Felix Gubser: Ein Meister an der Arbeit auf der Arther Orgel. Bild Walter Eigel
Felix Gubser: Ein Meister an der Arbeit auf der Arther Orgel. Bild Walter Eigel

Nachrichten

Arther Orgelzyklus eröffnet

Der Zürcher Organist Felix Gubser eröffnete den diesjährigen Arther Orgelzyklus. Französische Spätromantiker standen auf dem Programm.

Das französische Orgelrepertoire gehört seit Jahren zu den unverzichtbaren Eckdaten der Arther Orgelkonzerte. Dies mag einerseits an der Disposition ihrer wunderschönen Orgel liegen, die sehr stark auf diese Musik ausgelegt ist. Anderseits gelingt es dem organisierenden Verein der Orgelmusikfreunde immer wieder, hervorragende Interpreten dafür an den Tisch zu verpflichten. Auch am vergangenen Sonntagabend stand mit dem Zürcher Organisten Felix Gubser ein Meister des Fachs zur Verfügung. Sein Programm war ganz den französischen Spätromantikern verpflichtet. Dabei hat er es erstaunlich frisch und vielfältig gestaltet, sodass in keinem Augenblick das Gefühl des Gleichartigen entstehen konnte.

Klangfülle und Andacht

Die Spannweite der französischen Orgelmusik liess sich am Eröffnungswerk erstaunlich gut ablesen. Léon Boëllmanns Gotische Suite bescherte einem die gewaltige, manchmal strenge Klangfülle, die den französischen Kathedralen angepasst ist, gleichzeitig aber auch die Intimität des stillen Betens im Kirchenraum. In der abschliessenden Toccata schien beides einem mystisch-mythischen Urgrund zu entspringen und in mitreissender Steigerung den himmelhohen Gewölben zuzustreben. Etwas ähnlich, wenn auch weniger dramatisch, klang Alexandre GuilmantsTrauermarsch, über dessen schwerer (nicht aber schwermütiger!) Kantilene erlösende Hoffnungslichter aufleuchteten. Damit nahm dieses Werk thematisch das Stück «In Paradisum» von Theodor Dubois vorweg. Die Seele wird da, gleichsam hinter dem «Ton-Schleier» der begleitenden Engel, in eine neue Welt hineingeboren – im äussersten Pianissimo, gleichsam aller Erdenschwere enthoben. Die differenzierte Interpretation des Organisten machte diesen inneren Prozess für die Zuhörerinnen und Zuhörer durchaus nachvollziehbar.

Von der Kirche in den Konzertsaal

Mit Joseph Bonnets Konzertvariationen kam ein neuerAspekt der französischen Orgelmusik zum Klingen. Zwar gehören auch dazu die mächtig klingenden Akkordfolgen, und selbst Anspielungen an Boëllmanns Gotische Suite waren unüberhörbar. Doch atmet diese Musik einen andern Geist; sie ist eigentlich im Konzertsaal zu Hause. Das lässt sich erst recht vom «Boléro de concert» des Romantikers Lefébure-Wely sagen. Natürlich darf man dabei nicht einfach Ravels Boléro vor Augen (Ohren) halten. Die spannungsvolle Darbietung aber zog einen spontan in die Schwingungen des charakteristischen Tanzrhythmus hinein.

Berner Marsch und die Franzosen

Die «Suite française» des Berner Organisten und Komponisten Hans Peter Graf sorgte für einen erfrischenden und erheiternden Abschluss dieses reichhaltigen Abends. Graf hat nämlich seinem Werk nicht nur das Thema des Berner Marsches zugrunde gelegt und dieses vielfältig variiert, er hat mit jeder der sechs Variationen einzelne französische Orgelkomponisten vortrefflich charakterisiert: Man konnte im üppigen Klang Widors schwelgen, die überraschenden Querstände Viernes ertragen, mit Cocherau tänzeln und lahmen, mit Franck dessen religiöses Gefühl mitsummen, in Langlais die beliebten Carillons entdecken und sich imAusgangsspiel von der ungestümen Gestaltungskraft von Lefébure-Wely mitreissen lassen. Wirklich: Die Berner blasen den Franzosen den Marsch! Das Werk war so nicht bloss die Zusammenfassung dieses ersten Orgelabends, sondern gleichzeitig eine Vorausschau auf den nächsten Sonntag. Der Beginn ist wiederum auf 20.15 Uhr in der Pfarrkirche Arth angesetzt.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

09.06.2010

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schwyzkultur.ch/kNNFSb