Schwyzerörgeli-Legende Rees Gwerder wäre am 30. Juli 100 Jahre alt geworden. (Bild: pd)
Schwyzerörgeli-Legende Rees Gwerder wäre am 30. Juli 100 Jahre alt geworden. (Bild: pd)

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Arth feiert seinen Örgeli-Rees

Schwyzerörgeli-Legende Rees Gwerder wäre am 30. Juli 100 Jahre alt geworden. Er war wohl einer der begnadetsten, eigenwilligsten, originellsten und urtümlichsten Schwyzerörgeler unseres Landes. Eine versuchte Würdigung:

Geboren auf der Alp Eigeli im Bisisthal, Muotathal, begann Rees Gwerder schon als 5-jähriger Knirps auf einem 6-bässigen Örgeli zu spielen und wusste mit 15 Jahren an die 100 zweiteilige Tänzli vorzutragen. Sein musikalisches Talent scheint ihm in die Wiege gelegt worden zu sein. 1932 kaufte er für 430 Franken eine 60-bässige Eichhorn-Schwyzerorgel mit der sogenannten Halb-Wiener-Stimmung. Der «Eigeler»-Rees, wie ihn die Muotathaler nannten, verstand es gleichermassen, mit dem Stöpselbass-Örgeli und den 18- wie auch 60-bässigen Instrumenten umzugehen. Gerade diese Vielseitigkeit kennzeichnete den Innerschweizer als einen der Grössten in dieser Sparte. In seinen besten Zeiten wusste er über 230 Tänze vorzutragen. Gwerder kannte keine Noten und wollte von Musiktheorie nichts wissen. «Ich ha niä kei Note brucht, da wird eifach görgelet und fertig.» Er war der personifizierte «Stegreifler». Hie und da etwas wortkarg, knurrig und eigen, dafür umso unverfälschter und immer geradeheraus. Er war so etwas wie ein Mensch aus einer anderen Epoche.

Gage von 18 Franken

Am Güdelmontag 1930 war sein erster öffentlicher Auftritt im Restaurant Alpenrösli in Schwyz. Von 14.00 bis 04.00 Uhr stand er für eine Gage von 18 Franken im Einsatz. Seine unzähligen Auftritte auf der «Gigäbank» sind legendär. Originell seine persönliche Aufmachung im Bergler-Stil: blumenbesticktes Hirtenhemd, Herkules- Hosenträger, «tannige Hosen», Bergschuhe und immer eine krumme Brissago im Mundwinkel sitzen. Seine kulinarischen Liebhabereien waren: Bratwurst mit Rösti, Hafächabis, Mineralwasser oder Milch mit Chrüterschnaps, Weinkaffee mit fünf Zucker und ein zünftiger Schnupftabak.

Herausragende Persönlichkeit

Seine Spieler-Vorbilder waren: Melchior Anton Langenegger (dr Egg Basch, 1872–1938), Alois Suter (dr Lisäbethler, 1861–1950), und Franz Betschart (dr Lieneler, 1870–1924). Das waren alles Schwyzerörgeler-Pioniere der ersten Generation aus dem Muotathal. Von diesen hörte er die Melodien, nahm sie in sich auf und komponierte auch eigene Tänze, wobei Überliefertes mit hinein geflossen ist. Als Anfang der 60er-Jahre die Ländlermusik schweizweit vermehrt Fuss fasste, trug auch Gwerder mit seinen eigenartigen, unüberhörbaren Melodien dazu bei. Kaum ein Schwyzerörgeler hat die Schweizer Volksmusik nachaltiger geprägt als er. Mit seiner eigenen Spielweise und dem markanten Takt, dem lieblichen, urchigen, lüpfigen Musikstil war der Innerschweizer die im wahrsten Sinne des Wortes herausragendste Persönlichkeit. «Rees-Musig» ist gelebte und lebendige Ländlermusik aus der engeren Heimat, nach alter Väter Sitte und kaum mit der «alpinen Volksmusik» von heute zu vergleichen. 1962 erschienen die ersten Tonaufnahmen in der Besetzung von Paul Suter (dr Frutler) und von Thomas Marthaler. Zahlreiche Schallplatten und CDs mit dem Übertitel «Schwyzerörgeli-Duo Rees Gwerder» sind in der Zeitspanne 1962–1991 veröffentlicht worden. Dabei begleiteten ihn Ludi Hürlimann, Sity Domini, Seebi Schmidig und Peter Ott. Weitere Spielkollegen waren: Adolf Schelbert (Rössli-Adolf), Anton Betschart (Jakä Tönel), Josef Gwerder (Fäzel), Paul Lüönd (Mosi Paul) und Josef Gisler (Axiger Sepp). Sein bevorzugter Mitspieler war zweifellos der Walchwiler Ludi Hürlimann, ein exzellenter Örgeler, der zum Bekanntheitsgrad und Erfolg von Rees Gwerder viel beigetragen hat.

Mit Sicherheit und Ausdauer

Rund 65 Jahre spielte Rees öffentlich zum Tanze auf, und dies mit unglaublicher Sicherheit und Ausdauer. Seine Popularität und Beliebtheit unterstreichen verschiedene Radio- und Fernsehauftritte. Als echter Vertreter der alten Volksmusik machte er seine Aufwartung in den USA, in Österreich und Deutschland. Über viele Jahre hinweg gab er Schwyzerörgeli- Unterrichtsstunden und vermittelte sein Können an Junge und Erwachsene. Eine herausragende Rolle spielt Gwerder auch im Dokumentarfilm «UR-Musik» von Cyrill Schläpfer. Dem Filmschaffenden und Tontechniker Schläpfer ist es zu verdanken, dass die musikalische un

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

19.07.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/VLQXbs