Urchige Stimmung im Restaurant Waage in Lauerz. Auch junge Musikanten wie Sandro Anderrüthi (hier zusammen mit Res Ulrich) spielen heute Stöpselbassörgeli. Bild Roger Bürgler
Urchige Stimmung im Restaurant Waage in Lauerz. Auch junge Musikanten wie Sandro Anderrüthi (hier zusammen mit Res Ulrich) spielen heute Stöpselbassörgeli. Bild Roger Bürgler

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Stöpselbässli im Zentrum

Die Stöpselbassörgeli gerieten fast in Vergessenheit, doch heute werden sie wieder häufiger gespielt. Auch wegen dem Stöpselbass- Treffen in Lauerz.

Der grosse Parkplatz rund um das Restaurant Waage in Lauerz war bereits am frühen Montagabend komplett besetzt. Und anhand der Autonummern konnte man erkennen, dass nicht nur Einheimische, sondern auch Musikanten und Ländlermusikfreunde aus der ganzen Deutschschweiz anwesend waren.

Ein Treffen für Liebhaber

Der Grund für diesen Aufmarsch ist ein ganz spezieller. Nachdem mit dem Langnauerli aus dem Emmental erstmals ein diatonisches Akkordeon in der Schweiz auftauchte und noch bevor die heutigen Standard-Schwyzerörgeli entstanden, wurde vor allem im Kanton Schwyz bei Alois Eichhorn in Schwyz und Robert Iten in Pfäffikon sowie bei Josef Nussbaumer in Bachenbülach im Kanton Zürich ein Instrument gebaut, das dazwischen stand. Das Stöpselbassörgeli. Diese lieblichen, meist zweichörigen Instrumente mit ihren knurrenden oder gar schnarchenden Bassklängen entstanden zwischen 1885 und Ende der 1930er-Jahre und sind heute wieder gesucht. Vor allem auch weil bekannte Schwyzerörgeler die «Stöpselbässli» aufs Gigäbänkli holen und damit in Stubeten aufspielen.

Musikalische Zeitreise

So riefen die Musikanten Josef Betschart, Albert Marty und Walter Fässler bereits am 5. Januar 1995 bei René und Vroni Steiner-Herger in deren Restaurant Waage in Lauerz das erste Stöpselbass- Treffen ins Leben. Dieses ist heute so einzigartig wie seine Musikantinnen und Musikanten aus nah und fern vielschichtig. Der Schwyzer Musikant Edy von Euw führte am Montag mit viel Witz und Schalk durchs Programm. Die Musikantinnen und Musikanten (vorwiegend im Duo und ohne Begleitinstrumente) spielten jeweils drei Tänzli. Da war vieles von Anton Betschart (Jakä Toni), Rees Gwerder oder Georg Anton Langenegger (Egg-Basch), aber auch Eigenkompositionen der auftretenden Musiker zu hören. Durch die urchig-gemütliche Stimmung im Lokal von Vroni Steiner-Herger, den alten Instrumenten und den herrlichen Tänzen wirkte alles wie vor hundert Jahren, als die Stöpselbassörgeli langsam von den vielseitigeren, voluminöseren und auch einfacher zu spielenden, 18-bässigen Schwyzerörgeli abgelöst wurden. Das Stöpselbass- Treffen in der «Waage» ist somit auch eine musikalische Zeitreise und weit mehr als nur ein Geheimtipp für Ländlerfreunde. Man darf sich also bereits auf das 20-Jahr-Jubiläum in einem Jahr freuen.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Musik

Publiziert am

08.01.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/spmCtY