Regisseurin Martina Birchler hatte ein gutes Gespür, wer wen verkörpern solle. Foto: Franz Kälin
Regisseurin Martina Birchler hatte ein gutes Gespür, wer wen verkörpern solle. Foto: Franz Kälin

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Aus «Kaktus» wird «Gletscherrose»!

Dieses heitere Volksstück hat alles, um erfolgreich zu sein. Es hat Tempo, Witz, Pointen sind nicht aufgesetzt, ist spannend und hat mit Freddy Stössel als «Knecht Seppi» einen «Star» geboren. Die Theatergruppe Willerzell hat mit diesem Sück einen Volltreffer gelandet, das bewies das begeisterte Premierenpublikum.

Der Theaterbesuch gehört zu Weihnachten, besser gesagt, zum zweiten Weihnachtstag. Hinein sitzen können, abschalten, geniessen, alles rundherum vergessen, lachen – das bietet ein Landtheater, wie jenes im Willerzell, auf ideale Weise. Mit der Auswahl des Lustspieles «Zwoa harte Nüss» von Ulla Kling (Bearbeitung und Übersetzung von Lukas Bühler) hat die Theatergruppe eine glückliche Hand gehabt und ganz den Geschmack des Publikums getroffen. Kräftig übertrieben wurde bei dieser würzigen Bauerngeschichte am Samstagabend in der Turnhalle Willerzell. Der Grund dafür ist der sich einnistende Po-et (!) Siegfried Schreiber, ein Möchtegern-Liebhaber mit geschliffenen Sprüchen und der sich ob dieser Konkurrenz bedroht fühlende Knecht Seppi.

Beliebte Schauspielerin und Autorin

Doch zuerst etwas zu Ulla Kling. Sie ist 1940 in Augsburg geboren, verheiratet und Mutter von drei Kindern. Schon seit ihrem 17. Lebensjahr ist sie Mitglied bei den Bühnenfreunden in Augsburg und brachte als grossartige Schauspielerin die Menschen zum Lachen und zum Weinen. 1979 verfasste sie ihr erstes Bühnenwerk «Zwoa harte Nüss» (Schweizerdeutsch: Gliich & Gliich) und spielte selbst bei der Uraufführung in Augsburg die Hauptrolle der Magd «Mirzl» (Käthy). Das Stück wurde ein Riesenerfolg, sodass sie daraufhin das Schreiben nicht mehr sein liess. Einige Monate im Jahr verbringt sie in ihrer zweiten Heimat Kanada. In der dortigen Abgeschiedenheit findet sie die Musse für weitere Ideen. Ihre Stücke behandeln die verschiedensten Themen. Sie reichen von Familiengeschichten über Kriminalfälle bis hin zu Bauernstücken. Auch eine Thoma-Bearbeitung gehört zu ihrem Repertoire. Bereits über 30 Stücke der beliebten Autorin sind bis zum Jahr 2000 erschienen. Der Höhepunkt ihres künstlerischen Lebens und Schaffens war die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Band 1987, das ihr in Anerkennung ihres Wirkens verliehen wurde. Fast alle ihre Stücke wurden durch das Bayerische Fernsehen oder für diverse private Fernsehanstalten aufgezeichnet.

Starke Rollenträger

Ruhig, fast beschaulich beginnt das Spiel – wenn da nur nicht das Zerwürfnis der beiden Bauersleute wäre. Während sie im Ehebett schläft, nächtigt er in der alten Kammer im Stall. Des Bauers Frau, von ihm übrigens innig geliebt, hat ihn einer andern weggeschnappt – und sie soll das jetzt büssen mit Kinderlosigkeit und ehelicher Enthaltsamkeit. So wird es ihr vom «Chrüter-Anny» eingetrichtert – und sie glaubt daran. Nun sind da die Magd und der Knecht, beide rechtschaffen und mit einem gesunden Witz ausgestattet – aber leider nicht gerade die Schönsten. Die beiden Leutchen sollten nach dem Bauernpaar zusammenkommen, nur geht das aus verschiedenen Gründen nicht. Die Magd, die auch die Schweine füttert, hat es nicht so mit dem Wasser und dem Waschen: «Üs muess einä ä schöinä Süühund sii, dass er sich jedä Tag muess wäsche!» – So sieht eben der «Lappi» Seppi «von ihrer Psyche nichts»! Da kommt in Gestalt des scheuen Schreiber Siegfried ein Po-et(!) auf den Hof. Er verdreht der naiven Käthy mit seinen geschliffenen Versen und betörenden Reimen den ungewaschenen Kopf. Die «Gletscherrose» provoziert einen handfesten Streit – mit Folgen für einige Personen. Sogar die Eltern des Poeten verschlägt es auf den Bauernhof – zwei kuriose Gestalten, auch in ihrem ganzen Gebaren. Das Spiel nimmt seinen Fortgang. Einiges klärt sich auf, anderes bleibt mindestens geisterhaft. Über viel Situationskomik kommt die Komödie nach etwas Tiefgang im dritten Akt zu ihrem wohl gelungenen Abschluss. Und dies mit einer Pointe, die hier nicht verraten sei – die auch für die Zuschauer überraschend kam!

Knecht «Seppi» überragend

Die Rollen sind gut verteilt. Regisseurin Martina Birchler hatte ein gutes Gespür, wer wen verkörpern solle. Überhaupt hat sie dem Spiel ihren Stempel aufgedrückt – eine gute, klare, rasante Führung. Sie tut dem Spiel gut, das nie abflacht. Die Schauspieler füllen ihre Rolle mit Leben. Hildegard Schreiber (Margrith Fuchs

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

30.12.2009

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schwyzkultur.ch/XF5p1T