André Ott: «Wir wollen unsere Musikschüler fördern, aber keine Wunderkinder heranzüchten.» Bild Martin Müller
André Ott: «Wir wollen unsere Musikschüler fördern, aber keine Wunderkinder heranzüchten.» Bild Martin Müller

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«Als Musikschule müssen wir mit vielen Hobbys konkurrenzieren»

Seit rund einem Jahr ist André Ott der neue Musikschulleiter der Gemeinde Freienbach. Im Interview erklärt er unter anderem, was Musik zur Integrationsförderung beitragen kann, was er vom Angebot «Talent Ausserschwyz» erwartet oder was er ändern möchte.

Jamina Straub: Die Zahl der Kursbelegungen ist in diesem Jahr höher als in den Jahren zuvor. Hat dies einen speziellen Grund?

André Ott:Es gibt verschiedenste Angebote, die attraktiv sind und sich auch gut weiterentwickeln. Dazu gehören auch Gruppen- und Tanzangebote, die sehr stabil und gut funktionieren.

Sie erwähnten die Tanzschule. Laut der Statistik des Jahresberichts wird der Tanzunterricht am meisten belegt. Ist das nicht auch schade für eine Musikschule?

Wir haben die Statistik in vier Bereiche aufgeteilt: Grundstufe, Instrumental- und Vokalunterricht, Ensembles und Tanzunterricht. Das haben wir extra so gemacht, um den Leuten zu zeigen, dass es sich eben nicht nur um eine Musikschule, sondern auch um eine beträchtlich gewachsene Tanzschule handelt.

Wollen Sie den Musikbereich noch weiter ausbauen?

Klar wäre es super, wenn der Instrumentalteil noch besser laufen würde oder einen noch grösseren Anklang finden würde. Aber ich will hier ja keine Werbung machen (lacht). Man könnte zum Beispiel versuchen, die Kinder schon frühzeitig in der Grundstufe abzuholen und für beispielsweise Basisblockflötenkurse zu begeistern. Die Wahrscheinlichkeit ist dann höher, dass das Kind in der Musikschule bleibt und auch andere Kurse belegen wird. Gleichzeitig konkurrenzieren wir natürlich aber auch mit diversen anderen Hobbys, die Kinder haben.

Man soll die Kinder also bereits im Grundstufenalter abholen. Ist es nicht so, dass Kinder immer weniger Interesse an klassischer Musik zeigen?

Das würde ich grundsätzlich bejahen, wenn die Kinder älter werden. Am Anfang zeigen Kinder auch Interesse an klassischer Musik, weil sie nicht unbedingt zwischen moderner und klassischer Musik differenzieren. Irgendwann kommt dann schon das Ranking, wo bestimmt wird, was cool ist und was nicht. Wir unterrichten aber auch Rock, Pop und Jazz. In fast allen Bereichen ist moderne Musik auch Teil der Grundausbildung. Ohne ginge es gar nicht mehr.

In Ihrer Schule haben Lehrpersonen einen vielfältigen kulturellen Hintergrund. Kam da schon die Idee auf, dies als Integrationshilfe zu nutzen?

Musik verbindet ja bekanntlich … Die Musik holt sicher einige kulturelle Kreise besser ab. Es kann ein Brückenbauer sein, dass die Leute, die hier leben, sich auch mit anderen austauschen. Ein erster Schritt war jetzt, im Jahresbericht auf die vielseitige Herkunft unserer Lehrpersonen hinzuweisen. Der nächste wäre, auch in der Ausschreibung auf der Homepage zu sagen, welche Sprachkompetenzen unsere Lehrer mitbringen.

Auch weil die Musikschule der Gemeinde angehört, ist doch die Integration von Flüchtlingen oder Asylsuchenden sehr wichtig.

Integration geschieht bei uns, wenn Schüler im Ensemble sind und die verschiedenen Anlässe besuchen,wo auch Eltern zusammenkommen. Dies ist aber nicht unsere Priorität. Im Vordergrund steht die musikalische Bildung.

Apropos Bildung: Was trägt die Musik zur Bildung der Kinder bei?

Musik gehört eigentlich zur Bildung. Kinder können sich dank der Musik sprachlich verbessern, werden sozialer, wenn sie im Ensemble sind, und lernen, sich zu organisieren.

Das neue Angebot «Talent Ausserschwyz» startete im August. Sind auch Schüler der Musikschule Freienbach in der Talentklasse?

Ja, mehrere. Gesamthaft sind es drei Schüler: Zwei aus dem Bereich Tanz und eine Schülerin, die singt.

Was erhoffen Sie sich von diesem Programm?

Es geht darum, die Jugendlichen zu entlasten, aber auch zu fördern. Letzten Endes hofft man, dass dieses Programm auch Impulse in die Musikschule gibt, denn die Jugendlichen sind noch immer in der Schule präsent und bei den Ensembles dabei. Wir mussten neu bestimmen, wen wir für diese Talentklasse vorschlagen und die Aufnahmekriterien bestimmen, wer es in eine Klasse schafft. Diese Kriterien wurden gemeinsam mit den anderen Musikschulen der Höfe und March bestimmt. So konnte man eine gewisse Gleichberechtigung herstellen.

Können Sie ein Beispiel für ein solches Kriterium nennen?

Man muss eine Aufnahmeprüfung machen

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

19.09.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/Gbffkf