Stunde als Zuschauer. Die Ankündigung, dass der Autor nach seinem letzten Besuch ein paar Änderungen vorgenommen hat, tut dem keinen Abbruch. Der Text ist in den Köpfen noch nicht so «abgehangen», dass er nicht problemlos durch einen neuen ersetzt werden könnte. Gespielt wird vorläufigg sowieso mit dem Manuskript in der Hand. Ausser wenn von der Regisseurin die Aufforderung kommt: «Leg s’Manus ewägg, du chasch es ja!» Und sogleich bewegt sich die Wirtin viel natürlicher, Text und Bewegung passen zusammen, alles wirkt lebendiger. Bei «Hängern» kann ja Regie-Assistentin Priska Lienert weiterhelfen.

Das Fragezeichen

Die Szene mit Moritz Kälin (Möri) und Rosmarie Oechslin (Ringgi) spielt offensichtlich im Hotel Pfauen, einem der beiden Schauplätze des Stücks (der andere, der in ein paar Monaten im Kino Etzel aufgebaut wird, ist das Kloster). Mit dabei sind in der Folge auch Rita Noser und Helga Kuriger, Rita Kälin, Ursi Staub sowie Zeno Schneider und Beat Ruhstaller. Der gleiche Auftritt wird x-mal geprobt oder probiert, wie man beim Theater auch sagt, und er wirkt immer wieder anders, nicht nur, weil immer mal wieder jemand anders etwas falsch macht, sondern weil beim Probieren immer häufiger auch etwas gelingt. Die Regisseurin greift da ein («ihr müend ufs Stichwort zu ihm dure luege»), sie möchte dort etwas anders haben («ihr sind no dusse und ghöured, was er über üch seit») und bittet hier um einen anderen Ausdruck («chönntisch du dou es Frougezeie schpile?»)

Die Schlüsselstelle

Aber es ist nicht nur die Regisseurin, die Wünsche hat und Anweisungen gibt, auch die Darsteller denken mit und haben eine Meinung. «Das isch absolut nüd logisch!» – «Doch, natürli! » – «Nei – aha, moll, häsch rächt.» Plötzlich ist man sich nicht mehr im Klaren darüber, ob die eine Figur über die andere Bescheid weiss oder ob beide im Dunkeln tappen. Ich als Zuschauer sehe ohnehin noch nicht durch und begreife im Moment nicht, warum ein Schlüssel plötzlich so wichtig ist. Der Schlüssel, der mir das ganze Stück erschliesst, wird es wohl nicht sein. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Gruppe ab dem 19. Oktober auch diese Schlüsselstelle so spielen wird, dass ich sie genau so gut verstehe wie die Szene, in der fünf Frauen bei der Ankunft von Casanova in Ahs und Ohs ausbrechen. Diese verzückten Ahs und Ohs würden dann vom mitspielenden Komponisten Daniel Fueter noch vertont, kündigt Barbara Schlumpf an. Und s

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

02.05.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/jveRYY