«Die Regierung»: Heinz Büchel zieht im Hintergrund die Fäden, links Franco am Vibrafon, in der Mitte Martin mit dem Kornett und rechts an der Gitarre Massimo. (Bild Andreas Seeholzer)
«Die Regierung»: Heinz Büchel zieht im Hintergrund die Fäden, links Franco am Vibrafon, in der Mitte Martin mit dem Kornett und rechts an der Gitarre Massimo. (Bild Andreas Seeholzer)

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«Die Regierung» jazzte davon

Das Volk war zahlreich erschienen, um «die Regierung» zu hören. Im Antoniushaus Mattli in Morschach war die Kirche am Samstag um 17.00 Uhr bis auf den letzten Platz gefüllt, 150 Personen wollten erleben, wie «die Regierung» den Beweis erbringt, dass auch behinderte Menschen Musik machen können.

«Die Regierung» besteht aus fünf geistig Behinderten, die gemeinsam mit Helena Schmid und Heinz Büchel Musik machen.

Notenständer sind keine zu sehen

Schlaginstrumente, Cello, Handorgel, Keyboard, Gitarre. Franco Scagnet kommt auf die Bühne. Franco hört nichts und spricht nicht. Einer nach dem andern betritt die Bühne, der «Normalbehinderte » Heinz Büchel greift sich den Bass. Leise wird geschlagen, gezupft und gedrückt, wie wenn die Instrumente sanft geweckt werden sollen, man sucht sich, findet sich, verliert sich, alles äusserst sympathisch, «die Regierung» ist konzentriert, noch etwas nervös vielleicht, man schaut auf Heinz. Heinz macht Tempo, Töne bäumen sich auf, Heinz gibt den Takt an, Heinz wippt mit dem Kopf, alle werden lauter, ein Soundteppich erblüht, dann scheint er zu zerfallen, wird aufgefangen, man zirbelt, kobelt, rützt, findet zusammen, sagedisepi, tututu und Schluss. Das Volk applaudiert.

Ein Fingerzeig von Heinz

Franco steht am Vibrafon und schaut in die Leere. Ding-dong, ding-dong, ding-dong, räp, räp, räpedidäp. Das Volk klatscht im Takt. Eine Klangwelt entsteht, Heinz taktiert, Massimo akkordiert, Franco klopft und schaut in die Luft, «Bravo, Bravo», schreit das Volk. Ein weiteres Stück folgt, nun mit englischem Gesang von Roland, Timdehou – Timdahei. Und Heinz wirft ein: Yeah, baby. Aus dem Experimentellen fliesst plötzlich Jazz, yeah, the mattli is here. Das Volk tobt.

Es folgt ein Naturjodel

Ein wunderschönes Tonbild bäumt sich langsam auf, um wieder in der Improvisation zu verstummen: tiefgründig, heimatverbunden, schweizerisch. Es folgt ein gesangliches Zwiegespräch von Roland, I see the beach, oh yeah-yeah-yeah, Mc Donalds. Das Volk klatscht. Und dann verfällt «die Regierung » dem Blues – und das Volk ist begeistert. Martin spricht in eine kleine Trompete, ein Kornett. Witzig. Martin hält das Kornett an den Mund und spricht: dududududeldu- dudelidu. Dann jazzt «die Regierung» davon,dass es alle mitreisst.

Im nächsten Song singt Martin

Er klingt wie ein Muezzin, der die Gläubigen zum Gebet ruft. Martin tanzt den Muezzin, macht den Schamanen, ruft die Geister – kommt, ihr Geister, kommt, nehmt Platz im Garten der Irren, kommt zu den Behinderten und Verstörten. Und dann kommt Franco, der nichts hört und nicht sprechen kann, ans Mikrofon. Franco öffnet den Mund, aber man hört nichts. Franco öffnet den Mund, hält sich die Hand auf die Brust. Es stöhnt aus ihm heraus, verwirrend, beklemmend, beängstigend. Zum Glück ist der Normalbehinderte da. Er führt das Volk zusammen mit dem Gitarristen Massimo und spanischen Klängen aus dem Irrgarten, und alle sind fröhlich. Das Volk klatscht Zugabe.



Die Regierung

Eine etwas andere Band
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Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

24.08.2009

Webcode

schwyzkultur.ch/G1F2Za