Gemeinsam schafften das Vokalensemble Höfe und das New Sagittarius Consort ein Klangerlebnis der besonderen Art. Bild Janine Jakob
Gemeinsam schafften das Vokalensemble Höfe und das New Sagittarius Consort ein Klangerlebnis der besonderen Art. Bild Janine Jakob

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Anspruchsvolles «Stabat Mater» mit Gedanken einer 16-Jährigen

SommerMusikWollerau zog in Wilen mit Scarlattis zehnstimmigem «Stabat Mater», vorgetragen durch das Vokalsensemble Höfe und das New Sagittarius Consort Zürich, sowie einer Lesung aus dem Roman «Stabat Mater» viele Besucher an.

 Der Konzertabend «Zehnstimmig» als viertes und abschliessendes Konzert im Rahmen von SommerMusik-Wollerau der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Höfe stiess bei der Bevölkerung auf grosses Interesse. Bis in die hintersten Sitzbänke und bis hinten auf der Empore war die reformierte Kirche Wollerau in Wilen am Samstagabend besetzt. Domenico Scarlattis (1685 bis 1757) «Stabat Mater» zählt zu den anspruchsvollsten Kompositionen für Chöre. Das Vokalensemble Höfe mit Manuela Hager als Sopran und Georg Bochow als Countertenor stellte sich gemeinsam mit dem New Sagittarius Consort Zürich – Emanuele Forni an der Theorbe, Elisabeth Büttner an der Violone, Sebastian Bausch an der Orgel und Daniel Trumbull am Cembalo unter der musikalischen Leitung von Alexander Seidel – der Herausforderung.


Besonderes Klangerlebnis


Bei der Aufführung handelte es sich um eine besonders bunte Version, wie sie Zeitgenossen des Komponisten vorgetragen werden konnte. So wurde den Konzertbesuchern ein besonderes Klangerlebnis geboten; eine Art Dolby- Surround-System-Erlebnis, bei dem von vorne und von hinten Chorstimmen erklangen. Das Werk, zur Fastenzeit und zum Karfreitag gehört, wurde in den literarischen Kontext eingebunden. Alexander Seidel las Auszüge aus dem Roman «Stabat Mater» von Tiziano Scarpa vor und kombinierte diese mit dem Crucifixus von Antonio Lotti. Die Musik von «Stabat Mater» schildert die Sicht der Mutter, die ihr Kind durch den Tod verloren hat.Im Roman geht es um eine 16-Jährige, die ihre Mutter nie kennengelernt hat. Beim Zuhören wurde bewusst: Einsamkeit kann verschiedene Ursprünge haben, und jeder kann diese Einsamkeit aufbrechen, ganz unabhängig von familiären Verhältnissen. Das Mädchen fragt sich, was das Allerwichtigste im Leben ist, ob dies die Aufrichtigkeit ist oder dass man das eigene Kind nicht im Stich lässt. Verantwortung soll übernommen werden, und man soll das tun, was einem gut tut – Geige spielen, Musik hören. Der Abend endete mit einer Standing Ovation für die gelungene Interpretation einer komplexen Komposition, die – herausfordernd für den Besucher – literarisch eingebettet wurde. Der Musikabend war ein Moment der Besinnung, des Genusses, berührte und regte zum Nachdenken an.


Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Janine Jakob

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

27.08.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/6vDBRC