Der Neu-Dirigent Raphael Honegger aus Schindellegi hat sein Orchester bei den Proben fest im Griff. Bild zvg
Der Neu-Dirigent Raphael Honegger aus Schindellegi hat sein Orchester bei den Proben fest im Griff. Bild zvg

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«Eine kleine Geschichte erzählen»

Der 24-jährige Raphael Honegger aus Schindellegi ist Physiker mit ETH-Abschluss. Jetzt wird er Dirigent. Dieses Wochenende feiert sein Streichorchester in Einsiedeln Premiere.

Raphael Honegger ist vielfältig interessiert. Er erzählt mit derselben Begeisterung von seinem Physik-Studium und der naturwissenschaftlichen Forschung an der ETH in Zürich wie von den aktuellen Reformen im Schulwesen, die er als Mathematik- und Physiklehrer im Teilpensum an der Kantonsschule Oerlikon derzeit hautnah miterlebt. Was Raphael Honegger allerdings von seinen Physikerkollegen unterscheidet, ist, dass er neben dem Studium immer schon auf hohem Niveau Musik gemacht hat. Als Höhepunkt seiner bisherigen Musikerkarriere bezeichnet der Schindellegler, der zurzeit in Zürich wohnt, einen Auftritt am Klavier mit dem Zürcher Kammerorchester vor vier Jahren – just an jenem Konzert, von dem später Ausschnitte im Schweizer Kinofilm «Vitus» über die Leinwand flimmerten.

Orchester als Austausch

«Klassische Musik gehörte bei uns in der Familie immer dazu», sagt Honegger. Schon als fünfjähriger Knirps hat er mit dem Klavierspielen begonnen, später kamen das Saxofon und die Klarinette hinzu. Sein neuestes Instrument: ein ganzes Orchester. Seit diesem Jahr lässt sich der ehemalige Einsiedler Stiftsschüler am Konservatorium Zürich zum Dirigenten ausbilden – und hat bereits ein eigenes Orchesterprojekt auf die Beine gestellt. Sein Streichorchester, bestehend aus Geige, Cello, Bratsche und Bass, umfasst 16 Personen. «Alles junge, aber erfahrene Musiker», so Honegger. Die Hälfte davon stammt aus Einsiedeln. Dort findet morgen Freitag im Grossen Saal des Klosters auch ihr erstes Konzert statt. Am Samstag folgt ein zweiter Auftritt im Cevi Zentrum in Zürich. Gespielt werden Werke von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791), den englischen Komponisten Benjamin Britten (1913 bis 1976) und Gustav Holst (1874 bis 1934) sowie dem Amerikaner Samuel Barber (1910 bis 1981). An Mozart bewundert Honegger dessen «geniale Einfachheit». Barber beeindruckt ihn durch seine Fähigkeit, «mit wenigen Noten viel zu sagen». Holst besteche vor allem durch seine «Energie», so derAusserschwyzer, und Britten habe einfach «wunderbare Musik komponiert». Honeggers grösstes Ziel für die Konzerte ist, die Akzentuierungen und Frasen so aus den Kompositionen herauszuarbeiten, dass er den Zuhörern mit jedem Stück «eine kleine, zusammenhängende Geschichte» erzählen könne.

Einmaliges Projekt

Sind in Mathematik und Physik, wo Honegger zuhause ist, analytische Fähigkeiten gefragt, so braucht es für die Musik bekanntlich Kreativität und Emotionalität. Wie geht der Neu-Dirigent damit um? «Klar sind es Kontraste», sagt Honegger, «ich glaube aber, dass Musik und Mathematik mehr miteinander zu tun haben, als man gemeinhin annimmt.» Einerseits brauche gerade ein Dirigent, der ganze Stücke durchdringen und interpretieren müsse, unbedingt auch analytische Fähigkeiten, andererseits sei für die physikalische Forschung kreatives Denken unabdingbar. Honegger: «Es ist wohl kein Zufall, dass viele bekannte Naturwissenschaftler mit bahnbrechenden Entdeckungen auch begnadete Musiker gewesen sind. Man denke nur an den Geige spielenden Albert Einstein.» Das Orchester-Projekt ist in dieser Form einmalig. Honegger kann sich aber gut vorstellen, es künftig in ähnlicher Form zu wiederholen.

Platzreservationen für die Premiere unter

www.webseiten.ch/
konzert


March-Anzeiger

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

27.11.2009

Webcode

schwyzkultur.ch/XVXXk3