Franco Scagnet: Malt detailgenaue expressive Häuserlandschaften und erzeugt Töne aus der Stille. (Bild Andreas Seeholzer)
Franco Scagnet: Malt detailgenaue expressive Häuserlandschaften und erzeugt Töne aus der Stille. (Bild Andreas Seeholzer)

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«Die Regierung» bringt Farbe ins Mattli

Das Künstlerkollektiv «die Regierung» verbringt eine Künstler-Sommerwoche im Antoniushaus Mattli in Morschach: Die Männer mit körperlich-geistiger Behinderung bringen Farbe in den grauen Betonbau.

Er kommt, gibt einem Besucher die Hand und verschwindet wieder lautlos, wie er gekommen ist, ohne Worte. Franco Scagnet hört nicht und spricht nicht. Franco ist Autist. Er trägt einen Bart, ein Stirnband, um den Hals hängen an Lederriemchen eine Kugel, ein Herz, ein Fisch und eine Fabelgestalt. Franco ist Maler. Seine Bilder kosten im Handel bis zu 5000 Franken. Er inspiriert sich in Zeitschriften und Büchern über Kunst und setzt dies in Bildern um: Alles ist eingegrenzt, alles hat klare Formen, es gibt keine Menschen, die sich überschneiden. Franco arbeitet sehr schnell. Er vermischt Perspektiven, und dennoch stimmen die Bilder als Ganzes. Er hat ein Flair für Farben, setzt gerne gelbe Punkte. In den Details ist er akribisch genau. Franco hat eine musische Begabung, «was ja eine Art Gefühl ist und bei Autisten eher selten», sagt Heinz Büchel. Büchel leitet zusammen mit Helena Schmid das Künstlerkollektiv «die Regierung ».

Ohne Beiträge und Subventionen

Die Arbeits- und Lebensgemeinschaft «die Regierung» besteht aus unterschiedlich geistig behinderten Menschen und dem Leiterteam. Die Gemeinschaft existiert unabhängig von Beiträgen und Subventionen mit der Vision, dass Sozialarbeit nicht selbstverständlich an den Staat delegiert, sondern die Eigenverantwortung und Solidarität von Menschen gestärkt werden sollen. Bekannt geworden ist «die Regierung» – man spricht von sich als von einer Familie – durch Auftritte auf internationalen Bühnen: «Die Regierung» macht Musik, die durch Improvisation und Grenzen besticht. In der Band spielt Franco Scagnet Vibrafon und Percussion. Der gehörlose Autist erzeugt Töne aus der Stille. «Musik machen ist nicht nur Demonstrieren von Virtuosität, sondern Feinfühligkeit und Kommunikation untereinander und mit dem Publikum», heisst es auf der Homepage von «die Regierung».

Vernissage und Konzert

In der Fabrik in Ebnat-Kappel, in einer ehemaligen Färberei, befinden sich die Ateliers und eine Galerie.Zurzeit arbeiten die Mitglieder des Kollektivs in Morschach.Wie jedes Jahr lädt das Antoniushaus Mattli eine Woche lang Künstler zu einer Werkwoche ein. In diesem Jahr ist es das Kollektiv unter dem Motto «Farbe im Mattli». Samstag, 22. August, im Mattli: Vernissage um 15.00 Uhr, Konzert um 17.00 Uhr. Internet unter www.die-regierung.ch Franco Scagnet: Malt detailgenaue expressive Häuserlandschaften und erzeugt Töne aus der Stille.

Vernissage und Konzert

Samstag, 22. August, im Mattli, Morschach
Vernissage: 15.00 h
Konzert: 17.00 h

Weitere Infos

www.die-regierung.ch

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

19.08.2009

Webcode

schwyzkultur.ch/aiUguN