Stefan Hensler (rechts) spielt im Stück «Waschliwyber» der Theatergruppe der Musikgesellschaft Steinerberg die Hauptrolle. Bild zvg
Stefan Hensler (rechts) spielt im Stück «Waschliwyber» der Theatergruppe der Musikgesellschaft Steinerberg die Hauptrolle. Bild zvg

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Einmaliges Engagement in der Fremde

Stefan Hensler feiert morgen Samstag Premiere mit dem Theater der Musikgesellschaft Steinerberg. Der 35-Jährige spielt im Stück «Waschliwyber» die Hauptrolle.

Stefan Hensler ist Einsiedler, wohnt in Trachslau, arbeitet als Personalfachmann bei der Schweizerischen Post in Schlieren ZH, engagiert sich in seiner Freizeit seit 2005 bei der Theatergesellschaft Euthal und neuerdings beim Theaterteam der Musikgesellschaft Steinerberg. Das soll ein einmaliges «Fremdgehen» bleiben, denn seine Theaterliebe gehört voll und ganz der Theatergesellschaft Euthal. In zwei Theatergruppen so engagiert zu sein, «wäre wohl auch von der Belastung her auf Dauer zu hoch», sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Konzert und Theater

Die MG Steinerberg präsentiert Konzert und Theater. Morgen Samstagabend steht die Premiere 2016 auf dem Programm. Das Theaterstück «Waschliwyber», ein Schwank von Fred Bosch in drei Akten, wird jeweils nach dem Musikkonzert aufgeführt. Stefan Hensler heisst für einmal Bernhard Moser und spielt die Hauptrolle. Mehr will er nicht verraten und fordert zum Besuch in der Turnhalle Steinerberg auf. Regie führt Netty Reichlin. Während der Euthaler Theatersaison im Herbst 2015 wurde er durch Theaterleute aus Steinerberg angesprochen, weil dort der Hauptdarsteller fehlte. Er sagte zu. Theater spielen ist seine Leidenschaft. Er wollte die Musikgesellschaft Steinerberg nicht im Stich lassen und neue Erfahrungen sammeln, um sein Netzwerk zu erweitern.

Er probt seit November zweimal wöchentlich in Steinerberg, wobei von Anfang an die Erlaubnis da war, in seinem Einsiedler Dialekt zu spielen. Er ist der einzige «Fremde», alle andern kommen aus Steinerberg selber oder dem Talkessel Schwyz. Er fühlt sich sehr gut aufgenommen und spricht von netten, humorvollen und hilfsbereiten Leuten, bei denen man sich wohlfühlen kann. Es fiel ihm dank seiner Auffassungsgabe ziemlich leicht, den Text auswendig zu lernen. Trotzdem sei man vor einem Blackout nie sicher, sagt er. Das Stück «Waschliwyber» könnte auch in Euthal gespielt werden, sagt er, weil es als Bauernstück einfach und lustig sei.

Unterschiede zweier Theater

Wo sieht er die Unterschiede zwischen der Theatergruppe der Musikgesellschaft Steinerberg und dem Theater Euthal? In Steinerberg gehen die Spieler viel früher ohne Theaterbüchlein auf die Bühne. Nach zwei Proben pro Akt wird das Büchlein weggelegt, der Souffleur muss viel helfen. Er selber hat das Gefühl, den Text so schneller und effektiver auswendig lernen zu können. Er kann sich vorstellen, auch in Euthal auszuprobieren, dass die Spieler das Büchlein früher zur Seite legen, sofern er weiterhin Regie führt. Dort kann jeder mehr oder weniger selber entscheiden, wann er ohne Büchlein probt.

Auch bei der Stückwahl gehen die beiden Theatergruppen andere Wege. In Steinerberg wird zuerst das Stück ausgewählt, dann werden die Spieler gesucht. In Euthal ist es umgekehrt. So standen Stefan Hensler 2015 in Euthal als Regisseur fünf Männer und zwei Frauen zur Verfügung. Er suchte ein Stück, schrieb vier Verlage an und erhielt 25 bis 30 Stückvorschläge. Den Entscheid fällte er zusammen mit Vroni Schnetzer, seiner langjährigen Vorgängerin. Das Stück hiess ursprünglich «Der Latschenbauern-Sepp auf Brautschau». Stefan Hensler übersetzte und schrieb das Stück aus dem bayrischen um und verpasste ihm den neuen Titel «Um's Verreckä Hüroutä», unter dem es dann aufgeführt wurde.

Dank Cousine und Cousin Stefan Hensler fand den Weg zur Theatergesellschaft Euthal dank seiner Cousine Irene Kälin-Hensler und seines Cousins Roland Hensler, die schon im Verein gewesen waren. 2005 wurde er als Kandidat in den Verein aufgenommen, von 2006 bis 2014 stand er neun Mal als Spieler auf der Bühne, auch als Hauptdarsteller, und letztes Jahr führte er als Nachfolger von Vroni Schnetzer, die eine Pause einlegt, erstmals Regie. Wer 2016 als Regisseur im Einsatz steht, ist offen. Vielleicht kehrt Vroni Schnetzer zurück, vielleicht liegt die Regie nochmals in den Händen von Stefan Hensler.

Er liebt als Spieler die Herausforderung, «in eine völlig andere Person zu schlüpfen und diese authentisch darzustellen», wie er sagt

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

04.03.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/XxnZ4a