Bert Huser an seinem Arbeitsplatz. Hier entstehen seine wunderbaren Gedichte. Bild Angela Suter
Bert Huser an seinem Arbeitsplatz. Hier entstehen seine wunderbaren Gedichte. Bild Angela Suter

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Eine aussergewöhnliche Begegnung: Bert Huser, 97-jähriger Dichter aus Unteriberg

Angela Suter war zu Besuch bei Bert Huser. Der 97-jährige Dichter lebt seit 15 Jahren in Unteriberg und ist sowohl körperlich als auch geistig junggeblieben.

Ich soll einen Dichter porträtieren  völlig unvoreingenommen ging ich zu Albert «Bert» Huser. Ehrlich gesagt hatte ich noch kein Gedicht von ihm gelesen  Ich kannte ihn auch sonst nicht. Was mich erwartete war aussergewöhnlich, deshalb entschied ich, ein spezielles Porträt zu schreiben. Ich wurde freundlich von Gisela Huser begrüsst. Die ehemalige Altersheimleiterin ist seit 40 Jahren mit Bert Huser verheiratet und kennt bestimmt jede Geschichte aus seinem Leben  die meisten wohl mehrmals. Denn Bert Huser ist nicht nur ein wunderbarer Dichter, er ist auch ein leidenschaftlicher Erzähler. Seine Geschichten sind fesselnd und man hört ihm gespannt zu. Er erzählt viele lustige Lausbubengeschichten, die er selber erlebt hat: «Ich habe einige Schelten bekommen  aber ich hatte sie sicher auch verdient »

97 Jahre alt und topfit!

Im gemütlich eingerichteten Wohnzimmer wartete Bert Huser auf mich. Ich war ein wenig perplex: «Dieser Mann soll 97 sein?» Ich sollte später noch mehr staunen, als der rüstige Rentner anfing, Gedichte auswendig zu rezitieren. Von seiner Hüftgelenk-Operation vor sechs Monaten hat er sich besser erholt als mancher Jüngere. Auch den Schlaganfall vor fünf Jahren hat er ohne bleibende Schäden überstanden. «Ich musste der Krankenschwester immer die gleichen Fragen beantworten. Nach den ersten Malen habe ich ihr jeweils alles bereits vor ihren Fragen aufgezählt», selbst dieses Erlebnis nimmt er mit Humor. Die gute Gesundheit verdankt er sicher seiner sportlichen Vergangenheit. Obwohl er auch immer musikalisch interessiert war, spielte der Sport eine grosse Rolle in seinem Leben. Bis er mit 65 Jahren zu alt dafür wurde, flog er Segelflugzeug. Bis 90 frönte er leidenschaftlich dem Langlaufsport. Auch Fahrrad fuhr er bis vor gut drei Jahren. Einzig das Gehör lässt ihn langsam im Stich. Aber auf die Frage, ob ich lauter reden soll, witzelt er: «Wissen Sie, ich kann Sie hier einstellen.» Und betätigt den Lautstärkeregler seines Hörgerätes. Trotzdem bleibt seine Frau Gisela unterstützend bei uns.

Durch Sport ins Ybrig

Seine Familie komme aus dem Tessin und sei später in Zürich eingebürgert worden. Er habe lange in Schaffhausen gelebt, dann in Zürich und nun seit 15 Jahren im schönen Unteriberg. Seit 1986 waren seine Frau und er Mitglied im Langlaufclub Studen und haben so auch die Region kennengelernt. Als Gisela die Arbeitsstelle in Unteriberg annahm, zog das Paar ins Ybrig. Ob die Leute ihn kennen? «Sie kennen mich schon, aber ich sie halt nicht.» Gisela Huser hingegen kennt man und sie wird sehr oft auf ihren Mann und seine Gedichte angesprochen.

Weit über 100 Gedichte

Dann konnte Bert Huser nicht mehr warten und zeigte mir seine Reime. Sorgfältig hat er alle Gedichte in einem Mäppli aufbewahrt. Mir gefällt sein Schreibstil  einfach verständlich, romantisch verspielt oder auch lustig unterhaltend. Die Themen sind sehr vielseitig, aber mehrheitlich geht es um die Natur: Tiere, Blumen, Wetter, Jahreszeiten  Wann genau er mit dem Dichten begonnen hat, weiss er nicht mehr, aber Gisela Huser ist sicher: «Seit ich dich kenne, schreibst du Gedichte!» Woher er das Talent besässe? «Schon als Schüler habe ich die besten Aufsätze geschrieben. In der Jugendzeit habe ich dann vor allem Lumpenlieder gedichtet », erwidert der langjährige Möbel-Verkäufer. Aber eigentlich könne er es einfach, gelernt habe er es nie. Seine Ideen kommen vor allem aus seinem bis heute gebliebenen sehr guten Erinnerungsvermögen, das mit seiner wundervollen Phantasie gepaart wird. So entstehen wahrhafte Kunstwerke. Ein Gedicht vom Igel und der Weinbergschnecke handelt ganz witzig von einer betrunkenen Schnecke. Auch den romantischen Kirschbaum hinter der Kapelle kann man schon fast riechen, so schön wird er von Bert Huser beschrieben. Der Ausflug der Biene in eine Wohnung endet im Hausarrest im Bienenstock. Aber auch persönliche Gedanken und Liebeserklärungen an seine Frau schreibt er.

Erinnerungen als Inspiration

Seine Inspiration sind alltägliche

Autor

Einsiedler Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

13.05.2016

Webcode

schwyzkultur.ch/pWqmAm