Die 27-jährige Architektin Jana Mulle aus Merlischachen an ihrem Arbeitsplatz in Luzern.
Die 27-jährige Architektin Jana Mulle aus Merlischachen an ihrem Arbeitsplatz in Luzern.
Visualisierung des Käselagers von Jana Mulle. Bilder: PD
Visualisierung des Käselagers von Jana Mulle. Bilder: PD

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«Der Preis ist eine schöne Anerkennung»

Der Bund Schweizer Architekten ehrt die Merlischacherin Jana Mulle. Die 27-Jährige erläutert ihre unkonventionelle Master-Thesis.

An der Hochschule Luzern, Departement Technik & Architektur, konnten 21 Schwyzer Absolventen ihr Diplom entgegennehmen. Als Einzige erhielt die Merlischacherin Jana Mulle, Studiengang Master Architektur, den Preis des BSA (Bund Schweizer Architekten) Zentralschweiz für eine hervorragende Master-Thesis. «Der Preis des BSA ist eine schöne Anerkennung meiner Arbeit und ein schöner Abschluss des Studiums», freut sich Jana Mulle.

Käselager mit Wohnungen, Gewerbe und Flussbad


In ihrer Masterarbeit geht Jana Mulle auf die Themen des Weiterbauens und des Aufwertens ein, dies am Beispiel des Käselagers der Emmi AG. Das Gewerbe soll als Teil eines innerstädtischen Kontextes erhalten und nicht in die Agglomeration verdrängt werden. «In meiner Arbeit wurde das bestehende Käselager der Emmi AG mit Wohnungen, Gewerbe und einem Flussbad ergänzt», erläutert Mulle. Die Vorstellung, in einem Käselager zu wohnen, sei absurd, «ebenso der Gedanke an eine Badi auf dem Dach des Lagers», fügt sie hinzu. Doch: «Die unkonventionelle Aufgabe verlangte nach einer ebenso unkonventionellen Herangehensweise. Über das Absurde wird eine eigene Entwurfsmethode entwickelt», erläutert Mulle. Als Steigbügel diente das absurde Theater von Eugène Ionesco. Die daraus aufgegriffene Methode des Auseinandernehmens und neu Zusammenfügens wurde von ihr auf das Arbeiten mit Bild und Text übertragen. «Ausgehend von Ionescos Theaterstücken und inspiriert vom Kurzfilm «Fischknusperli» wurden Szenen und Dialoge ausgearbeitet, wie sie auf dem neuen Emmi-Areal stattfinden könnten », erzählt Mulle. Durch die entstehenden Zufälligkeiten im Bild und im Text wurde das Projekt immer wieder hinterfragt und auf neue Wege gelenkt. Gewohntes konnte in neue Zusammenhänge gestellt werden. Das Arbeiten mit Szenen und Dialogen führte zu einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Projekt und lässt dessen Stimmung vermitteln. Das Resultat: «Die Theorie, die Collagen, die Szenenbeschriebe und Dialoge verschmelzen zu einem neuen Bild des Emmi-Areals», so Mulle. Die Merlischacherin hat am Gymnasium in Immensee die Matura gemacht. Danach absolvierte sie das obligatorische einjährige Praktikum in einem Architekturbüro, um an der Hochschule Architektur studieren zu können. Und wie ging es weiter? «Nach dem Bachelorstudium an der Hochschule in Luzern arbeitete ich in verschiedenen Büros in Zürich und Chur. Danach kam ich zurück nach Luzern, um das Masterstudium zu absolvieren.»

Architekturkollektiv filiale GmbH gegründet


Jana Mulle zeigt sich innovativ. Die 27-Jährige hat nach dem Studium mit drei Freunden das Architekturkollektiv filiale GmbH gegründet, ein junges Architekturbüro in Luzern. «Im Februar starteten wir zu viert mit unseren ersten Projekten», freut sich Mulle. Das Viererteam arbeitet momentan an Umund Neubauprojekten in der ganzen Schweiz und nimmt zusätzlich auch an Wettbewerben teil. «Nebst einem praktizierenden Architekturbüro ist die ‹filiale› auch ein Treffpunkt junger und interessierter Menschen. Der stetig geführte Diskurs und der interdisziplinäre Austausch sind uns sehr wichtig», sagt Mulle. Mit einer Architektin und zwei Architekten geben sie zusammen mit einem Grafiker das Magazin «Lila Strauss» heraus. «Das Magazin ist eine bunte Blumenlese aus aktuellen Themen. Von der Architektur ausgehend, greift ‹Lila Strauss› weit aus und verknüpft die eigene Disziplin mit der Zeit und der Gesellschaft, die uns umgibt», sagt Mulle. Ziel sei es, eine kontroverse, leidenschaftliche Diskussion zu entfachen, die transdisziplinär gedacht ist. Konkret werden einzelne Arbeiten, ähnlich einem Blumenstrauss, in einem bunten Magazin vereint. Das erste Heft zum Thema Agglomeration erschien im April. Das zweite mit dem Titel «FutureNostalgia » wird im August publiziert. «In Zukunft hoffe ich, einen wertvollen Beitrag zu unserer Baukultur leisten zu können», betont Jana Mulle, die nun in Luzern wohnt.

Snowboarden im Winter und Wakeboarden im Sommer


Sie interessiert sich nebst der Architektur auch für Kunst und analoge Fotografie. In ihrer Freizeit leitet Jana Mulle die Jugendsektion des Turnvereins BTV Luzern, dessen Mitglied sie seit ihrer Kindheit ist. Jana Mulle hat noch zwei weitere Hobbys: «Snowboarden im Winter und Wakeboarden im Sommer. »

Bote der Urschweiz / Edith Meyer

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

28.07.2021

Webcode

www.schwyzkultur.ch/yGuZcj