«Yootzing and Yodelling»: Das Cover der Doppel-CD zeigt (von oben links im Uhrzeigersinn) Alois Schmidig, Franz-Dominik Betschart, Kühe auf der Glattalp und die Familie Betscharts. Bild Franz Steinegger
«Yootzing and Yodelling»: Das Cover der Doppel-CD zeigt (von oben links im Uhrzeigersinn) Alois Schmidig, Franz-Dominik Betschart, Kühe auf der Glattalp und die Familie Betscharts. Bild Franz Steinegger

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«Jüüzli» machen als «Yootzing» Furore in USA

Vor 25 Jahren entstanden vier Filme über das Juuzen und Jodeln im Muotatal. Nun gibt ein amerikanischer Verlag dieses einmalige Film- und Tondokument auf einer Doppel-CD weltweit heraus.

Eindrücklich die Szenen, die auf der Alp Gummen hinter der Haggenegg gedreht wurden. «Fluehofs Wisel» (Alois Schmidig) lockt seine Kühe mit einem «Chuäreiäli » – einem Jüüzli – in den Stall. Er hatte weder Hund noch Knecht, nur seine unvergleichliche Stimme in einem reinen Naturjuuz aus dem Muotatal.

Ursprüngliche, echte Volksmusik

Dieser und weitere drei Filme entstanden in den Jahren 1986 und 1987, als Hugo Zemp, ein französischer Musikethnologe (Völkerkundler) mit Schweizer Wurzeln, sich auf Spurensuche ins Muotatal begab. «Er ging zu den Leuten und zu den originalen Schauplätzen. Das macht die Filme so echt und wertvoll», sagt Peter Betschart, selber Volksmusikkenner und vor 25 Jahren Tonmeister bei Zemps Aufnahmen. «Das ist eine ganz andere Qualität als bei folkloristischen Darbietungen, die an künstlichen Orten für ein Publikum inszeniert werden.» So filmte Zemp bei der Hochzeitsfeier von Josef Heinzer («z’Wiisäwands Sebel») und Susanna Schelbert («z’Alpäröslers Werners Tochter »). Hier findet der Volksmusikwissenschafter eine grosse Bandbreite an ursprünglicher Folklore an echten Schauplätzen: In der Jodlermesse wird arrangiert gesungen, während des Essens wird spontan gejuuzt und gejodelt, später tauchen noch unverhofft die Triichler auf. «Einmalig daran ist, dass die Szenen sozial eingebettet sind. Man vernimmt, was die Leute denken, wann und wo gejuuzt wird», erklärt Peter Betschart die Faszination. In den Filmen sind Naturjüüzli von der Glattalp zu hören, und auch «z’Lippschen Franzdomini» (Franzdominik Betschart), «z’Guggälers » (Alois und Paul Suter) und Anton Büeler fehlen nicht in der Reihe.

Einzigartige Filme

Die 16-mm-Filme kamen damals nicht in den Handel, nur die Mitwirkenden und Sponsoren erhielten Videokassetten als Erinnerung. «Die Filme waren für die damalige Zeit einzigartig, denn die Leute interessierten sich damals weniger für das Echte, sondern für das am Fernsehen und auf den Bühnen Inszenierte», sagt Betschart. «Zemps Filme hingegen überzeugen, weil er auf die Leute zuging, auf Kommentare des Filmemachers weitgehend verzichtet wurde und die Darsteller ihr Tun selber erklärten.» Die Fachwelt ist begeistert Im Film wird der schräge Naturjuuz aus dem Muotatal wissenschaftlich untersucht und grafisch dargestellt. So wird bei einem Einsatz von Franz-Dominik Betschart nachgewiesen, wie das hohe «U» aus der Kopfstimme kommt, während das tiefere «O» aus der Bruststimme geboren wird. An Fachtagungen rund um den Globus fand dieses Zeitdokument aus dem Muotatal Beachtung und ergatterte etliche Preise. Niemand hatte aus der gestellt-folkloristischen Schweiz noch urtümliche Gesänge in Naturtönen erwartet.

Muotatal ruft sich in Erinnerung

Danach wurde es ruhig um die Filme, und sie gerieten zumindest in der Schweiz in Vergessenheit. 2011 fand in Altdorf das erste Jodelsymposium statt. An diesem Anlass wurden Auszüge aus den Filmen Zemps gezeigt. An Workshops konnte das Publikum die Eigenarten des Muotataler Naturjuuzes, der in dieser Art praktisch verschwunden ist, eintauchen. Das Echo war enorm, und die Nachfrage nach den Filmen ebenso. Hugo Zemp ist heute pensioniert und wohnt in Nizza. Er suchte einen Verleger für die Filme, die hauptsächlich vom französischen Staat finanziert worden waren. Er wurde in den USA fündig, «denn dort oder in Frankreich sind der Markt und das Interesse an Volksmusik aus aller Welt viel grösser als etwa in Deutschland oder in der Schweiz», weiss Peter Betschart, der Zemp damals auch die erforderlichen Kontakte vermittelte. Er ist überzeugt, dass diese Bild-Ton-Dokumente Furore machen werden, «zumindest in der Fachwelt».

Verschläft die Schweiz ihre Kultur?

Der Naturjuuz öffnet dem Muotatal ein weiteresTor zur Welt. Das Beispiel zeigt: Viele Schweizer Kulturverantwortliche haben noch nicht begriffen, was an Wertvollem innerhalb ihres eigenen Hauses brachliegt.

Filme im Internet bestellen

Die Doppel-CD mit den restaurierten Aufnahmen von 1986 und 1987 ist in vier Episoden ge

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Film

Publiziert am

13.09.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/L9ve3t