Irrungen und Wirrungen: Mit dieser Mischung überzeugen auch die Schauspieler und Schauspielerinnen in Willerzell. Bild Franz Kälin
Irrungen und Wirrungen: Mit dieser Mischung überzeugen auch die Schauspieler und Schauspielerinnen in Willerzell. Bild Franz Kälin

Nachrichten

Lachsalven an der 30. Theaterpremiere in Willerzell

Zum 30-Jahr-Jubiläum ist punkto Lachen und Überraschungen in diesem neuen Theaterstück «Alles beschtens greglet»! Die Theatergruppe Willerzell überzeugt mit dem heiteren Schwank auch dieses Jahr wieder – und die Zuschauer verdankten den lustvollen Abend mit vielen Lachern.

Der 26. Dezember ist für Theaterfreunde der Region ein magisches Datum. Es ist der Tag, beziehungsweise der Abend der Premieren. Und dieser 26. gehört noch irgendwie zu Weihnachten – aber halt auch: siehe oben! Und es ist der Abend der Willerzeller Theatergruppe, und das seit nunmehr 30 Jahren. Fürwahr ein stolzes Jubiläum.

Veränderungen und Konstanten

Dem gab Präsidentin Beatrice Gyr bei der Begrüssung und im speziellen Grusswort im Theaterheft Ausdruck. In diesen 30 Jahren sind Schauspielerinnen und Schauspieler gekommen und gegangen; man denke zum Beispiel ans legendäre «Rösi» oder an «Walti», der jeweils mehr mit seiner Nervosität zu kämpfen hatte als mit dem Stück! Tempi passati. Aber noch etwas ist mehr als der Erwähnung wert: Seit Jahren werden die Bewohner der drei Altersheime Gerbe, Langrüti, Ybrig und des Schwesternheims an die Sonntagnachmittags-Vorstellung eingeladen; Paul Ochsner holt sie ab und bringt sie wieder wohlbehalten zurück. Eine schöne Geste, die hier auch einmal öffentlich verdankt werden darf.

Alles bestens geregelt?

Doch nun endlich zum Stück! Es spielt natürlich wieder einmal auf einem Bauernhof, wo die noch junge Witwe mit dem knorrigen Schwiegervater den Bauernhof führt. Was heisst, zusammen führt – Vater ist unzufrieden und startet angekettet auf den Scheitbock mit einem Sitz- und Essstreik. Und dies alles wegen des seiner Ansicht nach sehr straffen «Regiments» der Schwiegertochter und vor allem deren Mutter! Die beiden Frauen nehmen den verdreckten und stinkenden Bauern in die Mangel – beziehungsweise sie baden und waschen ihn, ziehen ihm neue, saubere Kleider an. Seine bisher getragene Unterhose, sein «Tarn-Anzug», ist zum Grausen – hinten braun und vorne gelb! Ja, und da kommen nach und nach verschiedene Personen ins Spiel, so Hermine, die geizige Nachbarin, oder Lisa, die Postbotin, der nie der Mann fürs Leben vors Postvelo läuft! Philipp, der Pseudo-Schriftsteller mietet sich in der abgeschiedenen Ferienwohnung ein und beantwortet zwecks Broterwerb von da aus als «Britta von…» halbseidene Leserbriefe.

«Dr chlii und dr grouss Meiri!»

Altbauer Toni sucht über eine Kontaktanzeige für seine Schwiegertochter – die nicht allzu hübsch ist – einen Bauer, der «gschaffig» ist. Sein Aussehen ist Nebensache. Und prompt kommt einer auf dem Töffli daher. Die Aussicht auf den in der Anzeige beschriebenen Mähdrescher lockte ihn, den schon etwas ins Alter gekommenen «Mamihöckler» und «Staggeler», auf den Hof. Doch er gerät ständig an die falsche Frau und bis er sich verständlich machen kann… E ine Paraderolle besetzt mit brillantem Spiel Arnold Gyr als Meinrad, Doktor der Chemie. Auf seiner ersten Wanderung verirrt er sich ausgerechnet auf den Hof. Und er wird für den Stellvertreter des Viehdoktors gehalten, der bei der Geburt eines Kälbchens benötigt wird. Er schafft es tatsächlich, das Stierkalb bekommt den Namen «Meiri». Das wird mit der Bäuerin feuchtfröhlich gefeiert und im Alkoholrausch, da beginnt das Doppelspiel mit dem «grossen» Meiri und seinem eigenen, kleinen Meiri. Aber, und das ist nun anders als in andern Lustspielen: die Beiden werden kein Paar! – Wer zum Schluss mit wem, darüber lassen wir den Vorhang fallen. Das soll jede und jeder selber herausfinden. Nur so viel: Die Verwirrungen dauern an, am Ende des zweiten Akts weiss man diesbezüglich eigentlich gleich viel wie zu Beginn.

Ein fulminantes Finale

Einen Glanzauftritt – wenn auch erst im dritten Akt (was wiederum unüblich ist!) – hat Heidi Ott als von ihrem Freund, dem Schriftsteller, verwöhntes Schätzeli Sonja. Sie gibt die verhätschelte, mondäne Deutsche überzeugend, in Auftritt und Sprache. Ihr Auftritt bringt spät im Stück Spektakel und Glamour auf den Hof. Klara (Margrith Fuchs), die Mutter der Bäuerin, hält mit ihrer Strenge und Resolutheit das Stück zusammen. Und zum Ende verabschieden sich die einen, andere haben längst den Ihren und wieder andere finden sich allen Widerwärtigkeiten zum Trotz – spannende Auflösung garantie

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

28.12.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/PJcqJP