Yobana Thavarajah bringt zu Hause in Sattel den letzten Schiff in ihre 1.-August-Rede, die sie vor der Sattler Bevölkerung gehalten hat. Bild Erhard Gick
Yobana Thavarajah bringt zu Hause in Sattel den letzten Schiff in ihre 1.-August-Rede, die sie vor der Sattler Bevölkerung gehalten hat. Bild Erhard Gick

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«Im Herzen bin ich Schweizerin»

Das ehemalige Flüchtlingskind aus Sri Lanka, mit tamilischen Wurzeln, ist Schweizerin geworden. Am Nationalfeiertag sprach Yobana Thavarajah zur Sattler Bevölkerung.

Kurz vor Ihrem grossen Auftritt: Sind Sie schon etwas nervös und aufgeregt?

Ja, ich bin wahnsinnig aufgeregt. Das kommt daher, weil ich nicht gerne vor so vielen Leuten auftrete. Ich habe etwas Angst davor, vor einem solchen Publikum eine Rede zu halten. Es ist schon etwas aussergewöhnlich, plötzlich ganz alleine da zu stehen und zu den Mitbürgern zu sprechen.

Wie haben Sie im Rahmen des Nationalfeiertags die Schweiz damals als Flüchtling erlebt?

Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich damals keine grosse Verbindung zum Nationalfeiertag. Ichbin im Alter vonsechs Jahren als Kind und als Flüchtling in die Schweiz, nach Sattel, gekommen. Vielmehr musste ich vor knapp 20 Jahren mit der ganzen Situation klarkommen.

Sie haben also gar nicht mitbekommen, um was es am 1. August geht?

Richtig. Für mich war es einfach ein Fest, das hier gefeiert wurde. Ich habe den Nationalfeiertag damals wie jedes andere Fest empfunden.

Warum denken Sie, dass es so war? War Ihr Empfang damals in der Schweiz zu wenig herzlich? Woran hat es gelegen?

Wir wurden hier in Sattel gut empfangen. Aber damals ging es in unserer Familie ums Überleben. Am Anfang hat man sich auch nicht gross um die Integration gekümmert. Es war viel wichtiger, hier in Sicherheit aufgenommen worden zu sein. Meine Eltern und meine ältere Schwester haben sich seinerzeit viel mehr mit der Tatsache beschäftigt, dasswir leben, überlebt haben. Alles andere war bei unserer Ankunft in der Schweiz nicht sowichtig.

Sie sprechen akzentfreien Schwyzer Dialekt, wurden Schweizerin. Trotzdem sei die Frage erlaubt: Was würden Sie an der Schweiz verändern?

Meiner Meinung nach gibt es an der Schweiz gar nicht viel zu verändern. Würdemir die Schweiz, wie sie heute ist, nicht gefallen, würde ich gar nicht hier sein. Aber oft habe ich den Eindruck,dass hier gravierende Meinungsunterschiede bestehen. Nehmen wir ein aktuelles Thema, den Kanton Aargau mit seinen Asylantenzelten. Ich stelle fest, dass wir bei solchen Themen zu viel Zeit in Diskussionen investieren. Ich spreche aus meiner Sicht. Ich war froh, als ich in die Schweiz kam,ein Dach über dem Kopf zu haben.

Aber was läuft denn falsch?

Nicht direkt falsch. Wir Schweizer – ich darf mich ja als Schweizerin sehen – investieren viel zu viel Zeit in Sachen, die den Hilfesuchenden egal sind. Hauptsache, sie haben Schutz. Ich nehme mal die SVP und die SP. Im Grundsatz haben ja beide Parteienmit ihren Anliegen und Forderungen recht. Oft wäre es aber schweizerisch vernünftiger, einen guten, gemeinsamen Mittelweg zufinden.

Sind Sie auch mit falschen Klischees konfrontiert?

Ich arbeite in Zürich, einer weltoffenen Stadt. Ich werde oft auf meinen Wohnort, meinen Wohnkanton, angesprochen. Da hört man Sachen wie «Was, in dem SVP-Kanton? Da ist man doch rechtsextrem». Dabei stimmt das gar nicht. Die Leute haben einen ganz falschenEindruckvonuns. Ichfühlemich als ehemalige Ausländerin aber fair behandelt, integriert und willkommen in der Gemeinde Sattel. Es sind viele Vorurteile, die ausgeräumt werden müssten.

Sie sind Sattler Bürgerin geworden, wie fühlen Sie sich als Schweizerin?

Ich fühle mich typisch schweizerisch. Ich nehme meine Pflichten wahr. Dazu gehören auch politischeThemen, zu denen ich an die Urne gehe und meine Meinung kundtue. Die Schweiz hat ein gutes System. Ich fühle mich als Schweizerin. Ich könnte mir nicht mehr vorstellen, in einem anderen Land leben zu müssen. Wenn man einmal in der Schweiz gelebt hat, möchte man gar nicht mehr woanders hingehen.

Sie sind Schweizerin, was gefällt Ihnen besonders an den Schweizerinnen und Schweizern?

Ihre Pünktlichkeit.Das merke ich auch bei mir. Das ist wohl typisch schweizerisch.

Was kritisieren Sie?

Manchmal habe ich aber das Gefühl, Schweizer und Schweizerinnen sind etwas verschlossen, statt aufeinander zuzugehen. Ich erlebe das bei den Nachhausefahrten mit dem Zug. Da setzt man sich alleine in ein Viererabteil. Ich will meine Ruhe, nicht gestört werden – hat man da den Eindruck. Aber eig

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Dies & Das

Publiziert am

30.07.2015

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schwyzkultur.ch/VjUU5V