Die Geschichten sind voll aus dem Leben gegriffen, Emil Zopfi lässt auch den Humor nicht zu kurz kommen. Bild Paul A. Good
Die Geschichten sind voll aus dem Leben gegriffen, Emil Zopfi lässt auch den Humor nicht zu kurz kommen. Bild Paul A. Good

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«Noch schöner als Fliegen»

Emil Zopfi las in Galgenen Kurzgeschichten über seine Sehnsucht nach dem Fels.

Am Samstag hatte der SAC Zindelspitz zu einer Lesung mit Emil Zopfi eingeladen. Emil Zopfi, selbst Mitglied des SAC Zindelspitz, las aus seinem neuesten Buch, das unter dem Untertitel «Nur Fliegen ist schöner» 50 Kurzgeschichten enthält, die meistens zuerst als Blogtext nach einer Kletter- oder Skitour entstanden sind. Sie erzählen von Glücksgefühlen nach einer gelungenen Begehung, von Stürzen ins Seil oder vom Scheitern am Berg oder an den eigenen Grenzen.

Sehnsucht grenzt an Sucht

In seiner Einführung erzählte Zopfi vom Bockmattli, dass er als seine erste (Kletter)-Heimat bezeichnet. Aufgewachsen im Zürcher Oberland fuhr er Samstag für Samstag mit dem Fahrrad ins Wägital, wo die «Namenlose Kante» zu seiner ersten schwierigeren Klettertour wurde. Man spürt beim Erzähler diegrosseSehnsucht,dieanSucht grenzt, wenn der «Stoff» fehlt: der Fels. Er lässt die Zuhörer wissen, dass, als es noch keine Kletterhallen gab,im Winter diese Sucht nach dem Fels so gross wurde, dass er dringend nach einer Therapie suchte, und diese im Schreiben fand. So wurde aus dem Kletterer und Wanderer auch ein Schriftsteller. Die Weiterentwicklung des Kletterns machte auch vor Emil Zopfi nicht halt: Aus dem «gewöhnlichen» Bergsteiger wurde ein Sportkletterer, der im Laufe der Jahre viele schwierige Wände und Pfeiler in der Schweiz und im Ausland bezwang, so unter anderem den heute nicht mehr sehr oft begangenen Villigerpfeiler am Zwillingsturm des Salbitschijen-Südgrats im Urnerland, den er 1967 zum ersten Mal erkletterte und 1986 nochmals.

Traum ist geblieben

Der Traum seiner Jugend ist zum Traum seines Alters geworden. Er nimmt die Herausforderung an und erklimmt den Villigerpfeiler 2014 erneut. Zwar lassen er und sein Seilpartner die letzten zwei Seillängen aufgrund schwieriger Witterungs- und Geländeverhältnisse aus, trotzdem hat sich sein Traum erfüllt. Zopfis Bücher haben mehr mit Menschen zu tun als mit Schwierigkeitsgraden. Immer wieder schafft er Bezug zur Landschaft, und zur Natur. Sie erzählen von Freundschaften, auch zerbrochenen und Freunden, die nur noch in der Erinnerung leben. Fazit: eine faszinierende Lesung, nicht nur für Freunde des Klettersports.

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger (Paul A. Good)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

16.10.2017

Webcode

schwyzkultur.ch/hqwvbX