Musikalisch in der Kirche zu Hause: Der Brite Sir Colin Mawby studierte am Sonntag seine Eigenkomposition «Quoniam Angelis Suis» mit dem Kirchenchor Galgenen ein. Bild Tatjana Kistler
Musikalisch in der Kirche zu Hause: Der Brite Sir Colin Mawby studierte am Sonntag seine Eigenkomposition «Quoniam Angelis Suis» mit dem Kirchenchor Galgenen ein. Bild Tatjana Kistler

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«Der Phil Collins der Kirchenmusik»

Sir Colin Mawby, der weltbekannte englische Komponist, widmet dem Kirchenchor Galgenen anlässlich des 125-jährigen Bestehens ein Stück. Während eines dreitägigen Besuchs machte sich der Brite mit dem Chor vertraut.

Eine gemeinsame Bekanntschaft kann Gold wert sein. Diese Erfahrung machte auch der Kirchenchor Galgenen. Denn kein Geringerer als der weltbekannte englische Komponist Sir Colin Mawby (siehe Kasten) schrieb und schenkte dem Kirchenchor Galgenen zum 125-jährigen Bestehen das Stück «Quoniam Angelis Suis». «Ein Bekannter vermittelte zwischen mir und Sir Mawby», erinnert sich Werner Pfenninger, Dirigent des Kirchenchors, an die Anfänge vor zwei Monaten. «Als ich ihm dann von unserem Jubiläum erzählte, sprang der Funke sehr schnell, und Sir Mawby schrieb uns innert zwei Wochen ein Stück», so Pfenninger weiter. Das Erstaunliche: Mawby liefert gleich zwei Varianten, nämlich eine für Orgel und eine für orchestrale Begleitung.

Ein Superstar auf Besuch

Es sei ihm wichtig, persönlich vorbeizukommen, erklärt der passionierte Musiker Mawby. Denn: «Es ist zentral, mit dem Chor in Kontakt zu stehen und zu sehen, wie die Sänger auf das Stück reagieren.» Es sei kein einfaches Unterfangen gewesen, ein Stück zu komponieren und aufgrund von telefonischen Beschreibungen des Dirigenten auf den Chor einzugehen. «Umso mehr bin ich darauf gespannt, den Chor in natura zu hören.» Letzten Sonntag war es so weit. Die erste Probe zeigte: Das sechsminütige Stück traf ins Schwarze. Während rund zwei Stunden verlieh Mawby seinem Können Ausdruck, hörte sich die einzelnen Stimmen an, unterbrach nur, wo nötig, und setzte auf sein Geheimrezept: die Ökonomie der Worte. «Wenn du probst, solltest du so wenig Worte wie möglich brauchen. Indem du dirigierst, lässt du die Sänger das spüren, was du rüberbringen möchtest. Das Stück soll den Musikern ins Blut gehen», so das Ziel des Experten.

Viel Lob für Chor

Mawby ist optimistisch und findet lobende Worte für den Galgener Kirchenchor: «Ich bin überrascht, welche stimmliche Energie mir der Chor entgegenbringt.» Während der Probe bestätigte sich für Werner Pfenninger der Eindruck, dass es sich bei Mawby um eine sehr interessierte, professionelle und bescheidene Persönlichkeit handle.

Glänzende Karriere

Bescheiden waren auch die Anfänge von Mawbys Karriere. «Es ist schwer, sich als Komponist den Lebensunterhalt zu verdienen. Ich würde keinem empfehlen, diesen Beruf zu ergreifen », erläutert Mawby schmunzelnd. Er habe Glück gehabt, weil er sich mit seiner sakralen Musik, die ihn seit seiner Kindheit begleitet habe, eine Reputation und eine Reihe guter Kontakte habe aufbauen können. Ein Ruf, der bis in den Vatikan reicht und ihm zum päpstlichen Ritterorden verhalf. Bei einer solchen Vielfalt klassischer und choraler Kompositionen drängt sich die Frage nach Colin Mawbys Quelle der Inspiration auf. Ganz einfach: «Die grösste Motivation kommt dann, wenn die Stromrechnung im Briefkasten liegt. Dann höre ich einfach nicht mehr auf zu schreiben », gesteht der Brite lachend. Es funktioniere nicht, dazusitzen und auf Inspiration zu hoffen: «Dann tust du nichts, ausser zu warten.»

Offen gegenüber der Moderne

Viel relevanter sei es, sich einen strikten Plan zurechtzulegen, der bei der Komposition als Kompass diene. Ökonomie komme schliesslich auch bei der Komposition zum Zug. «Der Prägnanz und Komplexität zuliebe kürze ich in der Endphase der Komposition jedes Stück», verrät der Fachmann. Der Computer komme ihm bei dieser Arbeit seit acht Jahren sehr entgegen, schwärmt der Brite. Offen, wie er gegenüber technischen Errungenschaften ist, begegnet er auch moderner Musik. «Pop-Musik ist super», entgegnet er prompt. «Denn sie spricht die Leute an und verweist auf die zeitgenössische Kultur. Das fehlt der klassischen Musik.» Genau diesen Aspekt versucht Mawby denn auch in seine Choralmusik einfliessen zu lassen.

Jazzige Klänge in der Kirche

«Ich bin sehr angetan von dem Stück», bestätigt Chordirigent Pfenninger, und dementsprechend sei die Begeisterung bei den Chormitgliedern. «Quoniam Angelis Suis» sei ein modernes Stück mit einem melodiösen, leicht zugänglichen Charakter. Es sei kraftvoll, rhythmisch und überrasche gegen Schlus

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

25.01.2011

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schwyzkultur.ch/7RDtYx