Das hat es 1968 noch gegeben: Die unvergessliche Albertine Schönbächler mit ihrem Kuh-Fuhrwerk vor dem Landhaus,der «Ranch». Bild Franz Kälin
Das hat es 1968 noch gegeben: Die unvergessliche Albertine Schönbächler mit ihrem Kuh-Fuhrwerk vor dem Landhaus,der «Ranch». Bild Franz Kälin
Benno Kälin (links) und Franz Kälin wandelten fast drei Jahre auf «Foti Fränzels» Spuren. Bild Victor Kälin
Benno Kälin (links) und Franz Kälin wandelten fast drei Jahre auf «Foti Fränzels» Spuren. Bild Victor Kälin

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«Das ist klar ein Film für die Einsiedler»

Für den Dokumentarfilm «Foti Fränzel  Einsiedler Bildergeschichten aus 70 Jahren» folgten Franz Kälin und Benno Kälin fast drei Jahre lang den Fussspuren von Franz Kälin. «Foti Fränzel» als Film ist ab dem kommenden Dienstag in der Cineboxx zu sehen.

«Und da war sie plötzlich da, die Idee: Das gibt doch einen Film!» Fast drei Jahre später muss Franz Kälin junior (*1961, Cineboxx) selbst schmunzeln, wenn er sich an den «zündenden Funken» zurückerinnert, wie er denn die grosse Hinterlassenschaft seines Vaters Franz Kälin (*1932, Fotograf) irgendwie der Öffentlichkeit zugänglich machen könnte. «Ich spürte eine Verantwortung. Die Frage beschäftigte mich, wie mit seinem Wissen umzugehen sei.» Er, der versierte Filmemacher, zog selbst eine Ausstellung in Betracht. Doch als «Foti Fränzel» wieder einmal Geschichten aus dem Leben erzählte, und sein Filius einmal mehr beeindruckt war, wie aufmerksam und amüsiert die Umstehenden seinem Vater zuhörten, stand für ihn fest: Ein Film muss es sein. Ein Film über Einsiedelns bekanntesten Fotografen: Franz Kälin, Jahrgang 1932.

Ein bewährtes Duo

Für sein neuestes Vorhaben holte sich Franz Kälin erneut Benno Kälin (*1944, Radiojournalist) an seine Seite. Ein bewährtes Team, das seit 2008 regelmässig zusammenarbeitet, letztmals mit der Dokumentation «Im Schatten der Madonna», zu sehen gewesen im Frühling des Vorjahres. Der Dokumentarfilmer und der Radiojournlist ergänzen sich hervorragend. Beim Bild hat Franz Kälin das letzte Wort, beim Text Benno Kälin. «Ich habe spontan zugesagt», sagt Benno Kälin. «Mich faszinierte die Idee, eine Geschichte durch Zeitzeugen visuell zu überliefern.» Und zwar jetzt und heute, mit einem Hauptdarsteller, der mit 84, man erlaube die Formulierung  noch immer «topfit in der Gegend herumsteuert».

Für die Nachwelt erhalten

Es ist nicht irgendeine Geschichte, sondern jene von Einsiedeln. Zumindest jene, welche «Foti Fränzel» in den letzten fast 70 Jahren mit seiner Kamera eingefangen hat. Der Film ist denn auch keine Biografie über dessen Leben, sondern über dessen immenses Bildarchiv, das viel mehr ist als eine konzeptlose Anhäufung von Fotos, sondern eine Dokumentation der Entwicklung von Einsiedeln. «Bei Foto Franz Kälin war und ist das Bewusstsein vorhanden, dass er mit seiner Kamera vieles für die Nachwelt erhalten würde», schält Benno Kälin dessen wohl grösste Leistung hervor. Foto Franz Kälin war über Jahrzehnte zur Stelle, nicht nur bei feierlichen Anlässen und traurigen Unglücken, sondern mit wachem Geist auch im ganz normalen Alltag: Wie sonst ist eine Foto wie jene von Albertine Schönbächler mit ihrem Kuh-Fuhrwerk vor dem Landhaus erklärbar? Es sind solche Preziosen, welche die Sammlung des Einsiedler Fotografen zu einem in sich geschlossenen Gesamtbild formen.

«Das gibt doch nichts her!»

Skeptisch war «Foti Fränzel» gewesen, als Sohn Franz ihm von der Idee erzählte: «Was willst du mit mir schon machen? Das gibt doch nichts her.» Doch der Senior liess sich vom Konzept überzeugen. Der Appetit kam dann mit dem Essen. Nicht weniger als 968 Fotos wurden für den anderthalbstündigen Dokumentarfilm verwendet! Dennoch ist keine lose Aneinanderreihung von Fotos, keine Tonbildschau entstanden, wie Kälin/Kälin versichern. Für ihr dramaturgisches Drehbuch stellten sie unter anderem Szenen nach  und reaktivierten beispielsweise die Dunkelkammer, in welcher «Foti Fränzel» jahrzehntelang Tausende von Fotos entwickelte. Natürlich auch für den Einsiedler Anzeiger. Natürlich alle in Schwarz-Weiss.

Ein Film für alle Generationen

«Es ist ganz klar ein Film für die Einsiedler», sagen die Macher Kälin/ Kälin unisono. «Wir mussten keine Abstriche für ein überregionales Publikum machen, da wir wussten: Die Einsiedler kennen das.» Und wer «Foti Fränzel» kennt, weiss zudem, dass man auch wird lachen können. Es ist ein lustiger, amüsanter Film, bestätigt denn sein Sohn. Für die älteren Einsiedler bringt «Foti Fränzel» eine Auffrischung der eigenen Erinnerungen; den Jüngeren gewährt er einen spannenden Blick zurück in die Vergangenheit ihrer Eltern und Grosseltern und in die Geschichte von Einsiedeln, deren Teil sie mittlerweile selbst geworden sind.



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Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Film

Publiziert am

28.10.2016

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schwyzkultur.ch/WhV6Mf