Werkstatt für Bassgeigen: Mark Schuler (mit Sohn Florian) repariert ein solches Instrument. Bild Ernst Immoos
Werkstatt für Bassgeigen: Mark Schuler (mit Sohn Florian) repariert ein solches Instrument. Bild Ernst Immoos

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Der Stradivari der Bassgeige ist in Rothenthurm

Seit Mark Schuler 16 Jahre alt ist, zupft der heute 48-jährige Rothenthurmer an den Saiten der Bassgeige oder «streichelt» sie mit dem Bogen. Schon 22 Jahre repariert und baut er auch Bassgeigen – in Anlehnung an Stradivari.

Mark Schuler, Rothenthurm, hat das Musizieren von Kindesbeinen an erlernt. In der Grossfamilie spielte fast jedes seiner Geschwister ein Instrument. Klavier, Akkordeon und Klarinette waren bereits besetzt, und nur der Bass fehlte. So kam Mark zur Bassgeige, die ihn nicht mehr losliess: «Ich hatte den Narren am Bass gefressen, das ist bis heute so geblieben.» Sein gekonntes Bassspiel wurde denn auch von verschiedenen Ländlermusik- Formationen geschätzt, und heute spielt er vor allem noch mit dem Schwyzerörgeliduo Iten-Grab, Rothenthurm/ Oberägeri. Schuler ist aber mehr als nur ein brillanter Basszieher. Schon in jungen Jahren experimentierte er an der Bassgeige und führte auch kleine Reparaturen aus.

Vom Hobby zum Beruf

Vor 22 Jahren hat dann der Rothenthurmer sein Hobby zum Beruf gemacht. Er führt im Dorf einen Kontrabass-Shop mit eigener Werkstatt, in welcher auch vier Teilzeitangestellte arbeiten: «Ich habe Freude an meinem Job, und dank meiner treuen Kundschaft floriert das Geschäft. Meine Philosophie ist, Instrumente herzustellen, so wie ich sie für mich selber machen würde.» Weltrekord in Rothenthurm aufgestellt. Dass Bassgeigen auch volumenmässig etwas darstellen, ist klar. Doch dass dieses Instrument bis 185 cm gross ist und elf Kilogramm wiegen kann, wissen wohl nur die Eingeweihten.

Weltrekord

Im Auftrag des Eidgenössischen Ländlerfestes in Küssnacht stellte der Instrumentenbauer zusammen mit einem weiteren Fachmann vor 20 Jahren eine 420 cm grosse Bassgeige her, was gleichzeitig Weltrekord bedeutete. Inzwischen gibt es in Doppelschwand LU eine noch grössere Bassgeige.

Bis 300 Arbeitsstunden

Der Spass am Bass ist dem innovativen Rothenthurmer bis auf den heutigen Tag nicht vergangen – auch wenn für eine Bassgeige, die er von Hand herstellt, bis 300 Arbeitsstunden nötig sind. Seine selbst hergestellten Bässe sind ganz besonders geschätzt. Nach vielen Workshops und mit viel Eigeninitiative kopiert er zu einem Teil den weltbekannten Stil des grossen Meisters Antonius Stradivari, der aber vor allem Violinen, Bratschen und Celli gebaut hatte. Der Bass-Stradivari aus Rothenthurm baut aber auch Halbfabrikate in rund 150 Stunden aus oder importiert Bässe aus Deutschland und dem Osten, die dann in der Werkstatt präpariert und aufgemöbelt werden. Die andere Hälfte seines Arbeitsaufwandes investiert er in Reparaturen und Restaurationen von Bassgeigen. In der Schweiz gibt es nur wenige Bassgeigenbauer. Zu den ganz Gefragten zählt Mark Schuler, der nicht nur Kundschaft aus der Ländlermusik- Branche kennt.

Rock, Jazz und Klassik

Für Rockmusiker und Musiker aus der Jazz und klassischen Szene kann er den Bass genauso gut herrichten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass in seinem Ausstellungsraum 50 Bässe bereitstehen.Weitere 60 Stück hat er übrigens ausgemietet. Diese können mit einem von ihm selbst entwickelten Tonabnehmer ausgestattet werden: «Dieser sorgt für einen echten Basssound und tönt nicht so elektronisch.»

Familienbetrieb

Beim Bau von Bässen verwendet Schuler besonders geeignetes Holz – Fichte und Ahorn werden bevorzugt. Doch auch Sperrholz lässt das Instrument gut tönen, verriet er. Wichtig ist ebenfalls die Qualität des Bogens, der in den meisten Fällen aus Tropenholz gemacht wird. Ganz neu kommt aber jetzt auch Karbon zum Einsatz: «Der Bogen ist vom Spielen her beweglicher und der Sound bassiger.» Dass Mark Schuler diesen Kleinbetrieb schon so lange mit Herzblut erfolgreich führt, liegt auch an seiner Familie, die tüchtig Hand anlegt: «Nur so kann unser Familienbetrieb auch in Zukunft existieren.»

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

11.05.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/UZLvLP