Noch gibt es viel zu proben. Doch der Darsteller Otto Rothenfluh blickt gelassen der Premiere des Freilichtspektakels am Morgarten entgegen. Bild Silvia Camenzind
Noch gibt es viel zu proben. Doch der Darsteller Otto Rothenfluh blickt gelassen der Premiere des Freilichtspektakels am Morgarten entgegen. Bild Silvia Camenzind

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Eigentlich wollte er nur singen

Otto Rothenfluh ist Statist im Freilichtspiel Morgarten – in fünf Rollen. Dabei wollte er nur im Chor singen.

«Ich bin da reingerutscht», sagt Otto Rothenfluh. «Ich habe ihn nie gedrängt », stellt seine theaterbegeisterte Frau klar. Beide sind Darsteller im Freilichtspiel «Morgarten – der Streit geht weiter». Während das Theaterspielen bei Patrizia Annen, Spielerin und Regieassistentin der Bühne 66, ein wunderbares Hobby ist, ist es für Otto Rothenfluh Neuland, abgesehen von seinen Einsätzen als Helfer im Bühnenbau bei der Bühne 66.

Fünf Mal Kostüm wechseln

Otto Rothenfluh singt im Wirtechor Einsiedeln und interessierte sich darum für den Chor des Freilichtspiels. «Ich habe immer gesungen. Nun wurde meine Stimme immer tiefer. Vom einstmals zweiten Tenor zum Bass.» Im letzten Oktober hat der Chor mit den Proben begonnen, das dauerte bis Ende Dezember. Dann ging es nach einer Pause im März wieder los. Seit Sonntag weiss Otto Rothenfluh auch, dass es schnell gehen muss beim Umziehen hinter den Kulissen. Er zählt auf: «Jodel, Militär, Fasnacht, reicher Zuger, Talchessler. » Das sind die fünf Darstellerrollen, die ihm zugefallen sind.

Fasnacht ohne Kostüm

An dieser ersten Kostümprobe vom Sonntag fand sich der Statist wieder in einer Militäruniformaus den Sechzigerjahren. «In einer solchen Uniform habe ich die RS gemacht», lacht Rothenfluh. Seit die Kostüme da sind, spielt sich auch die Fasnacht leichter. Noch hat Rothenfluh die kurze Zeit des Kostümwechselns nicht im Griff. Einmal sind es kaum mehr als drei Minuten, da bleibt keine Zeit, beim Ausziehen das Kostüm schön an den Bügel zu hängen.

Parallelen zum Hotelfach

«Es gibt Zeiten, da muss man warten, und es gibt Zeiten, da muss es schnell gehen», sagt der Darsteller. Trotzdem findet er das Spielen überhaupt nicht stressig. Otto Rothenfluh bringt nicht so schnell etwas aus der Ruhe. Er zieht Parallelen zu seinem Beruf. Wie grosse Anlässe organisiert werden und ablaufen, weiss der Frühpensionierte aus 45 Jahren Erfahrung im Hotelfach im Inund Ausland. Er wird selbst an der Premiere nicht nervös sein: «Ich wüsste nicht, warum», sagt er lakonisch. Kann einem, der rein zufälligTheater spielt, das Ganze überhaupt gefallen? «Ja, es ist schön, ich geniesse es.» Nun radelt er zusammen mit seiner Frau bis zu sechsmal pro Woche mit dem Velo abends nach Morgarten, um zu proben. Nur selten kam bisher das Auto wegen Schlechtwetter zum Einsatz. Auch Otto Rothenfluhs Frau Patrizia Annen ist glücklich, dieses einmalige und grosse Theatererlebnis mit ihrem Mann teilen zu können. «Ich bin total happy», strahlt sie, die ebenfalls als Darstellerin mitmacht. Sie hat sogar eine kleine Sprechrolle – das hingegen käme für ihren Mann nie infrage.

Bote der Urschweiz (Silvia Camenzind)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

27.07.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/VaQ9YG