Die acht Künstler/innen fordern die Betrachter mit ganz unterschiedlichen Kunstobjekten – unter anderem mit dem schwarzen, betretbaren «Solorium» (links) und der acht Meter breiten Installation «Zwischenraum – Zwischenwelt –Voodoo» (Hintergrund
Die acht Künstler/innen fordern die Betrachter mit ganz unterschiedlichen Kunstobjekten – unter anderem mit dem schwarzen, betretbaren «Solorium» (links) und der acht Meter breiten Installation «Zwischenraum – Zwischenwelt –Voodoo» (Hintergrund

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Besucher als Teil der Kunst-Installation

Unter dem Patronat von Kunst Schwyz zeigen in der Werkhalle 30A in Siebnen acht Künstler erlebbare, bewegende Kunst, die zum tiefgründigen Nachdenken anregt und Unscheinbares sichtbar macht.

In der Werkhalle 30A in Siebnen fand am Samstag die Vernissage der Gemeinschaftsausstellung «Installationen» des Vereins Kunst Schwyz statt. Der Titel der Ausstellung bezieht sich nicht auf einen künstlerischen Inhalt, sondern auf eine Kunstform. Den Begriff der Installationen gibt es in der Kunst trotz des Buches Genesis erst seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Seither hat sich die Kunstform stark entwickelt, ausgeweitet und verselbstständigt. Das Kunstwerk hat sich dabei von der Fläche der Malerei und dem Körper der Skulptur hinaus in den Raum entwickelt, welcher einbezogen und in Beschlag genommen wird. Dieser Raum wird mit verschiedenen Mitteln spürbar verändert. Verschiedene Materialien wie künstlerisch gestaltete oder simple Alltagsgegenstände treten auf, Licht und Animation werden eingesetzt. Die Künstlerinnen Irène Hänni, Corin Fuchs mit Carina Johner, Inés Mantel und Barbara Schneider-Gegenschatz sowie die Künstler Christof Suter, Zeno Schneider und Toni Ochsner zeigen raumübergreifende dreidimensionale Kunstwerke.

Starkes Kunstschaffen im Kanton

Die verschiedenen Installationen sind stehend, schwebend und bewegend. Sie beeindrucken sowohl die kleinen als auch erwachsenen Besucher. Michael Stählin, Regierungsrat und Präsident der Kulturkommission des Kantons Schwyz, freute sich über das lebendige und kreative Schaffen der Künstlerinnen und Künstler im Kanton und drückte in seiner Ansprache die Unterstützung des Kantons aus. Zeno Schneider führte in die Ausstellung ein. Im Garten Eden stand der Baum des Lebens, welcher die Frucht der Erkenntnis trug. Darüber stand das Verbot, diese Frucht zu essen. Die allererste Installation hat der Schöpfer selbst erstellt. Es war ein raumgreifendes, orts- und situationsbezogenes, dreidimensionales Werk und enthielt als vierte Dimension die Bedingung der Interaktion. Die Folgen dieser Interaktion betreffen uns seit jeher. Der Biss in den verbotenen Apfel verwandelte – so die Ausführungen Schneiders – unser Da-Sein in unser Bewusst-Sein.Er machte deutlich, welch schwerwiegende Folgen die Begegnung mit Installationen haben kann.

Installationen auch im Alltag

Die Installationen im besiedelten Raum sind omnipräsent und haben den Auftrag und die starke Absicht zur Verpflichtung. «Wir alle rauschen heute ganztags durch verpflichtende und werbende Installationen, die uns im Wortsinn selbstverständlich umgeben. Wir haben uns daran gewöhnt, so dass es uns auffällt oder unzeitige Feriengefühle auslöst, wenn sie plötzlich ausbleiben», erläuterte Schneider. Ob auf dem Weg zur Arbeit oder über einen Pass während einer Wochenendfahrt – auf unserem Weg begegnen wir Zeichen, Flaggen, Ampeln, Kreiseln. Immer wieder gerät man in mehr oder weniger strukturierte Installationen, welche dreidimensional, ortsgebunden, raumgreifend und situationsbezogen auf die persönliche Stimmung und das eigene Handeln durch Hinweise oder Vorschriften einwirken. Unabhängig von der Grösse der Installation, welche eine Breite bis zu acht Metern in der Ausstellung einnehmen, ergeben die statischen oder mobilen Bestandteile umfassende und eingreifende Strukturen, die unseren gewohnten Raum hinterfragen und verändern oder neu erleben lassen, indem der Betrachter ruhend oder aktiv miteinbezogen wird.

Raum für Gedanken und Gefühle

Die Ausstellung bietet Kunst-Installationen zur Ansicht und Begegnung, welche gerade nicht die Absicht haben, den Betrachter zu etwas zu verpflichten oder ihm gar ein Produkt aufdrängen. Vielmehr ermöglichen sie in ihrer speziellen Formsprache eigene Assoziationen. Gedanken und Gefühlen wird Raum gegeben. Die ausgestellte Kunst fordert den Betrachter zu einer Antwort für sich selbst heraus: Was ist mir wichtig? Wie fühle ich mich, wenn mein «äusserer Raum» beim Gehen im «Solorium» sichtbar wird? Was sind meine wahren Ziele im Leben? Was sehe ich im zweiten Blick und wie empfinde ich das Gesehene? Die Kunst-Installationen mit ihrer tiefgründigen Formsprache und absichtlich mehrdeutigen Signalen

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

12.06.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/vsSsBD