Regisseur Jean Grädel vor dem Theater Arth. Bild: Christian Ballat
Regisseur Jean Grädel vor dem Theater Arth. Bild: Christian Ballat

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«Ich werde das Theater vermissen»

Die Operette «Der Bettelstudent» brachte einen Publikumszuwachs. Regisseur Jean Grädel verabschiedet sich nach seiner sechsten Saison von der Arther Bühne.

«Ich konnte nicht einmal eine Partitur lesen», blickt Jean Grädel zurück auf den Moment, als ihm gewahr wurde, dass er erstmals in einem Musiktheater Regie führen würde. In seinem Leben gab es als Regisseur und Intendant immer wieder Stücke, in denen Schauspiel und Musik gleichermassen wichtig waren. «Aber das Genre Musiktheater hatte mich nie wirklich gepackt.» Trotzdem nahm er die Herausfoderung vor sieben Jahren an, als er eingeladen wurde, am Theater Arth Regie in einer Operette zu führen. Stunden-, ja tagelang setzte er sich vor die Lautsprecherboxen mit der Partitur in der Hand und hörte sich die Musik des «Zigeunerbarons» an, seiner ersten Operettenproduktion, und er merkte plötzlich: «In der Musik ist alles drin.» Die ganze Geschichte spiegle sich in den Melodien, erzählte er an seiner letzten Vorstellung in Arth am Samstag. «Was mit den Menschen auf der Bühne während eines Stücks geschieht, steht alles in den Noten.» Die ganzen Gefühle, Liebschaften, Enttäuschungen und Verwirrungen seien richtig spürbar geworden. «In dem Moment begannen mir, Operetten Spass zu machen.»

«Keine singenden Kleiderständer»

Die Herausforderung war angenommen. Schnell wurde Grädel klar, dass er weder die Solisten noch die Chorsängerinnen und -sänger einfach Lieder vortragen lassen wollte. «Ich wollte keine singenden Kleiderständer», erinnerte er sich an seine Worte bei der ersten Premieren-Pressekonferenz. «Es ist mir gut gelungen, dieses Ziel umzusetzen.» Allerdings habe es dazu viel Arbeit gebraucht. Toll findet er die Einstellung, welche die Solisten und Chorsänger gezeigt haben. «Sie nahmen meine Ideen auf und setzten alles daran, sie auch umzusetzen.» Die Arbeit in Arth hat Jean Grädel über alle sechs Saisons Spass gemacht. «Ich durfte hier mit einem grossartigen Team zusammenarbeiten, und dies in einem Haus, das eine einzigartige Infrastruktur bietet.» Und so nimmt der im Juni 74-jährig werdende Thurgauer auch etwas wehmütig Abschied von der einmaligen Bühne am Ufer des Zugersees. «In diesem Beruf muss man immer wieder loslassen», erklärt er. Seit 50 Jahren im Berufstheater weiss er, dass Wechsel dazugehören. «Ich werde das Musiktheater vermissen, aber es ist einfacher, in dem Moment aufzuhören, in dem man Erfolg hat.» Nächstes Jahr wird man Jean Grädel wieder in Arth sehen – dann als Zuschauer.

«Wiener Blut»mit Camenzind

Bereits laufen hinter den Kulissendie Vorbereitungen für die nächste Saisonam Theater Arth. Aufgeführt wirddie Operette «Wiener Blut». Der in Rickenbach
aufgewachsene Schauspieler,Regisseur und Schwyzer Kulturförderpreisträger
(2006), Stefan Camenzind,wird Regie führen.

Bote der Urschweiz (Christian Ballat)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

27.03.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/2c69HW