Das Singen in einem Chor macht Freude, wenn der Klang harmonisch ist und die Zuhörer begeistert sind. Bild zvg
Das Singen in einem Chor macht Freude, wenn der Klang harmonisch ist und die Zuhörer begeistert sind. Bild zvg

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«Chöre haben eine Zukunft»

Singen im Chor war auch schon beliebter als heute. In den letzten Jahren lösten sich einige Chöre auf, andere kämpfen ums Überleben. Über die Zukunftsaussichten reden Präsidenten und Dirigenten.

Die meisten Chöre in der Region suchen neue Sängerinnen und Sänger. Einen schweren Stand haben vor allem Männer- und Kirchenchöre. Sie finden kaum Personen unter 40 Jahren, die bereit sind, regelmässig in die Proben zu kommen und Konzerte mitzugestalten. «Das stimmt. Das gleiche Problem haben aber auch viele andere Vereine », sagt Fabian Bucher, Präsident des Schwyzer Kantonal-Chorverbandes (SKCV). In dieser Funktion vertritt er im Kanton Schwyz rund 400 Sängerinnen und Sänger in 13 Chören.

Interesse ist vorhanden

Fabian Bucher sagt: «Das Interesse am Singen ist durchaus vorhanden.» Fast alle Musikschulen haben Kinderchöre, einige auch noch Jugendchöre. Doch danach fehlt ein Angebot zwischen Schulzeit und Erwachsenenleben. Bucher stellt aber auch fest, dass viele Menschen davor zurückschrecken, sich in einem Verein zu engagieren oder gar Verantwortung zu übernehmen. Sein Fazit: «Es wird viel gesungen – aber nicht unbedingt in den alten Strukturen.»

Sänger und Zuhörer begeistern

«Ein Chor steht und fällt mit dem Präsidium und der musikalischen Leitung», sagt Bucher weiter. Verstünden es diese Personen zu motivieren und zu begeistern, dann sei es für die Vereinsmitglieder einladender, mitzumachen. «Es sind riesige Erlebnisse, etwas aufzuführen.» Er spricht aus vielfacher eigener Erfahrung und findet, dass Singen etwas sehr persönliches ist. «Man kann sich nicht verstecken, die eigene Stimme tönt so, wie man sie bekommen hat.» Die Aufgabe der Chorleitung sei es, die verschiedenen Stimmen zu einem wohlklingenden Gesamtwerk zusammenzuführen. Keine einfache Aufgabe, wenn man bedenkt, dass viele Chormitglieder nicht Noten lesen können und über das Gehör singen lernen.

Neue Ideen zulassen

Auf die Nachwuchsprobleme angesprochen sagt Bucher: «Es braucht neue Ideen und Chöre, die diese umsetzen. Aktuell beliebt sind Projekte, bei denen sich Sängerinnen und Sänger nur für eine beschränkte Zeit verpflichten. «Man kann dies als Rosinenpicken bezeichnen. Ich habe aber mit dem Frauenchor Einsiedeln erlebt, dass 9 von 20 Projektsängerinnen über die abgemachte Zeit hinaus geblieben sind», sagt er. Als weiteres Rezept sieht er die Zusammenarbeit von zwei Chören. Gar nicht hoffnungslos ist die Suche nach neuen Dirigenten. Der Kirchenchor Freienbach bekam auf sein Inserat hin gleich mehrere Bewerbungen.

Am Sonntag auf die Skipiste

«Bei den Kirchenchören kommt erschwerend hinzu, dass Auftritte an Festtagen zum Programm gehören», sagt Paula Huber, die Präsidentin des Cäcilienvereins in Tuggen. Genau an Weihnachten und Ostern wollen aber viele Menschen ungebunden sein und «vielleicht einfach einmal skifahren». Das geht dem Chor dann bald einmal ans Lebendige. In Tuggen sind derzeit nur noch 18 Personen im Kirchenchor. «Wir machen aber weiter, solange wir eine Dirigentin haben und überlegen uns, ein zeitlich beschränktes Projekt anzupacken», sagt Paula Huber. Die Hoffnung, dass sich die Situation zum Besseren wendet, stirbt zuletzt.

Originell sein

Einen originellen Weg zur Werbung von neuen Mitgliedern hat die Cäcilia Lachen eingeschlagen. Auf der Homepage wird versprochen: «Wer ein neues Mitglied vermittelt, erhält vom Verein ein gemeinsames Nachtessen mit dem Neumitglied.» Allerdings mit der Einschränkung «nach dem ersten Jahr Mitgliedschaft». «Man muss die Leute gezielt ansprechen», sagt Clara Betschart. Sie ist Präsidentin des evangelisch-reformierten Kirchenchores Höfe. Mehr als 30 Personen aus der ganzen Region und von verschiedenen Konfessionen kommen zur wöchentlichen Probe. Ein Magnet ist wohl auch Dirigent Maurizio Fiaschi, der drei weitere Chöre in Italien leitet. Mit Konzertprojekten werden regelmässig Brücken zwischen den beiden Ländern geschlagen.

Pop und Gospel als Magnet

Wesentlich mehr Zulauf haben moderne Chöre. Im Pop- und Gospelchor Sweet’n’Sour aus Freienbach singen laut Homepage rund 50 Personen zwischen 16 und 66 Jahren mit. Sie wollen die Welt mit Lebensfreude anstecken. Dirigent Ulrich Wolf entwickelt jedes Jahr e

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

17.02.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/7XygwJ