Heimspiel für den Illusionist und Zauberkünstler Pete Marvey zusammen mit dem Musikverein Schindellegi-Feusisberg. Bild zvg
Heimspiel für den Illusionist und Zauberkünstler Pete Marvey zusammen mit dem Musikverein Schindellegi-Feusisberg. Bild zvg

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«Mir ist es wichtig, der traditionellen Zauberkunst treu zu bleiben.»

Zauberkünstler und Illusionist Peter Marvey ist der erfolgreichste Magier der Schweiz und tourt mit seinen Shows um die ganze Welt. Heute und morgen verzaubert er zusammen mit dem Musikverein Schindellegi-Feusisberg das heimische Publikum.

Mit Peter Marvey sprach Anouk Arbenz. Musik meets Magie: Ein Konzert der besonderen Art erwartet die Zuschauer heute und morgen Abend, wenn Peter Marvey und der Musikverein Schindellegi-Feusisberg gemeinsam auf der Bühne stehen. Im Interview verrät der Zauberkünstler, was das Publikum erwartet und wie er sich gegen «Trick-Diebe» wehrt.


Können sich die Zuschauer heute Abend auf eine besondere Show freuen?


Auf jeden Fall. Wir werden teilweise mit dem Orchester gemeinsam auftreten. Das ist sehr speziell und auch für uns neu. Wir mussten die Show so gestalten, dass die Tricks auch zur Musik passen.


Besonders macht diesen Auftritt ja auch, dass er ein «Heimspiel» ist. Sie wohnen seit 2008 in Feusisberg.


Genau, das kommt noch hinzu. Es ist dadurch ein etwas persönlicherer Auftritt, es werden sogar Verwandte von mir im Publikum sitzen. Es bietet mir auch die Gelegenheit, neue Leute aus der Gegend kennenzulernen.


Haben Sie sich etwas Spezielles ausgedacht?


Ich werde etwas Neues zeigen mit dem Rubik’s Cube, das ich bisher erst im Magic House getestet habe. Dabei werde ich auch die Zuschauer miteinbeziehen.


Wirkt die Magie des Zaubers in unserer modernen Welt der Special Effects, Fototricks und des Hightechs überhaupt noch?


Im Gegenteil: Ich denke, sie wird gerade aufgrund der Digitalisierung sehr geschätzt. Man wird heute immer mehr von digitalen Geräten eingedeckt und weiss bei vielem im Internet nicht, was echt ist und was nicht. In unserem Fall ist aber alles live und unmittelbar, man kann nichts wiederholen oder retuschieren. Ich interagiere viel mit dem Publikum, hole Leute auf die Bühne. Das steht im Kontrast zur Passivität vor dem Bildschirm. Mir ist es wichtig, der traditionellen Zauberkunst treu zu bleiben.


Nutzen Sie gar keine digitalen Hilfsmittel für Ihre Arbeit?


Doch, das schon. In der Zauberkunst ist alles erlaubt. Aber ich möchte digitale Elemente nicht in den Vordergrund stellen. Die Leute sitzen den ganzen Tag vor dem Computer, dann wollen sie das in der Show nicht auch noch sehen. Sie wollen was Reelles sehen, was zum Anfassen.


Ihr Vater war Physiker. Ein Gebiet, das natürlich auch in der Zauberkunst eine grosse Rolle spielt. Hat seine Arbeit Sie inspiriert?


Mein Vater hat vieles im Haus selber gemacht. Ich erinnere mich noch, wie er einmal eine Estrich-Treppe baute, die immer grösser und schwerer wurde, bis er sie nicht mehr transportieren konnte und sie deshalb so umbaute, dass sie zusammenklappbar wurde und mit Flaschenzügen befestigt werden konnte. Am Anfang hat natürlich nichts funktioniert. Er hat so lange daran gearbeitet, bis es klappte. Das ist auch bei mir so: Wenn ich eine Idee umsetzen möchte, bleibe ich so lange dran, bis es funktioniert.


Sein handwerkliches Talent haben Sie ebenfalls geerbt. Sie haben ja früher Ihre Requisiten selber gebaut.


Das stimmt. Ich habe in den verschiedenen Betrieben beim Konstruieren mitgeholfen und so sehr viel lernen können. Heute weiss ich schon beim Entwerfen, wo Probleme auftauchen werden.


Sie haben Ihr Architekturstudium aufgegeben, um sich ganz der Zauberei zu widmen. Haben Sie das jemals bereut?


Nein, überhaupt nicht. Ich bin viel besser in der Zauberei aufgehoben (lacht). In der Architektur dauert es sehr lange, bis das Haus oder Objekt tatsächlich steht, und man orientiert sich stark nach den Wünschen der Kunden. In der Zauberei kann ich alles selber machen, es sofort testen und aufführen. Ich mache das, was mir gefällt.


Schauen Sie sich auch andere Zauberkünstler an?


Ja, wir waren gerade an vergangenem Wochenende an einem Zauberkongress in Italien und haben dort viele Künstler getroffen. Auch zur Vorbereitung für die Produktion im Dezember in der Maag Music Hall.


Wie gehen Sie mit Nachahmern und Dieben um?


Es ist extrem schwierig, sich juristisch erfolgreich gegen Kopien zu wehren, obwohl rechtlich jedes künstlerische Werk automatisch geschützt ist. Heute habe ich aber eine effektive Strategie entwickelt, die dem entgegenwirkt.


Welche wäre?


Ich sammle alle Kopien, die ich finde, und veröffentliche sie auf meiner Webseite. Ich stelle die «Diebe» bloss, indem ich ein Foto des originalen Tricks neben den kopierten Trick stelle. Und das wirkt: Heute rufen mich die Leute an, um mich zu fragen, ob sie ihren Trick so aufführen dürfen oder ob das zu ähnlich ist.


Sie haben viele Kunststücke erfunden. Was ist Ihr Lieblingstrick?


Da gibt es einige. Ich habe einen Trick, wo ich Karten aus der Luft fange und erscheinen lasse – sozusagen ein Klassiker von mir. Dann natürlich die Zweiteilung,der «Ultimate Cut», wobei meine Beine losgelöst vom Oberkörper auf einem Einrad davonfahren. Ein weiterer Liebling von mir ist der «Diamant».


Was kommt bei den Zuschauern besonders gut an?


Das ist extrem unterschiedlich. Manche lieben grosse Illusionen, andere lieber kleinere Sachen, die sich nah vor ihren Augen abspielen. Ist das eine reine Geschmacksfrage oder auch kulturabhängig? Das ist vor allem eine Geschmacksfrage, ähnlich dem Musikgeschmack. Es gibt aber schon Unterschiede zwischen den Ländern. Beispielsweise muss man im mittleren Osten vorsichtig sein, wenn es um «gewalttätige» Tricks geht wie das Zerteilen, und in streng muslimischen Regionen beispielsweise ist zu viel Haut nicht gerne gesehen, wenn es sich um eine Show handelt, die für die breite Öffentlichkeit zugänglich ist.


Was war das eindrücklichste Erlebnis in Ihrer Karriere?


Da gibt es endlos Geschichten. In Erinnerung bleiben vor allem die, als es ganz anders kam, als wir uns dies vorstellten. Da gehört sicher die TV-Produktion von TBS Network in Japan im Jahr 2006 dazu. Da war der Aufwand riesengross, es wurde mit Baukränen, Hunderten von Statisten usw. aufgewartet. Ein Drehtag zog sich derart lange hin, weil Szenen ständig wiederholt werden mussten, dass wir beinahe unseren Flug in die Schweiz verpassten. Noch im Kostüm und mit Make-up rannten wir an den Flughafen und erwischten gerade noch unser Flugzeug.

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

25.05.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/VD4DG1