«Weiche von mir Satan», scheint Pfarrer Leo hier zur liebestollen Amalie zu sagen. Bild Paul A. Good
«Weiche von mir Satan», scheint Pfarrer Leo hier zur liebestollen Amalie zu sagen. Bild Paul A. Good

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Wenn es für die Aufklärung den Pfarrer braucht

«Schön verwütscht»: Die Premiere der Theatervagabunden Tuggen war ein Angriff auf die Lachmuskeln.

Mit dem Schwank «Schön verwütscht», einem Dreiakter von Fritz Klein, ist es den Theatervagabunden Tuggen unter der Regie von Walter Reichmuth einmal mehr gelungen, die Lachmuskeln der Besucher im Restaurant «Hirschen » in Tuggen aufs Äusserste zu strapazieren. Ort des Geschehens ist die Bauernstube der Familie Moser. Als Erstes ist da der Herr im Haus, Bauer, Vater und Ehemann Sepp Moser, gespielt von Carlo Marty. Seine Frau Rosa, verkörpert von Lisbeth Talenta, und Sepp wünschen sich nichts sehnlicher, als dass ihre Tochter doch endlich heiraten möge. Die Tochter Liliane, gespielt von Manuela Talenta, stellt sich diesem Wunsch nicht wirklich in den Weg. Dann ist da noch die Schwester der Bäuerin, Amalie, dargestellt von Natascha Rupflin, die übrigens zum ersten Mal auf der Bühne stand. Sie ist eine frustrierte, launische und streitsüchtige Frau, die ihren Schwager tyrannisiert, wo sie nur kann. Eine wichtige Rolle in diesem amüsanten Schwank spielen auch der Nachbarssohn Kurt, gespielt von Martin Mock, und der urchige Dorfpfarrer Leo, dargestellt von Regisseur Walter Reichmuth selbst. Sepp und Rosa finden, der Nachbarssohn sei doch der richtige Mann für Liliane, wenn ihm auch die «halbe Werkstatt im Oberstübli» fehle. Kurt möchte aber eigentlich nur, dass sein Hund die Hündin Betsy der Familie Moser deckt. Mit seiner Schwärmerei vom guten Stammbaum und die Erwartung auf viel Nachwuchs verwirrt er Sepp,der natürlich meint,Kurt rede von einer Heirat mit seiner Tochter. Nach langem Hin und Herr wird dieser Irrtum aufgeklärt, und man plant die Hochzeit.


Irrungen und Wirrungen


Doch noch stellt sich eine Frage: Wissen die beiden jungen Leute überhaupt, wie sie ihre Eltern zu stolzen Grosseltern machen können? Die für dieses Vorhaben notwendige Aufklärung hat ja ausschliesslich im Stall stattgefunden, und ob das gefruchtet hat, ist nicht so sicher. Als der Bräutigam dann noch stolz erzählt, dass er die Kinder lieber kaufen möchte, mehren sich die Zweifel. Diesem Umstand bedient sich nun Sepp, der eine Wette mit dem Pfarrer abschliesst: Wenn es diesem gelingen sollte, die beiden frisch Vermählten aufzuklären, bekomme er Wein, Bier und Champagner, und der Bauer werde künftig jeden Sonntag in der Messe in der ersten Bank knien. Schafft der Pfarrer das aber nicht, erhalte Bauer Sepp das Doppelte. Nun, der Pfarrer sieht dies als seine natürliche Pflicht an, den Brautleuten zu helfen und freut sich bereits auf die Lieferung der Getränke. Während seiner sonst schon schwierigen Bemühungen muss sich der Pfarrer immer wieder der Avancen der liebestollen Amalie erwehren. Bei den vielen Irrungen und Wirrungen ist dieses Theaterstück lustig und sehr kurzweilig.Man fühlt sich oft, als wäre man mitten drin im Geschehen, mitten im Wortgefecht zwischen Amalie und Sepp oder im Gespräch zwischen den Verheirateten und dem Pfarrer. Die Premiere ist den Theatervagabunden vollauf gelungen.


Höfner Volksblatt und March-Anzeiger / Paul A. Good

Autor

Höfner Volksblatt & March Anzeiger

Kategorie

  • Bühne

Publiziert am

09.04.2018

Webcode

schwyzkultur.ch/uKLS4C