Kunsttalk in der Brüggenhalle: Eine engagierte Frauenrunde mit Gesprächsleiterin Detta Kälin (von links), Andrea Contratto, Isabelle Habegger und Anita Chiani. Bild Silvia Camenzind
Kunsttalk in der Brüggenhalle: Eine engagierte Frauenrunde mit Gesprächsleiterin Detta Kälin (von links), Andrea Contratto, Isabelle Habegger und Anita Chiani. Bild Silvia Camenzind

Nachrichten

«Und kaufen zwei ein Bild, dann ist es gut»

In der Ausstellung Kunst Schwyz in Rothenthurm wurde gestern Sonntagmorgen engagiert diskutiert. Themen waren das innere Bedürfnis, Kunst zu schaffen, die Schwierigkeit, auf die bildende Kunst aufmerksam zu machen und das harte Pflaster Schwyz.

«Ich habe es in den Fingern, dann muss es gemacht werden», so beschrieb die Künstlerin Isabelle Habegger, Wollerau, warum sie Kunst schafft. Andrea Contratto, Schwyz/Luzern, findet die Inspiration im Alltag, im Gespräch mit Menschen. Sie sagt: «Kunst ist Kommunikation. Für mich greift das Wort oft zu kurz. Kunst vermag mehr zu transportieren, sie vermag das System zu durchbrechen oder zu hinterfragen.» Die beiden Künstlerinnen, die aktuell in Rothenthurm ausstellen, diskutierten neben Anita Chiani,Vorstandsmitglied der Künstlervereinigung, und Detta Kälin, Präsidentin der Künstlervereinigung, mit einem Publikum von rund 25 Personen über Kunst.

Starke Eigeninitiative

Detta Kälin führte souverän durch die Diskussion und öffnete sie auch gleich fürs Publikum, in dem zahlreiche Künstler sassen – und Franz-Xaver Risi, der Schwyzer Kulturförderer. Risi sieht Kunst als Treiber für die gesellschaftliche Entwicklung: «Kultur ist, was hier, was zwischen den Menschen passiert. Wie viel sie uns wert ist, das ist ein politischer Aushandlungsprozess.» Die Künstler waren sich einig, dass der Kanton Schwyz mehr für die bildende Kunst machen könnte, doch fördere gerade dieser unfruchtbare Boden die Eigeninitiative.Auch ortete man mangelndes Interesse und Schwellenangst beim Publikum. Detta Kälin meinte: «Die Leute haben das Gefühl, es sei elitär, in eine Ausstellung oder eine Galerie zu gehen.» Andrea Contratto meinte zur aktuellen Ausstellung: «Man kann hierherkommen, ohne Eintritt zu bezahlen. Das ist ein geistiger Wert.» Ob dieser Wert für die Künstler auch lukrativ ist, war ein anderesThema, eines, das den Künstlern sichtlich schwerfiel. Eine Zuhörerin brachte es auf den Punkt: «Wenn von denjenigen, die hierherkommen, fünf berührt sind und zwei ein Bild kaufen, dann ist es gut.»

Kunststreik oder Bilder ausleihen

Auf die Frage, wie im Kanton Schwyz das Bewusstsein für die bildende Kunst gesteigert werden kann, meinte der Einsiedler Arzt und Künstler Zeno Schneider provokativ: «In den Kunststreik treten, zwei Jahre.» Mache man sich rar, würde der Kanton realisieren, was fehlt. Daneben gab er konstruktive Inputs wie die Idee des Werkfonds, für den die Künstlervereinigung Werke ersteigert. Menschen können diese dann eine gewisse Zeit zu Hause bei sich aufhängen. Eine Idee, die weiterverfolgt werden soll.

Ausstellung Kunst Schwyz

Brüggenhalle
Rothenthurm

bis18. September
Di - Fr, 15 - 20 Uhr
Sa &So 10 -18 Uhr



Erneut kantonale Ausstellung

Der Kanton Schwyz unterstützt seine Künstler, in dem er Werke aufkauft. Zu sehen sind die Werke in den öffentlich zugänglichen Büros. Wie Franz-Xaver Risi, Kulturförderer des Kantons Schwyz, erklärte, sind Ideen vorhanden, wie
dieWerke näher zu den Leuten gebracht werden können. Zudem findet im nächsten Frühling wie schon 2004 eine grosse kantonale Kunstausstellung
statt. Im April werden rund hundert Werke im Zeughaus in Seewen gezeigt, im Mai dann in Lachen.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Kunst & Design

Publiziert am

12.09.2011

Webcode

schwyzkultur.ch/5u6QjS