In vier Restaurants tanzen die Tiroler in Gruppen, bis der Tanzboden so richtig ins Schwingen kommt. Bild Franz Steinegger
In vier Restaurants tanzen die Tiroler in Gruppen, bis der Tanzboden so richtig ins Schwingen kommt. Bild Franz Steinegger

Nachrichten

Die Tiroler Maschgraden sind eine Rothenthurmer Spezialität

Die Region Innerschwyz fühlt sich mit dem Südtirol artverwandt. Dessen hingerichteter Freiheitsheld Andreas Hofer wurde verehrt und lebt in der Rothenthurmer Fasnacht weiter.

Rothenthurm hat eine eigenwillige Fasnacht. Nicht Blätz oder Hudi prägen die närrischen Tage, sondern in Tiroler Tracht und mit Schellengurt tanzende Maschgraden. Dass diese Gesellen zu einem festen Bestandteil der Rothenthurmer Fasnacht wurden, wurzelt im Freiheitskampf der Südtiroler gegen Italien. Am Anfang stand der «Tiroler WilhelmTell »,derimGegensatzzumSchweizer Helden tatsächlich gelebt hat und eines gewaltsamen Todes starb: Der Freiheitskämpfer Andreas Hofer wurde 1810 im Alter von 43 Jahren in Mantua hingerichtet. Er wurde nicht nur von seinen Landsleuten verehrt, sondern war auch in der Innerschweiz ein Symbol der Unabhängigkeit: «HoferverkörpertedasVolksnahe, das Urchige, Einfache», erklärt der Rothenthurmer Dorfchronist Albert Marty- Gisler: Ein Kleiner kämpft gegen die Mächtigen, David gegen Goliath.


Die Schwyzer erkannten in Hofer einen der ihren Im 19. Jahrhundert


wurde im Raum Innerschwyz mehrfach das Theater «Der Freiheitskampf im Tirol» zu Ehren Hofers aufgeführt, unter anderem 1862 und 1881 in Schwyz und 1883 in Steinen. «Scharenweise drängte sich das Volk in dieses Theater, weil die Schweizer den Tiroler Freiheitshelden Andreas Hofer sehr verehrten », schreibt Marty in seinem Buch «Rothenthurm – mehr als Turpnä und Ischä». Dabei traten auch Tiroler Sängerinnen in ihrer Landestracht auf. Die Tiroler Kleider wurden zuerst als Theaterkostüme gebraucht. Waren sie ausgetragen, wurden sie zur Fasnachtszeit ausgemietet. Die Kostüme der heutigen Rothenthurmer Tiroler kamen durch Kostümvermieter aus Schwyz und aus dem Ägerital ins Dorf. 1932, so schreibt Marty, «hatte Louise Abegg im Oberdorf zwölf Tiroler-Kostüme gekauft, die sie bis in die 60er-Jahre ausmietete ». Anfänglich tanzte jeder «Tiroler» an der Fasnacht für sich und war als Einzelmaske unterwegs. Seit den 1930er-Jahren wurde auf Initiative der Familie Jnglin, Grossmatt, gruppenweise zu Ländlermusik getanzt: pro «Rästli» ein Schottisch, ein Ländler und eine Polka mit jeweils anderer Schrittfolge. Ein Schellengurt sorgt für ein rhythmisches Klingen. Albert Marty vermutet, dass dieser Rollengurt durch die Fuhrwerkerei, durch die an den Pferden angebrachten Schellengurte, ans Fasnachtskostüm kamen, denn viele Fuhrmänner gingen «tirolern».


Reine Männersache


Das heutige Kostüm mit Samtkniehosen, Samtgurt, weissem Hemd, Strümpfen aus Schafwolle, Lodenhut mit Feder, Wachsmaske mit kurzem Rosshaarbart, Besen und Rollengurt mit 48 Schellen kostet etwa 4500 Franken. Die Tiroler sind am Güdelmontagnachmittag unterwegs. Man trifft sich um 13 Uhr im «Schäfli» und teilt sich in zwei Gruppen auf. Auf ihrer Route durchs Dorf besuchen die Tiroler derzeit den «Adler», das «Rössli» und das Café Turm, wo Musikformationen für die Tanzmusik sorgen. Sie sind lose organisiert, ohne Vereinsstruktur; die Tradition wird von Generation zu Generation weitergegeben. Voraussetzung ist, dass man ein waschechter Rothenthurmer ist oder sich diesen «Titel» verdient hat und – männlichen Geschlechts ist. In den letzten Jahren hat die Zahl der Tiroler-Maschgraden zugenommen. Während des Jahres sind sie an Hochzeiten, Geburtstagsfesten oder anderen Anlässen anzutreffen, die einen Bezug zum «Thurä» haben.


Bote der Urschweiz Franz Steinegger

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

25.02.2019

Webcode

schwyzkultur.ch/SnF9qR