«Ich bin selbst überrascht, dass schon 20 Jahre rum sind. Dass die Zeit so schnell vorbeigeht, hat damit zu tun, dass die Arbeit mit Sweet’n’Sour wirklich Spass macht», sagt Dirigent Ulrich Wolf. Bild Bianca Anderegg
«Ich bin selbst überrascht, dass schon 20 Jahre rum sind. Dass die Zeit so schnell vorbeigeht, hat damit zu tun, dass die Arbeit mit Sweet’n’Sour wirklich Spass macht», sagt Dirigent Ulrich Wolf. Bild Bianca Anderegg

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«Singen ist die beste Prävention»

Ulrich Wolf leitet seit 20 Jahren den Freienbacher Popchor Sweet’n’Sour, was Mitte November mit drei Konzerten gefeiert wird. Im Vorfeld erklärt der Dirigent, warum Singen glücklich macht und gesund hält.

Mit Ulrich Wolf sprach Bianca Anderegg: 20 Jahre sind eine lange Zeit. Wie hat sich in all den Jahren die Art, Sänger zu unterrichten, verändert?

Ulrich Wolf:Die Digitalisierung hat Einzug gehalten. Wir nehmen Stimmen auf und stellen die Aufnahmen ins Netz. Auf diese Weise können die Chormitglieder beim Üben ihre eigene Stimme mithören. Auch CDs sind bei der Arbeit in den Gesangsregistern hilfreich. Zu guter Letzt nehmen wir Choreografien auf und stellen die Filme auf einen internen Youtube-Kanal. Diese Dinge sind extrem praktisch und helfen sehr. Doch die Grundlagen sind gleich geblieben: Es braucht Stimmbildung, man muss die Stimmen einüben, gestalten, ihnen Ausdruck geben – und vor allem auch die Freude am Singen vermitteln. Dafür muss auch das Repertoire stimmen.

Ist es schon vorgekommen, dass der Chor mit einem Lied einfach nicht warm wurde?

Es gibt zum Glück selten Lieder, die beim Chor nicht besonders ankommen. Es ist auch schon vorgekommen, dass ich ein Lied verworfen habe, da ich merkte – oder es mir die Mitglieder auch sagten –, dass es dem Chor nicht entspricht. Denn Singen ist Stimme, und Stimme ist ganz eng mit Stimmung verbunden. Man muss mit Leib und Seele mitmachen können. Es braucht auch Überwindung, sich vor ein Publikum zu stellen und zu singen. Das Schöne am Chor ist ja, dass ganz viele die gleiche Stimme haben. Daher ist dort die Hürde sicher kleiner. Ein gewisses Kribbeln vor dem Auftritt haben aber alle. Das gehört dazu.

Ebenso lange wie Sweet’n’Sour leiten Sie den Kinder- und Jugendchor Peperoncini. Muss man Jugendliche anders angehen als Erwachsene?

Klar gibt es Unterschiede, doch die Basics sind dieselben. Man muss die Mitglieder für die Musik und das Singen motivieren und begeistern können. Mit Kindern muss man spielerischer an die Sache gehen, bei Teenies braucht es etwas mehr Feingefühl und Leitplanken. Letztere sind allerdings auch bei den Erwachsenen nötig. Es ist immer ein Finden der guten Mischung von Lockerheit und Disziplin. Das Singen muss Freude machen, doch es soll am Ende auch eine gute musikalische Qualität herausschauen.

Kommt es vor, dass jemand diese Qualitätsansprüche nicht erfüllt?

Wenn man Chormitglied von Sweet’n’Sour werden will, muss man zuerst zum Vorsingen kommen. Dort schaue ich die Basics an: Kann die Person einen Ton vom Klavier abnehmen? Ist ein Rhythmusgefühl da?Das sind die Grundvoraussetzungen.

Haben Sie auch schon Leute abgelehnt?

Das kommt ganz selten vor. Da ich klar deklariere, dass es ein Probesingen gibt, kommen in der Regel auch die Leute, die eine Affinität zum Singen haben. Ich musste Teilnehmern allerdings auch schon sagen, sie sollen besser noch ein paar Gesangsstunden nehmen. Ob geübter Sänger oder nicht – eines haben alle gemeinsam: Sie sind mega nervös beim Vorsingen – ich am allermeisten (lacht).

Welche positiven Nebenaspekte hat Singen im Chor?

Grundsätzlich macht Singen glücklich. Das bestätigen mir nicht nur viele Chormitglieder, es lässt sich auch wissenschaftlich nachweisen. Vor allem beim Singen im Chor produziert der Körper das Glückshormon Oxytocin. Zudem ist Singen gesund. Eigentlich müssten die Krankenkassen die Mitgliederbeiträge übernehmen (lacht). Denn Singen ist wirklich die beste Prävention: Einerseits verbessert es die Atmung, andererseits wird das Immunsystem gestärkt. Und ganz nebenbei wird auch selbstsicheres Auftreten geübt. Ja, klar. Vor Publikum aufzutreten und Applaus zu bekommen,ist ein Erlebnis, das sicher das Selbstvertrauen stärkt.

Haben Sie immer genug Nachwuchs für die beiden Chöre?

Bei den Peperoncini war die Mitgliederzahl immer etwa konstant. Bei Sweet’n’Sour hatten wir bisher stets eine Warteliste für Frauenstimmen. Doch in der Regel kann ich ziemlich alle unterbringen. Männerstimmen könnten es indes mehr sein – wobei wir im Vergleich zu anderen Chören gut aufgestellt sind. Das Verhältnis ist etwa zwei Drittel zu einem Drittel. Schön ist, dass wir auch relativ junge Mitglieder haben. Das gibt Pep und tut dem

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

18.10.2016

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schwyzkultur.ch/c77Sun