Urchig, unverfälscht, mit wachen Augen: Erasmus Betschart («Chuchlis Müssl») vor seinem Haus in Muotathal. Er gilt als einer der letzten Naturjuuzer. Bild Franz Steinegger
Urchig, unverfälscht, mit wachen Augen: Erasmus Betschart («Chuchlis Müssl») vor seinem Haus in Muotathal. Er gilt als einer der letzten Naturjuuzer. Bild Franz Steinegger

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«Guggelers waren die besten Juuzer»

Die Augen des 80-Jährigen leuchten, wenn er von früher erzählt. Erasmus Betschart hat sich mit seinen auf Schallplatte aufgenommenen Naturjüüzli unsterblich gemacht. Eine Begegnung mit dem urchigen Bergler.

«Ich bi-n-eister z Alp gsi», als kleiner Bub schon und letztmals 1998 mit seinem Bruder und dem geliebten Vieh auf der Alp «Dräckloch» am Wasserberg. «Chuchlis Müssl» erzählt, wie er immer gejuuzt habe, «wenns eim gfalle hed». Am liebsten tat er es, wenn sie zu zweit oder dritt beisammen waren. «Das sälb isch gjuuzed», sagt Betschart. Oder allein, wenn er den Kühen rief. Oder er juuzte ein «Gsätzli», wenn sie z Alp gefahren sind.

Den Finger im Ohr

Er habe es gelernt vom Hören. Vielleicht habe er das Talent von seiner Mutter geerbt, «die hatte ein gutes Musikgehör». Wenn ihm ein Jüüzli gefallen habe, habe er es probiert nachzumachen. «Guggelers waren die Besten», erinnert er sich. «Äs hätt de schusch ä käine müesse cho», womit er meint: Sie waren unübertroffen. Er sei mit ihnen «ä siä umegfahre» (etwa: ging mit ihnen in den Ausgang). Unerreicht sind nicht nur seine 1979 aufTonträger verewigten Naturjüüzli, sondern auch sein Abbild, das die Schallplatte ziert: ein urchiger Bergler, so wie ihn Gott erschuf. Und dann den Finger im Ohr. Warum überhaupt? «Das ist ein alter Brauch. Man hört seine Stimme besser durch das zugehaltene Ohr», sagt er, ohne zu wissen, warum das so ist.

Nicht mehr so wie früher

Es gebe heute schon noch solche mit schönen Stimmen, «aber äso richtig naturjuuze können sie nicht mehr. Ich kenne jedenfalls keinen», sagt Betschart. Der heutige Stil gehe Richtung Schwyzer Juuz. Der sei ähnlich, aber nicht ganz der gleiche wie der Muotataler. Die heutigen Juuzer würden es zwar probieren, aber sie könnten es nicht mehr so wie früher. Sie müssten halt zuhören. Richtig juuzen komme vom Gemüt und nicht von den Noten. Heute jodelt «Chuchlis Müssl» nicht mehr. Zum Abschied sagt er noch: «Auch heute noch würde mir das Vieh folgen, auch wenn es fremdes ist, wenn man recht ist zu ihm. Die merken das, die sind nicht dumm.»

Jodelsymposium in Altdorf

Am 27. und 28. Mai findet im Hotel Goldener Schlüssel inAltdorf eine internationale Fachtagung zum Thema Jodeln statt, wobei der Muotataler Naturjuuz im Zentrum steht. Am Freitag wird ein Muotataler Abend begangen, mit Naturjodel und Jodelliedern sowie einem Schwyzerörgeli-Konzert. Am Samstag stehen dann Referate, Workshops und eine Podiumsdiskussion sowie die Filmausschnitte aus «Jüüzli du Muotatal» von Hugo Zemp und die legendären Tonbandaufnahmen aus dem Jahre 1936 auf dem Programm.

Infos

www.jodelsymposium.ch

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

18.05.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/kLwSAe