«Viele Kinobesucher erwarten einen frömmlerischen Touch – und sind überrascht»: Filmemacher Franz Kälin (links) und Benno Kälin. Bild Archiv EA
«Viele Kinobesucher erwarten einen frömmlerischen Touch – und sind überrascht»: Filmemacher Franz Kälin (links) und Benno Kälin. Bild Archiv EA
Zu Fuss nach Einsiedeln: Die Wallfahrt Val Formazza, der Franz Kälin mit der Kamera auf dem Griespass begegnet. Bild zvg
Zu Fuss nach Einsiedeln: Die Wallfahrt Val Formazza, der Franz Kälin mit der Kamera auf dem Griespass begegnet. Bild zvg

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«Die eigenen Erwartungen übertroffen»

Es sind nicht nur die Eintritte, welche die beiden Filmemacher Franz Kälin und Benno Kälin freuen. Genauso wichtig erachten sie die Diskussionen, welche der Film auslöst.

«Noch auf keinen meiner Filme habe ich so viele Reaktionen erhalten – ich bin vom Echo überrascht.» Franz Kälin, Filmemacher und Cineboxx-Besitzer, will seine leichte Verwunderung nicht verbergen: «Etliche Besucher schüttelten mir die Hand und dankten für den Film.» 2000 Besucher sind es bisher gewesen und es dürften noch einige mehr werden. Selbst die Fünft- und Sechstklässler, welche im Film mitwirken, «sassen anderthalb Stunden mucksmäuschenstill im Kino». Das Interesse sei vorhanden, weiss Kälin inzwischen mit Bestimmtheit: «Wer den Film schaut, lässt sich auf die Thematik ein.»

«Noch gar nie nachgedacht»

Das kann sein Filmpartner Benno Kälin nur bestätigen. «Ich werde im Dorf dauernd darauf angesprochen. Es gibt viele Einsiedler, die über das Thema nachdenken. Der Film über die Wallfahrt lässt die Leute nicht kalt.» Aufschlussreich sei, so Benno Kälin, welche Erkenntnisse die Kinobesucher gewinnen. Dass zum Beispiel nicht nur Katholiken wallfahren und die Einsiedler das Potenzial schlecht nutzen würden, seien zwei oft gehörte Aussagen des Publikums. Überrascht zeigen sich viele über die zahlreichen Fakten sowie die historischen Zeitdokumente. «Dabei», so Franz Kälin schmunzelnd, «erwarteten sie einen frömmlerischen Film.» Letztlich dominiert die lapidare, aber ehrliche Antwort: «Über die Wallfahrt habe ich gar noch nie nachgedacht.» Damit bestätigen viele Kinobesucher eine wesentliche Feststellung des Filmes: Die Wallfahrt nach Einsiedeln hat es schon immer gegeben. Was soll man sich also gross um die Pilger kümmern?

Diskussionen ausgelöst

Diese Einstellung hat Benno Kälin schon bei den Dreharbeiten überrascht. Angesichts der einstigen, nicht zuletzt wirtschaftlichen Bedeutung der Wallfahrt kann er das kaum nachvollziehen: «Doch ich denke, der Film hat einigen die Augen geöffnet.» Die Aussagen über die fehlende Zusammenarbeit, über Neid und Missgunst hätten einige Diskussionen über den Stellenwert der Wallfahrt in Einsiedeln ausgelöst. «Der Film berührt.» D iese Diskussionen sind gewollt und werden von den beiden Filmemachern dementsprechend begrüsst. Ob sie aber konkret etwas bewirken? «Das können wir nicht beurteilen», fassen beide zusammen. «Wir haben unseren Job gemacht. Die Arbeit ist für uns erledigt.» Doch ungefragt schiebt Benno Kälin nach: «Aber mental werden wir uns nicht verabschieden.» Es laufen Bestrebungen, den Film «Im Schatten der Madonna – Einsiedler Wallfahrt im Wandel» zusätzlich in den Altersheimen und in der Schule zu zeigen. Für den Sommer stellt Franz Kälin zudem eine DVD in Aussicht (inklusive Bonusmaterial über das Einsiedler Pilgerhandwerk).

Einsiedler Anzeiger

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Film

Publiziert am

22.02.2013

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schwyzkultur.ch/KjmBxB