Zum Schluss der Vorführung führten Mirjam Landolt und Dölf Ehrler ein Podiumsgespräch, in das sich auch das Publikum aktiv mit Fragen einbringen durfte. Bild: Alain Hospe
Zum Schluss der Vorführung führten Mirjam Landolt und Dölf Ehrler ein Podiumsgespräch, in das sich auch das Publikum aktiv mit Fragen einbringen durfte. Bild: Alain Hospe

Film

«rara avis» gleitet über die Netzhaut

Die Küssnachter Filmemacherin Mirjam Landolt zeigte ihren ersten Langfilm.

Am Freitagabend wurde im Müsigricht in Steinen Mirjam Landolts Film «rara avis» aufgeführt. Die Filmemacherin aus Küssnacht am Rigi gewann mit «rara avis» 2021 den Innerschweizer Filmpreis, ein namhaft dotierter Wettbewerb der Albert Koechlin Stiftung. Mirjam Landolt ist ausgebildete Fotografin, und im Jahr 2012 machte sie an der haute école d’art et de design (head) in Genf ihren Bachelorabschluss als Regisseurin. Ihre präferenziellen Themenkreise sind Natur, Wasser, Gemeinschaften, Rituale und Gewohnheiten. Mit «rara avis» gelang ihr ein aussergewöhnlich kreativer Dokumentarfilm, der aufgrund seines kontemplativen Blickwinkels Raum für persönliche Gedanken und ungewohnte Ansichten eröffnet.

Lange Szenen entführen den Zuschauer ins Verstehen


Mirjam Landolt begleitete für diesen Film während zwei Monaten fünf Jugendliche aus Genf und ihre Betreuer auf einem Segelschiff, unterwegs zwischen Australien, Papua-Neuguinea und den Salomon-Inseln. Angetrieben zu diesem Filmprojekt hat sie ihr eigener Wunsch nach Entdeckung und auch die Herausforderung, einen Film in einem Umfeld ständiger Bewegung zu drehen. Der Zuschauer wird mitgenommen auf hohe See und bekommt dort Einblicke in das Seelenleben junger Menschen. Auf einer gemeinsamen Reise versuchen diese, ihr Schicksal einzuordnen, um Kraft und Inspiration für die Gestaltung ihres zukünftigen Lebens zu gewinnen. Mitten im Ozean und fern ab jeglicher Verbindung zur Aussenwelt lernen sie, besser mit sich selbst und ihren Zukunftsängsten umzugehen. Der Schnitt der einzelnen Szenen wurde bewusst lang gehalten. Mirjam Landolt gelingt es dadurch, den Zuschauer in die Tiefe der Handlung zu entführen. Sie verweilt jeweils in den Einstellungen, um Ruhe zu schaffen, damit die Szenen aus der Warte des Beobachters verinnerlicht werden können. Wie das Segelschiff über den Ozean gleitet, so gleitet der Film langsam über die Netzhaut des Betrachters und ermöglicht so die Herstellung einer ungewohnten Nähe zu Menschen und ihren Empfindungen. Bisher hat Mirjam Landolt vorwiegend Kurzfilme gedreht. Mit «rara avis» hat sie sich erstmals an einen Langfilm von rund 60 Minuten herangewagt. «Ich beschäftige mich damit Bilder, die mir auf meinem Weg begegnen zu beobachten, zu hinterfragen und aufzunehmen, um zwischen ihnen einen Dialog zu kreieren und so Geschichten zu erzählen.», so Mirjam Landolt.

Bote der Urschweiz / Alain Hospenthal

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Film

Publiziert am

08.06.2022

Webcode

www.schwyzkultur.ch/EVna3i