Erhält am Wochenende den Stephan-Jaeggi-Preis: Blaise Héritier, Dirigent des Blasorchesters Siebnen. Bild zvg
Erhält am Wochenende den Stephan-Jaeggi-Preis: Blaise Héritier, Dirigent des Blasorchesters Siebnen. Bild zvg

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«Es muss zwischen einem Dirigenten und dem Orchester funktionieren»

Blaise Héritier, seit fünf Jahren musikalischer Leiter des Blasorchesters Siebnen, erhält am kommenden Sonntag den Stephan-Jaeggi-Preis, den höchsten Preis der Schweizer Blasmusik-Szene. Im Interview spricht der Romand über sein musikalisches Wirken.

Mit Blaise Héritier sprach Irene Lustenberger

Lustenberger:Sie sind seit fünf Jahren Dirigent des Blasorchesters Siebnen (BOS). Was hat Sie dazu bewogen, sich für die Stelle zu bewerben?

Héritier: Es ist bekannt, dass das BOS ein sehr gutes Orchester ist. Und davon gibt es in der Schweiz nicht viele. Ich wohnte früher im Waadtland und hatte ein Orchester im Jura. Und mir wurde immer dieselbe Frage gestellt: «Warum fährst du in den Jura, nur um zu dirigieren?» Es gibt zehn Höchstklass-Brass-Bands in der Schweiz und circa 15 Höchstklass-Blasorchester. Und wenn man auf diesem Niveau dirigieren will, muss man die Kilometer und die lange Fahrt vergessen. Deshalb habe ich mich beim BOS beworben.

Sie wohnen im Kanton Jura. Ist das auf die Dauer nicht mühsam, jede Woche so weit zu fahren?

... und manchmal sogar drei Mal pro Woche. Aber wenn ich zu Hause bin und an die zwei Stunden Fahrt denke, dann muss ich mit dem Dirigieren aufhören. Weil dann ist mir die Lust am Dirigieren vergangen. Es ist für mich überhaupt kein Problem. Was sind in der Schweiz schon zwei Stunden?

Wie hat sich das BOS unter Ihrer Leitung verändert?

Ich glaube, nicht gross. Ich habe ein gutes Blasorchester übernommen, und wir mussten zusammen einen Weg finden.

Ihr Vorgänger Toni Kurmann hat das BOS 37 Jahre lang geleitet. Ist das auch Ihr Ziel?

Nein, sonst würde ich fast 100 Jahre alt werden (lacht). Ich setze mir keine solchen Ziele. Das Wichtigste ist, Spass zu haben und weiterhin gut zu spielen. Aber es ist klar, es muss zwischen einem Dirigenten und einem Orchester immer auch funktionieren.

Am Eidgenössischen Musikfest wurde das BOS Sieger in der Höchstklasse und ist somit das beste Blasorchester der Schweiz. Was bedeutet Ihnen das?

Ich freue mich für meine Musiker, sie haben hart gearbeitet. Ich habe immer gesagt, dass der Rang nicht das Wichtigste ist. Das Wichtigste ist, perfekt zu spielen. Und für mich war das, was wir auf der Bühne Stravinski erlebt haben, perfekt. Es herrschte eine spezielle Stimmung.

Aber man geht doch an einen Wettbewerb mit dem Ziel,zu gewinnen?

Nein, ich nicht. Wenn ich nicht bereit bin, Letzter zu werden, muss ich an keinem Wettbewerb mitmachen. Und ist der Zehnte ein schlechtes Orchester? Nein, in der Schweiz ist das Niveau so hoch, dass ich sicher bin, dass auch der Zehnte sehr gut gespielt hat. Es ist gefährlich, nur anhand der Rangliste zu beurteilen. Denn es kann sein, dass das Orchester einen grossen Schritt gemacht hat, aber trotzdem nicht auf den vorderen Rängen landet.

Was wollen Sie mit dem BOS noch erreichen?

Perfektion.

Was macht einen guten Dirigenten aus?

Ich weiss nicht.

Was ist ein guter Dirigent?

Ist das der Sieger am Eidgenössischen Musikfest? Ist derjenige, der zweimal in der Woche in ein kleines Dorf geht, die 25 Musiker eines 3.-Klass-Vereins dirigiert und versucht, immer gut zu spielen, kein guter Dirigent? Dirigieren hat nicht nur damit zu tun, dass man den Takt vorgibt.

Welchen Anteil hat ein Dirigent am Erfolg des Orchesters?

Es ist immer ein Zusammenspiel. Ich glaube, jeder Dirigent macht einmal im Leben schlechte Erfahrungen mit einem Orchester, weil es einfach nicht passt – menschlich, musikalisch, von den Erwartungen her. Auch ein gutes Amateur-Orchester kann mal einen schlechten Tag haben. Bei Profis ist das anders, die müssen immer gut spielen.

Könnten Sie sich auch vorstellen, Orchester zu dirigieren,die nicht in den oberen Klassen spielen?

Ich habe jahrelang einen 3.-Klass-Verein dirigiert und viel gelernt. Jetzt würde ich das aber nicht mehr jeden Abend machen, weil die Herausforderung fehlen würde. Das hat aber nichts mit den Musikern zu tun, sondern mit mir persönlich. Ich hätte Angst, dass ich unterfordert wäre. Aber ich mache noch oft und mit viel Spass Proben mit 3.-Klass-Vereinen, die mich anfragen.

Sie spielen oft Ur- oder Schweizerische Erstaufführungen. Wie kommen Sie zu diesen Werken?

Die Musikkommission des Blasorchesters funktioniert sehr gut. Es ist aber auch di

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

30.08.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/URkxs2