Anfang Jahr wurde Alfons Bürgler 80 Jahre alt, nun zeigt er in einer umfassenden Ausstellung in der neuen Galerie Meier in Goldau, was er die letzten 40 Jahre geschaffen hat. Bild Silvia Camenzind
Anfang Jahr wurde Alfons Bürgler 80 Jahre alt, nun zeigt er in einer umfassenden Ausstellung in der neuen Galerie Meier in Goldau, was er die letzten 40 Jahre geschaffen hat. Bild Silvia Camenzind

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«Auch ‹Gekribel› kann sehr schön sein»

Menschen in Bewegung stehen im Mittelpunkt von Alfons Bürglers Schaffen – agile Menschen, wie er selber mit seinen achtzig Jahren noch ist. Ab heute kann man in der neuen Galerie Meier in Goldau in sein Schaffen eintauchen.

Mit Alfons Bürgler sprach Silvia Camenzind

Silvia Camenzind:Die Fläche der neuen Galerie Meierist unglaublich gross. Hier stellen SieWerke aus 40 Jahren Schaffen aus.Wie packten Sie diese Aufgabe an?



Als ich wusste, dass ich hier ausstellen kann, habe ich meine alten Mappen durchgesehen. Da habe ich vieles entsorgt und ebenso vieles behalten.

Wie haben Sie die Auswahl getroffen?

Das war schwierig. Ich habe Skizzen, Bilder und Skulpturen in die Galerie transportiert und dort auf mich wirken lassen. Schliesslich habe ich mich für jene Werke entschieden, die nun in der Galerie hängen. Das ist es.

Kamen beim Durchschauen der Mappen auch Erinnerungen hoch?

Ich habe tatsächlich nicht mehr gewusst, was ich alles aufbewahrt habe. Wenn ich alte Zeichnungen betrachte, weiss ich wieder genau, wo ich damals war. Ich erinnere mich beispielsweise an Italien, an ein Ristorante. Dort habe ich viele Leute skizziert. Darüber freuten sie sich, und ich habe in solchen Momenten jeweils viele Skizzen verschenkt. Solche Erinnerungen tauchen oft auf.

Wie viele Zeichnungen liegen in Ihren Mappen?

Es sind 4140 Blätter. Dies sind alte Zeichnungen und Aquarelle auf Papier. Ich weiss das so genau, weil ich gerade alles fotografieren und archivieren liess. Nun ist die ganze Sammlung auf Festplatten gespeichert, und ich habe perfekte Ordnung.

Zurück zur Retrospektive.

Ein komisches Wort.Ich halte Rückschau, und ich lebe noch. Retrospektiven erinnern eher an verstorbene Kunstschaffende.

Sie hingegen wirken mit Ihren 80 Jahren jugendlich. Wie kommt das?

Ich tanze zwei Mal pro Woche in Luzern. Das ist mein Sport, der mich begeistert. Ich geniesse es, wöchentlich zwei Mal mit guten Tänzerinnen tanzen zu können. Und dabei wird ganz schön geschwitzt.

Sie könnten längst pensioniert sein. Ist die Pensionierung für einen Künstler überhaupt eine Option?

Die Malerei war viele Jahre lang mein Hobby. Dann konnte ich aus dem Hobby meinen Beruf machen. Die Malerei wurde zur Leidenschaft, und eine Leidenschaft endet erst mit dem Tod. Ich werde arbeiten, bis ich nicht mehr kann.

Beschäftigen Sie sich mit dem Tod?

Ich bin mit dem Tod befreundet, weil ich schon gute Erlebnisse mit Sterbenden hatte. Ich weiss, viel Zeit bleibt mir nicht mehr. Ich möchte den Tod sehr gerne bewusst erleben, bis zum letzten Atemzug.

Was wird beim Arbeiten im Alter schwieriger?

Mit der Energie muss man sorgfältiger umgehen als ein Vierzig-, Fünfzigjähriger. Früher konnte ich fast Tag und Nacht arbeiten. Das geht heute nicht mehr.

Gibt es Dinge, die im Alter einfacher werden?

Die Spontaneität. Ich bin viel spontaner, und dazu bin ich jeden Tag dankbar, gesund zu sein. Ich darf noch arbeiten an dem, was mich fasziniert. Als junger Maler hat man Vorbilder, man möchte so gut malen wie diese, und das gelingt eben nicht. Wird man älter, braucht man keine Vorbilder mehr. Ich male einfach, was von innen nach aussen drängt.

Gerade mit Ihren Körperschriften beweisen Sie Eigenständigkeit. Wie fanden Sie zu diesen?

Das war Zufall. Es war im Jahre 1998. Ich hatte mir einen günstigen Altpapierblock gekauft. Auf jedes Blatt malte ich zwei Figuren, ganz schnell ohne zu überlegen, Blatt für Blatt. Die Blätter lagen danach etwa ein halbes Jahr bei mir im Atelier auf dem Boden.

Und dann?

Dann legte ich sie eines Abends auf dem Boden nebeneinander aus – in Reih und Glied. Die Figuren waren je etwa 30 Zentimeter hoch. Es war eine Erleuchtung: Ich hatte meinThema gefunden, das ich vielleicht schon länger gesucht hatte.

Wissen Sie, worin der Ursprung der Körperschriften liegt?

Ja. Ich habe schon immer Menschen skizziert, Tausende Menschen, stundenlang, nächtelang, überall, wo ich mich aufhielt. Ich tat das sehr gerne. Diese vielen Menschen, das gab mir den Kick, sie nicht gegenständlich, sondern zeichenhaft zu malen. So entstanden die Körperschriften. Menschen und Bewegung, das entspricht mir.

Mit Ihren Körperschriften wurden Sie bekannt. Wie war das?

2002 hat mich die Gemeinde Hünenberg a

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

10.09.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/iExtsE