Erfolgskombination: an die 80 begabte Bläser begeisterten unter der Leitung von Blasmusik-Komponist Johan de Meij (links). Bild Uschi Meister
Erfolgskombination: an die 80 begabte Bläser begeisterten unter der Leitung von Blasmusik-Komponist Johan de Meij (links). Bild Uschi Meister

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«Unerhörter» Hörgenuss

Umdenken war Samstagnacht in der Mehrzweckhalle Altendorf angesagt – oder besser ebenso ein Umhören. Das sinfonische Blasorchester «aulos» bot neue Töne und erntete Begeisterung.

Unglaublich, da sassen an die 80 junge Musiker auf ihren Stühlen und machten sich mit grossem Ernst und so viel Musikalität ans Werk, dass dem vorgängig nicht eingeweihten Besucher richtiggehend das Hören und Sehen verging. Tobias Lang, der jüngste Solist, ist gerade 18 Jahre alt, wirkt als Solo-Posaunist und heimste schon zahlreiche Preise ein. Insidern indessen war das «aulos »-Blasorchester längst ein Begriff, besteht es doch seit 20 Jahren, feiert heuer also Jubiläum und holte sich Johan de Meij, den Holländer mit Jahrgang 1953, ans Pult.

Komposition und Direktion

Dies war dann die wahrhaft ultimative Kombination, denn überbieten lässt sich die Qualität der Formation wohl kaum noch. Zwei Werke hatte Johan de Meij selbst komponiert. Die als Konzertabschluss gespielte Symphony no. 1 «The Lord of the Rings» basiert nicht etwa auf der Musik des gleichnamigen Films, sondern vielmehr auf der Buchtrilogie und teilt sich in fünf Sätze. Sie war Johan de Meijs erste grosse Komposition für sinfonisches Blasorchester und wurde 1989 mit dem Sudler Composition Award in den USA ausgezeichnet. All diese Gegebenheiten hatten zur Folge, dass da ein Orchesterleiter am Pult stand, der zwar die Partitur vor sich liegen hatte, aber Seite um Seite umblätterte, ohne auch nur einen Blick darauf zu werfen. Umso mehr konnte er sich der Interpretation hingeben, die ihrerseits die Spieler bis an die äusserste Grenze forderte. Viele Instrumente warfen einzig punktgenaue Akzente in den Klangteppich. So die liebliche Harfe ganz links angeordnet, von rechts sorgte gestrichener Bass für tieftonigen Boden – an beiden Nicht-Blasinstrumenten sassen junge Damen. Und manchmal herrschte Stress bei den Schlaginstrumenten ganz hinten, etwa wenn ein Spieler für einen einzigen Paukenschlag die gesamte Bühnenbreite zurückzulegen hatte.

Schwelgendes Publikum

Dafür schwelgte das fast atemlos lauschende Konzertpublikum umso mehr. Denn es drehte mental im Strudel diverser Gefühlsschwankungen, verfolgte gespannt jeden Schritt des Bösewichts, geriet in verzweifelte Depression und durfte hernach beim Tanz der optimistischen Hobbits wieder richtig aufatmen. Bösewicht Sandro stammt übrigens aus der Region und genoss sichtlich Anerkennung und Zuwendung der Zuhörer. Dank Radio DRS 2 bietet sich am 27. Oktober um 22.30 Uhr Gelegenheit für alle, sich auf dieses Abenteuer völlig neuer Blasmusik einzulassen und ungeahnte Klanginterpretationen zu entdecken – bei einem Mitschnitt des gleichen Konzerts in Solothurn.

March-Anzeiger und Höfner Volksblatt

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

19.10.2009

Webcode

schwyzkultur.ch/MbsyLE