Nach alten Vorlagen geschnitzt: (von links) «Senntrichlä», «Waldbruoder» und «ds chli Chlöpfli». Bilder Josias Clavadetscher
Nach alten Vorlagen geschnitzt: (von links) «Senntrichlä», «Waldbruoder» und «ds chli Chlöpfli». Bilder Josias Clavadetscher
Schöpfer der neuen Arther Masken: Adrian Weber erläutert den aufmerksamen Zuhörern, wie es dazu gekommen ist.
Schöpfer der neuen Arther Masken: Adrian Weber erläutert den aufmerksamen Zuhörern, wie es dazu gekommen ist.

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Alte Arther Figuren neu belebt

Die Fasnachtsszene in Arth hat einen Glücksfall erlebt. Weil Skizzen und Beschreibungen überliefert sind, konnte Adrian Weber drei Fasnachtsfiguren aus dem 19. Jahrhundert wieder zum Leben erwecken.

Wer derzeit an der Zugerstrasse in Arth vorbeifährt, der sieht plötzlich hinter einem Fenster im Erdgeschoss Maskengesichter. AdrianWeber hat diese Masken kreiert, gefertigt und zum Leben erweckt. Er wolle nicht Masken für die Ausstellungswand herstellen, «sie müssen leben», erzählt er mit begeisterten Augen. Bei einem Atelier-Besuch des Kulturvereins der Gemeinde Arth wurde das diese Woche noch deutlicher. Rund 30 Personen liessen sich fasziniert in diese Welt der Masken entführen.

Ausdruckskraft der Holzmasken

Begonnen hat alles mit dem Erbgut. Weber ist von Haus aus begeisterter Fasnächtler. 1995 hat der gelernte Zahntechniker damit begonnen, erste Masken herzustellen. Zuerst aus Pappmaché, dann aus Kunststoffen, Polyester, Fliessharz, Schaum. Bis Weber dann die Ausdruckskraft der Holzmasken entdeckt hat. Nach zehn Fasnachtsjahren und vielen Auftritten mit Groteskmasken war er dann so weit, dass etwas Dauerhaftes auf den Tisch musste. Aber was?

Alte Beschreibung gefunden

Hier setzt nun der Glücksfall ein. Auch in Arth war im 19. Jahrhundert die schwyzerische Rott unterwegs und wurde das Nüsseln gepflegt. Das ist alles aber verschwunden. Er habe gesucht und geforscht, erklärte Weber, nirgends wurden alte Masken oder Vorlagen gefunden, Weber vermutet, dass sehr viele Masken verbrannt worden sind. Bis er dann auf Schilderungen von Jakob Rickenbach gestossen ist. Im Schweizer Archiv für Volkskunde hat dieser Brauchtumskenner Aufsätze über «Die Fasnacht in Arth ano dazumal 1870–85» veröffentlicht, zusammen mit Skizzen und Beschreibungen von vier Figuren. Eine davon, der Blätz, hat nicht wirklich fasziniert, die anderen drei schon. Weber hat diesen Figuren zur Wiedergeburt verholfen. Da die Beschreibung recht genau war, liess sich zuverlässig darauf aufbauen.

Seit 2006 neue Figuren

2006 ist so die Figur des «Waldbruoders» erstmals an der Arther Fasnacht aufgetaucht, 2007 dann «ds chli Chlöpfli», 2010 die «Senntrichlä». Die Masken besitzen starke Ausdruckskraft, archaischen Charakter und sind unverwechselbar. Dies gilt insbesondere für «ds chli Chlöpfli», mit zwei quer übers Gesicht laufenden grünen Streifen. Die Maske des «Waldbruoders» variiert, hat etwas Teuflisches, jene der «Senntrichlä» erinnert an Tod und Vergänglichkeit. Adrian Weber und seine Gruppe «UrArt» haben sich auch für die Kostüme was einfallen lassen. Der «Waldbruoder» kommt im dunklen, schweren Mantel daher, die beiden anderen in Filzkostümen mit bunten Rauten und Punkten.

Schweizweit einmalig

Schweizweit eine erstmalige Sache. Heute beleben rund 15 dieser Figuren die Arther Fasnacht am Güdelmontag. Auch wird wieder getrommelt, nach neu komponierten Rhythmen. Und letzthin, so Weber, habe er festgestellt, dass die Figuren bereits wieder auf der Strasse zu tänzeln beginnen. Das Leben ist eingehaucht und macht sich breit.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

19.02.2011

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schwyzkultur.ch/QrDJdf