«Tirolern» ist und bleibt Männersache - 1
«Tirolern» ist und bleibt Männersache - 1

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«Tirolern» ist und bleibt Männersache

Albert Grab und Josef Schuler, Tiroler der alten Garde, wollen die dorfeigene Tradition bewahren und fördern darum den Nachwuchs im Alter von 6 bis 15 Jahren. Zusammen mit 23 Knaben und einem Live- Ländler-Duo übten sie im «Ochsen».

«Ho, ho, hou, ho, ho, hou», rufen die 23 kleinen Tiroler laut und tanzen und hüpfen zum Takt der Musik des Ländler-Duos Ruedi Moser und Roman Schuler im Kreis herum. Die beiden Musikanten begleiten die kleinen Tiroler abwechslungsweise mit einem Ländler, einer Polka oder einem Schottisch auf ihren Instrumenten. Moser auf seiner Handorgel, Schuler auf seinem Schwyzerörgeli. «Wir sind an der Fasnacht beide auch als Tiroler unterwegs. Darum wissen wir, wie wichtig es ist, dass die Knaben von Anfang an zu Live-Musik ‹tirolern› können und nicht bloss zu Musik, die aus einer Jukebox ertönt oder ab CD gespielt wird», sagt Moser. «Dank der Musik sind wir in den Gasthäusern auch gern gesehene Gäste. Mit dem Tanz der Tiroler und unserer Musik bieten wir den Gästen an der Fasnacht gratis Unterhaltung an», ergänzt Schuler.

Probe in Originalkostümen

In der Aufwärmrunde tanzen die kleinen Tiroler noch ohne Kostüm und Larve. Normalerweise tun sie dies auch während der ganzen Probe. Weil die Knaben aber wussten, dass diesmal Pressevertreter im Publikum sind, hatten bis auf einen Tiroler alle ihre Kostüme dabei. Der Knabe, der ohne Kostüm und Maske tanzen musste, war zuvor noch nie dabei. Kurz entschlossen kam er an die Probe. Seine Kameraden lehnten ihm einen Schellengurt und einen Buselbesen aus. Wer weiss, vielleicht hat er bis am Schmutzigen Donnerstag sogar ein komplettes Kostüm mit fleischfarbener Bergamasker-Wachslarve, Samt-Kniehosen in Rot, Blau oder Grün, gleichfarbigem Wams, einem weissen Hemd, Schnürschuhen, einem Lodenhut, Rollengurt und Buselbesen. «Busel sind Schilfblüten. Viele Tiroler kaufen die Besen. Einige sammeln die Busel im Moor und binden die Besen von Hand», weiss Doris Grab, Mitorganisatorin.

Von Generatîon zu Generation

«Die Kostüme selber geben wir innerhalb der Familie von Generation zu Generation weiter», verrät Albert Grab. Was die Farben Rot, Blau und Grün bedeuten, ist nicht sicher. «Sie könnten aber auf einen heidnischen Brauch zurückgehen, bei dem sie für Sonne, Mond und Sterne stehen, die als Lichter den dunklen Winter vertreiben », so Grab weiter.

Früh übt sich

Die kleinen Tiroler treten in die Fussstapfen der grossen Tiroler. «Allein in den Bewegungen erkennt man bei einigen jungen Tirolern den Vater», meint Doris Grab. Stolz und voller Freude tanzen, hüpfen, schellen und wedeln die kleinen Tiroler im Kreis herum. Die Tirolerväter Grab und Schuler klatschen im Takt und rufen den Kindern zu: «Dreht euch um die eigene Achse und wendet euch auch dem Publikum zu, so, dass sie eure Larven und Kostüme sehen.» Zwischendurch üben sie das neu eingeführte Besenkarussell-Ritual. Dabei legt jeder Tiroler seinen Besen kreisförmig in die Mitte und zieht ihn auf Kommando von Alt-Tiroler Grab ruckartig nach oben. Die beiden Jüngsten, Raphael Grab und Roman Föhn, welche besser tanzen als teils ältere Tiroler, sind sieben Jahre alt. Nach gut zwei Stunden Tanzprobe, einmal ohne Kostüme, einmal kostümiert und mit Larve und einmal in Kostümen ohne Maske, geht der Probemorgen zu Ende. Verschwitzt, aber glücklich legen sie die Schellengurte ab und ziehen die Kostüme aus. Viele von ihnen hätten gerne noch weitergetanzt.

Auftritt am Schmutzigen Donnerstag

Die nächste Gelegenheit dazu erhalten die kleinen Tiroler am Schmutzigen Donnerstag. Dies ist ihr Haupttag, an dem sie im Dorf in verschiedenen Restaurants «tirolern» werden. An der Probe tanzten 23 kleine Tiroler, an der Fasnacht kommen mindestens vier weitere dazu. «Das ist gut so», sagt Grab schmunzelnd, «dann wird das Tirolern auch für die kleinen Tiroler zur Männersache.»

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Brauchtum / Feste

Publiziert am

08.02.2010

Webcode

schwyzkultur.ch/kxN1RK