Die musikalischen Gene an Kinder, Grosskinder und Urenkel übergeben: Einige Nachfahren aus S’Pytsche-Wisels Musikerfamilie spielten an der Vernissage auf, (von links) Michelle, Alois, Tobias, Livio, Thorsten und Seebi. Bild Josias Clavadetscher
Die musikalischen Gene an Kinder, Grosskinder und Urenkel übergeben: Einige Nachfahren aus S’Pytsche-Wisels Musikerfamilie spielten an der Vernissage auf, (von links) Michelle, Alois, Tobias, Livio, Thorsten und Seebi. Bild Josias Clavadetscher

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«S’Pytsche-Wisels Musig» neu entdeckt

Das Eidg. Volksmusikfest war genau der richtige Rahmen, um die «geretteten» Kompositionen von Alois Betschart öffentlich vorzustellen.

Während in der Altstadt von Aarau und in den vier Vortragssälen Kapellen und Formationen aus der ganzen Schweiz die Volksmusik fröhlich hochleben liessen, fand im Stadtmuseum ein Anlass von tiefergehender Bedeutung statt. Dort wurde an einer Vernissage das musikalische Gesamtwerk von Alois Betschart (1909–1994) gewürdigt, vorgestellt und als illustrierte und um eine Biografie ergänzte Publikation präsentiert. Damit sind die um ein Haar vergessen gegangenen einmaligen Kompositionen von S’Pytsche Wisels vermutlich gerettet worden, sie sind nun der aktuellen und künftigen Musikszene zugänglich gemacht worden.

Keine Kompositionen eingespielt

Alois Betschart ist 1909 auf der Tannen in Morschach geboren worden. Sein Vater Tobias stammte aus dem Muotathal, begründete den Kennnamen «Gigerä Pytsch» und übersiedelte 1914 mit seiner Familie an den Urmiberg. 1927 ist Alois Betschart aufgrund der schwierigen Wirtschaftslage nach Amerika ausgewandert und hat dort, auch gedrängt von Heimweh, teils stundenlang auf dem Schwyzerörgeli gespielt. 1932 kehrte er wieder zurück, war als Älpler tätig, arbeitete in den Bundesbetrieben in Brunnen sowie Seewen und war ab 1950 auf der Verwaltung der Oberallmeind als Schreiber tätig. Die grosse Passion aber war die Ländlermusik: S`Pytsche Wisel hat in einem originellen, empathischen Stil unverwechselbare Stücke komponiert, die sich durch Wärme und volle Harmonien auszeichnen. Während Zeitgenossen längst auf den kommerziellen Zug aufgesprungen waren, hat Alois Betschart aber keine einzige seiner Kompositionen auf Tonträger eingespielt oder in Noten festgehalten. Er war zu zurückhaltend und zu bescheiden, «ein Mensch der sehr wenigen Worte», wird in der Biografie sein Charakter beschrieben. Nur: So drohten viele der Kompositionen in Vergessenheit zu geraten. Neben der Überlieferung von Kapelle zu Kapelle sind einzig einige Privataufnahmen auf den damaligen «Bändli» erhalten geblieben, aus der damaligen «Texasbar» in Brunnen (1956), aus dem «Bären» in Goldau (1982) oder «Chuchi-Aufnahmen » von zu Hause. Erst sein Neffe Josef Betschart (Sunne-Seebi) in Ibach spielte einige Titel auf Schallplatte ein. 1996 folgte eine erste Rettungstat. Uli Hartmann, Bremgarten, hat auf Wunsch der Betschart-Familie einige der Kompositionen in Noten erfasst. Und als er Tristan Gremper, Berikon, ebenfalls ein Liebhaber von «S’Pytsche Musig» mehr oder weniger per Zufall getroffen hat, kam das umfassende Projekt in Gange. Die beiden Autoren haben in zweijähriger Arbeit schliesslich 81 Kompositinen des S’Pytsche Wisels ausfindig gemacht, erfasst und nun als Notenband herausgegeben, teils sogar inGriffschrift für Schwyzerörgeli.

Viele originelle Titel

Die Originalität der Kompositionen erschliesst sich nicht nur in der Melodie und der Spielfreude, sondern auch in den Titeln der Schottisch, Walzer, Ländler und wenigen Polkas und Mazurkas. Viele der Namen haben Lokalbezüge: Seegusler, Urmibärgchiilbi, Hochfluehluft, Heiterwind, Spielaumeiteli, Bienenheimeli, Bärfallengeist. Oder verraten Witz und Schalk: Burlimunter, dr Studeschlüüfer, Schön zueche näh. Mit dem veröffentlichten Werk ist ein Bergkristall der Volksmusik-Literatur gesetzt worden. «S’Pytsche Musig» erfährt jetzt eine späte, aber dafür eindrückliche Würdigung. Dies beweist auch, dass das Haus der Volskmusik in Altdorf als Herausgeber zeichnet.

Bote der Urschweiz (Josias Clavadetscher)

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

14.09.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/bKai5S