«Neugierig zu bleiben, ist das Wichtigste», sagt er zum Abschied. Autor Ernst Michael Kistler mit seinem druckfrischen ersten Roman. Bild Patrizia Pfister
«Neugierig zu bleiben, ist das Wichtigste», sagt er zum Abschied. Autor Ernst Michael Kistler mit seinem druckfrischen ersten Roman. Bild Patrizia Pfister

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«Habe schon immer sehr gerne geschrieben»

Kürzlich erschien «Vergnügungspark», der erste Roman des in Reichenburg aufgewachsenen Ernst Michael Kistler. Er arbeitete zwei Jahre lang am 500-seitigen Werk.

 Seit knapp acht Jahren ist Ernst Michael Kistler pensioniert und suchte für sich selber eine neue Herausforderung. Deshalb entschied er sich, einen Roman zu schreiben. Das Resultat, «Vergnügungspark», ist Anfang Monat im OSL-Verlag erschienen.


Ort, Landschaft und Hauptfiguren entwerfen


An seinem Werk schrieb Kistler zwischen Sommer 2014 und Herbst 2016. «Der Schreibprozess machte mir Spass», sagt er heute. Wichtig war ihm immer,dass er flexibel bleiben und mal mehr,mal weniger Zeit in sein Werk investieren konnte. Zu Beginn dachte er sich einen Plot aus, dann stand viel Recherche zur Schweizer und Zürcher Industriegeschichte an. Das gesamte Buch ist fiktiv. So entwarf Kistler für sich Ortschaften, Landschaften und Stammbäume für die Protagonisten. «Die Figuren begannen zu leben», sagt er. Seine Gedanken kreisten und kreisen ständig um das Buch oder das Schreiben, weshalb Kistler immer einen Block dabei hat. Darauf notiert er in ordentlicher Handschrift Begegnungen oder Gedanken aus allen Lebenslagen. Vor «Vergnügungspark» gab Kistler bereits drei Lyrikbände heraus.


Dick statt dünn


Der Roman hat knapp 500 Seiten Umfang. Der Autor dachte im Vorfeld eher an ein «dünnes Büchlein». Da sich aber die Spanne der Geschichte über fast ein Jahrhundert erstreckt, brauchte es einen gewissen Umfang. «Die Herausforderung lautete, den Plot immer im Hinterkopf zu behalten und nicht abzuschweifen.» Entstanden ist eine «Dorfgeschichte». Der 72-Jährige findet, dass sich sicher auch Leute im Kanton Schwyz mit dem Roman identifizieren können und erinnert sich dabei an seine eigene Jugend in der March. «Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, rundherum hatte es Bauern.» Alle standen miteinander in Kontakt. Auch er kam mit dem bäuerlichen Umfeld immer wieder in Berührung. Viele dieser Erlebnisse und Kindheitserinnerungen konnte er für sein Buch verwenden.


Experte für Moorschutz


Bis nach der Lehre als Schriftsetzer lebte Ernst Michael Kistler in Reichenburg. Mit etwa 20 Jahren zog er in den Kanton Zürich, jetzt ist er schon über 45 Jahre lang in Volketswil ansässig. «Ich habe mein Leben lang immer geschrieben. Zwar nicht literarisch sondern für den Verband», so der Autor weiter. Anfang der 90er-Jahre verabschiedete er sich aus der grafischen Branche mit dem Ziel, im Naturschutz tätig zu werden. Ab dann führte er über 20 Jahre lang die Geschäftsstelle von BirdLife Zürich und kämpfte in dieser Funktion auch auf politischer Ebene. Er setzte sich stark für Moorschutz-Artikel und dessen Umsetzung ein. Zudem war er für das viermal jährlich erscheinende Themenheft verantwortlich, hielt viele Vorträge und fotografierte. 2016 erhielt Kistler den Ehrendoktortitel der Uni Zürich für seinen Einsatz im Natur- und Vogelschutz des Kantons Zürich.


Selbsttragendes Hobby


Zurück zum «Vergnügungspark». Kistler konnte im Vorfeld schwer abschätzen, wie schnell das Werk geschrieben sein würde. «Es war anders, als auf einen Redaktionsschluss hinzuarbeiten», sinniert er. Mit dem OSL-Verlag hatte er schon durch seine Gedichtbände Kontakt und Verleger Andreas Mächler bot ihm an, auch seinen Roman herauszubringen. Unterdessen hat Kistler schon einige Bücher unter die Leute gebracht, Lesungen aufgegleist und erste Feedbacks erhalten. «Ich habe eine Übereinkunft mit meiner Frau. Die Schriftstellerei muss selbsttragend sein», erzählt er schmunzelnd. Deshalb freue er sich über jedes bei ihm selbst bezogene Buch ganz besonders. Der Reichenburger hätte noch Ideen für einen weiteren Roman, er plant aber noch nicht konkret.


Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Patrizia Pfister

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

22.12.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/VRgfia