Reto Thalmann, Pascal Fuchs und Ruedi Kälin (v. l.) wissen noch nicht, wie es mit ihrer Band Tempesta weitergeht. Bilder Christina Teuber
Reto Thalmann, Pascal Fuchs und Ruedi Kälin (v. l.) wissen noch nicht, wie es mit ihrer Band Tempesta weitergeht. Bilder Christina Teuber
 «Da hat nichts überlebt»: Im Tempesta-Bandraum ist schlicht alles kaputt gegangen.
«Da hat nichts überlebt»: Im Tempesta-Bandraum ist schlicht alles kaputt gegangen.

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«Da schwimmen schon fast die Fische drin …»

Auch Bands blieben nicht vom Unwetter verschont. In Wollerau flutete es Tempesta den gesamten Bandraum im zweiten Untergeschoss. Ob noch etwas zu retten ist, bleibt abzuwarten. Ob die Band weitermacht, auch.

Es ist rutschig, schlammig und stinkt gewaltig im Bandraum von Tempesta. Auch bald zwei Wochen nach dem Unwetter ist noch nicht alles Wasser ausgepumpt, das sich während des heftigen Gewitters im zweiten Untergeschoss eines Industriegebäudes in der Wollerauer Roos – dem Bandraum von Tempesta – angesammelt hatte. «Da schwimmen schon fast die Fische drin», meint Reto Thalmann. Überall liegen CDs, Flaschen und kaputtes Musikequipment herum. Ein riesiges Chaos. «Teile des Schlagzeugs haben wir sogar im Luftschacht etwa zehn Meter weiter von hier gefunden», erklärt Pascal Fuchs. Ob noch etwas zu gebrauchen ist, kann die Band schwer sagen. «Der Raum stand während vier Tagen komplett unter Wasser – da hat nichts überlebt», meint Thalmann mit Wehmut. «Aber es war vielleicht besser, dass wir erst nach vier Tagen runter konnten. Sonst wäre der Schock wohl noch viel grösser gewesen.»

Zwei Konzerte abgesagt

Kurz daraufhin hat die Band ihre beiden nächsten Konzerte am TellRide in Freienbach und im «Pirates» in Hinwil abgesagt. «Wir sind momentan tief im Loch und haben einfach keine Lust darauf, zu spielen», sagt Fuchs traurig. Zwar hätten Musikerkollegen und Fans Tempesta Instrumente und Proberäume angeboten, die Band hat aber dankend abgelehnt. «Um die passende Gitarre zu finden, habe ich 22 Jahre gebraucht», erklärt Fuchs die Schwierigkeit, sein Instrument einfach so zu ersetzen. Viel Material, das zerstört wurde, fände man gar nicht mehr auf dem Markt. Und man könne nicht unvorbereitet an ein Konzert, sagt er weiter.

Kapital weggeschwemmt

Doch das ist noch nicht alles.Tempesta wollte dieses Jahr eigene Songs schreiben und hat deswegen all ihr Musik-Equipment in den Bandraum verlegt. «Unser ganzes Kapital ist weggeschwemmt », erklärt Thalmann. Man habe viele Jahre in den Bandraum investiert, er sei für die vier Musiker wie eine zweite Wohnung gewesen. Den Schaden könne man noch nicht beziffern, zu viel Material sei noch unter der Schlammschicht versteckt, sagt Thalmann und findet eine seiner Lieblings-DVDs auf der Treppe. «Ausserdem sind die Versicherungen in den Ferien, wir müssen also einfach abwarten», erklärt Fuchs. Eine Krisensitzung hatte die Band bereits. Die Frage, ob man nochmals so viel Geld und Zeit in Tempesta investieren soll, ist noch ungeklärt. Denn erst nach und nach tauchen die Probleme auf. «Die Überschwemmung des Bandraums war wie ein Schlag in Zeitlupe. Aber irgendwann trifft er dich trotzdem», sagt Thalmann. Ob es ein K.O-Schlag für die Band war, wird sich zeigen.

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger (Christina Teuber)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

08.08.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/NW4ZKL