Kompendium für Narren: Die Verfasserin der Neuauflage des Kompendiums, Kathrin Müller, und der in einen Blätz verwandelte Narrenvater Wisi Arnold präsentieren die neue «Fasnachts-Bibel». Bild Christoph Jud
Kompendium für Narren: Die Verfasserin der Neuauflage des Kompendiums, Kathrin Müller, und der in einen Blätz verwandelte Narrenvater Wisi Arnold präsentieren die neue «Fasnachts-Bibel». Bild Christoph Jud

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Anleitung zum Narrentreiben

In Steinen soll an der Fasnacht Ordnung herrschen. Was darunter zu verstehen ist, wird in einem Kompendium für Maschgraden aufgeführt. Eine Neuauflage ist kürzlich erschienen.

Die Steiner Maschgraden verfügen seit 16 Jahren über ein Kompendium, in welchem wichtige Details über die Sitten und den Ablauf der Fasnacht im Stauffacherdorf festgehalten sind. 1994 schrieb Albert Marty (Narrenvater 1993–1998) die erste Fassung des Kompendiums für Maschgraden. «In der Zwischenzeit haben sich ein paar kleine Änderungen im Dörfli ergeben», erklärte der aktuelle Narrenvater Alois «Wisi»Arnold im Gespräch mit dem «Boten». An der diesjährigen Generalversammlung der Fasnachtsgesellschaft Steinen am Vorabend vor Dreikönigen präsentierte Vorstandsmitglied Kathrin Müller-Siesto die von ihr überarbeitete und in einer neuen Form und mit einer farbigen Zeichnung geschmückte Ausgabe 2010 des informativen Kompendiums. In dem acht Seiten umfassenden Werk sind 16 Paragraphen, ein Lexikon mit 11 für die Steiner Fasnacht spezifischen Begriffen und die regelmässigen Fasnachtsaktivitäten aufgeführt.

Blätz nur in schwarzen Schuhen

Für erfahrene Maschgraden handelt es sich um allseits bekannte Regeln. Doch auch für sie kann das Studium des Kompendiums vielleicht wieder mal in Erinnerung rufen, wie man sich in Steinen an der Fasnacht kleiden und zu benehmen hat. Und für den Fasnachtsnachwuchs – an dem es in Steinen nicht fehlt – ist das Kompendium ein wichtiges Lerninstrument. So steht darin unter anderem etwa zu lesen, dass Orangen verteilt und nicht geworfen werden sollen. Oder dass der Auftakt zum Nüsseln immer im Restaurant Kündig durchs Maschgradegässli beginnt und «Nu vor em Bätälüütä: Uflösig vo de Rott vor em Rössli undä». Über die Kleiderordnung ist auch vermerkt, dass immer ganze Originalkostüme zu tragen sind, der Blätz nur in schwarzen Schuhen daherkommen darf und alle Maschgraden weisse Handschuhe verwenden müssen.

Von Fussspitze auf Absatz

Das Lexikon klärt auf, dass es sich beim Nüsseln in Steinen um einen «federnden Hüpftanz von Fussspitze auf Absatz mit runder Drehung» handelt. Weiter ist nachzulesen, dass es sich bei den Steiner Originalkostümen um Blätz, Domino, Bajass, Hudi, Alter Herr und Zigeunerin handelt. Aber auch Figuren wie Fecker, Hexen und andere sind oft vertreten. Selbstverständlich sind die beiden Hauptfiguren Talibasch und Välädi und ihr Treiben in der Rott erklärt. Oder auch das Ende der Fasnacht, das «Underä machä», wird erklärt. Dabei beendet am Güdelzischtig der Narrenvater in Begleitung seiner Steinerräbä die fünfte Jahreszeit in Steinen mit dem Spruch: «So, jetzt isch d Fasnacht underä gmacht.»

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

11.02.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/VMFKb1