Franz Walter mit dem «Gut zum Druck» seines neuesten Romans. Der Titel «Kein Mensch geht weiter als sein Schatten» sei ein Sprichwort aus Mali. Bild Hans-Ruedi Rüegsegger
Franz Walter mit dem «Gut zum Druck» seines neuesten Romans. Der Titel «Kein Mensch geht weiter als sein Schatten» sei ein Sprichwort aus Mali. Bild Hans-Ruedi Rüegsegger

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Wenn einen die Vergangenheit einholt

Der pensionierte Buttikner Reallehrer Franz Walter stellt heute Dienstag in Uznach seinen neuesten Roman «Kein Mensch geht weiter als sein Schatten» vor.

Was haben ein Investmentbanker, eine Krippe mit lebensgrossen Figuren, Afrika und der Jakobsweg miteinander zu tun? In seinem neuesten Roman «Kein Mensch geht weiter als sein Schatten» bringt Franz Walter diese vier Elemente zusammen.

Afrika und Schweiz

Da ist einerseits die junge Afrikanerin Nené, die – gerade mal vier Monate alt – ihre Mutter im Asylzentrum verloren hat, bei Adoptiveltern aufgewachsen ist, Schwyzerörgeli spielt und die Schule für Holzbildhauerei besucht. Da ist andererseits Reto Hunziker: Als Kind wegen seiner Hasenscharte ausgelacht, hat er es allen gezeigt und eine steile Karriere als Investmentbanker gemacht. Triebfeder des Endvierzigers ist das Streben nach Geld und Erfolg. Er führt ein luxuriöses Leben mit Loft, persönlichem Stilberater und Golfpartien mit einflussreichen Männern. Zur Imagepflege der Bank soll Reto Hunziker einen Check zugunsten bedürftiger Bauern in Mali übergeben. Les Griottes, drei junge Afrikanerinnen, umrahmen die Feier musikalisch und mit kritischen Texten. Mit einem Schlag wird Hunziker in seine Vergangenheit zurückgeworfen.Nach Afrika. Während einer Mali-Reise zu Beginn seiner Karriere, traf er in Bamako das Zimmermädchen Naïni Kouyaté. Sie schenkte ihm ihre Liebe und eröffnete ihm damit eine Welt, die er bis anhin nie gekannt hatte. Und jetzt steht sie Schwyzerörgeli spielend vor ihm und hält ihm mit ihren kritischen Liedern den Spiegel vor. Jedenfalls sieht diese junge Afrikanerin seiner Ferienliebe von damals verblüffend ähnlich.

Mutlos

Es folgen ein Zusammenbruch, Burn-out, Hunzikers Rauswurf aus der Bank, Klinikaufenthalt. Um wieder ins Leben zurückzufinden, nimmt er den Jakobsweg von Rorschach bis nach Einsiedeln unter die Füsse und trifft in Uznach in der Galerie Rotfarb erneut auf Les Griottes – und die Schwyzerörgeli spielende Afrikanerin. Und später auf dem Jakobsweg oberhalb von Altendorf auf sich selbst: lebensgross geschnitzt als einer der drei Könige von Nenés höchst persönlicher und äusserst eigenwilliger Krippe, blind und mit süffisantem Lächeln. Unmittelbar daneben steht seine damalige Feriengeliebte Naïni Kouyaté, Maria darstellend. Seine Befürchtung wird zur Gewissheit. Den Mut aber, sich Nené zu stellen, hat er nicht.

Detailliert

Der ehemalige Reallehrer Franz Walter lässt in seinem Roman neben detaillierten Ortsbeschreibungen viel Wissen einfliessen. Selbstredend, dass der Autor den Jakobsweg von Rorschach nach Einsiedeln selbst erwandert hat. Als ehemaliger Entwicklungshelfer in Kenia kennt er auch Afrika, hat dreimal Mali bereist. Oft kommt Franz Walters Roman zu beschreibend daher, lässt den Leser unbeteiligt, die Dialoge wirken manchmal etwas hölzern. Die Geschichte aber berührt.





Franz Walter «Kein Mensch geht weiter als sein Schatten»

Edition Heuwinkel
ISBN 978-2940484-31-7

Höfner Volksblatt und March-Anzeiger (Hans-Ruedi Rüegsegger)

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Literatur

Publiziert am

02.06.2015

Webcode

schwyzkultur.ch/1s1hSA