Sina fühlt sich in der Natur pudelwohl. Wie man sie kennt, ist sie aber auch auf der Bühne glücklich zu Hause.
Sina fühlt sich in der Natur pudelwohl. Wie man sie kennt, ist sie aber auch auf der Bühne glücklich zu Hause.

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«Das Reh ist nicht automatisch in schwächerer Position»

Sina erzählt, wieso sie fliegend im Hoch-Ybrig ankam und wieso sie nie mehr auf die Jagd geht.

Mit Sina sprach Nicole Auf der Maur

Seit über 20 Jahren hören Sie sich selber am Radio singen. Ist das nicht etwas verstörend?

Eher irritierend, vor allem am Anfang. Aber natürlich überwiegt bis heute die Freude, dass ich mit meiner Musik die Leute bis heute durch ihren Alltag begleite. Das ist ein schönes Gefühl.

Wodurch sind Sie auf dem Boden geblieben?

Ich bin mit 17 Jahren langsam in die Musikwelt hineingekommen. Die ersten zehn Jahre waren Wander- und Lehrjahre mit sehr mässigem Erfolg. Das hat mir aber auch gezeigt, dass die Musik mehr als nur Mittel zum Zweck war. Sie ist und war meine Passion, eine Berufung, die mit viel Arbeit verbunden war, aber auch mit grosser Befriedigung.

Walliser werden als bodenständig angesehen. Welche Parallelen haben die Walliser noch zu den Schwyzern?

Beide kennen das Bedürfnis nach Unabhängigkeit und gleichzeitig nach Zugehörigkeit. Man ist geschützt durch Berge, aber auch isoliert durch die Topografie. Berglerinnen und Bergler haben eigene Codes – diese Nonkonfirmität macht sie eigen – und verbindet. Für mich heisst Heimat Sprache, Mentalität und Natur. Wenn man weiss, woher man kommt, dann erdet das.

Inwiefern kennen Sie den Kanton Schwyz?

Ich habe in den letzten 20 Jahren einige Konzerte im Kanton Schwyz gegeben, war mit der Familie oft in Einsiedeln und liebe den Sihlsee.

Gab es ein Erlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung blieb?

Das war am Open Air Hoch Ybrig, wo ich mehrmals Gast war. Einmal hatten wir am gleichen Tag ein Konzert in Basel und hätten es mit dem Auto nich tmehr rechtzeitig auf den Berg geschafft.Da hat sich jemand anerboten, uns zu fliegen. Wir sind dann eine halbe Stunde vor Konzertbeginn mit dem Helikopter auf dem Parkhausdach gelandet. Das war schon ein spezielles Erlebnis.

Ihr neues Album heisst «Tiger & Reh». Das Albumcover zeigt Sie im Wald. Waren Sie auch schon auf der Jagd?

Ein paar meiner Onkel sind Jäger, und einmal durfte ich sie auf die Jagd begleiten. Als der eine schliesslich ein Reh im Visier hatte,musste ich plötzlich laut niesen. Das Tier hat die Flucht ergriffen, und für mich war es die erste und letzte Jagd ...

Bei welcher Tätigkeit trifft man Sie in der Natur an?

Ich bin oft im Freien. Ich schwimme immer noch fast täglich im See und drehe meine Runden im nahen Wald.

Inwiefern hat die Natur Ihr neues Album geprägt?

Der Albumtitel ist eine soziale Metapher für verschiedene Typen. Die Jagenden und Gejagten, die Starken und Geschwächten, die Suchenden und die, die angekommen sind. Wir alle sind mal Tiger, mal Reh.Und dabei ist das Reh nicht automatisch in der schwächeren Position.

Ihre Single heisst «Wartu u ds Glick». Was ist für Sie Glück?

Freundschaften, die Wucht der Natur, wenn das Leben es gut meint. Und natürlich die Freiheit, mich verwirklichen zu können. Dass ich heute meine eigenen Entscheidungen treffen kann, ist für mich Glück.

Auf Ihrer Homepage veröffentlichen Sie die Songtexte und Noten der einzelnen Songs. Ist dieses Angebot beliebt?

Ja, die Leute spielen die Songs gerne zu Hause nach oder an Feiern. Aufgrund der steigenden Nachfrage habe ich mich entschieden, die Songs und Texte zum Downloaden auf die Page zu stellen.

Sie singen seit jeher in Walliser Dialekt. Gab es schon Missverständnisse aufgrund Ihrer Texte?

Das passiert schonmal. «Ich griifu di gäru a» hat zum Beispiel nichts mit Angriff zu tun, aber mit Berührung. Und dann gibts ein paar exotische Wörter, die ich immer wieder mal übersetze. Man kann an meinen Konzerten also auch allerhand lernen (lacht).

Wer schreibt in Ihren Augen beziehungsweise Ohren die besten Texte?

Jacques Brel, Charles Aznavour, Lyle Lovett. Ein guter Text ist für mich zeitlos und berührt mich im Innersten, eine schwierige Kombination.

Welche Musik fasziniert Sie privat?

Ich höre fast alles,ausser Speed-Metal und Techno. Irgendetwas muss mich berühren in einem Song. Das passiert mir in der Popmusik, Folk, modernem Country eher als bei der elektronischen Musik. Für mich braucht

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

07.10.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/cMWteb