Der junge Dällebach Kari: Der Schauspieler und Musiker Nils Althaus spielt den Coiffeur mit Herz, der sich in die junge Bernerin Annemarie verliebt.
Der junge Dällebach Kari: Der Schauspieler und Musiker Nils Althaus spielt den Coiffeur mit Herz, der sich in die junge Bernerin Annemarie verliebt.

Film

Koller zeigt seine Version

Der in Ibach geborene Regisseur Xavier Koller kam gestern Abend nach Schwyz. Anlässlich der Premiere seines neuen Films «Eine wen iig, dr Dällebach Kari» erklärte er, warum er die Geschichte des jungen Kari erzählen wollte.

Die Geschichte des Dällebach Kari, der mit einer Gaumenspalte zur Welt kam, kennen viele aus Kurt Frühs Film mit Walo Lüönd. Nun erzählt der Oscarpreisträger Xavier Koller seine Version der Geschichte. Er ist in «Eine wen iig, dr Dällebach Kari» Regisseur und Drehbuchautor und orientiert sich am Theaterstück von Livia Anne Richard. Koller legt den Fokus auf die schönste Zeit des Lebens des Berner Stadtoriginals.

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In Rückblenden blickt Hanspeter Müller-Drossaart, der den älteren Kari spielt, auf seine Zeit als junger Mann zurück, der erfolgreich einen Coiffeursalon führt und sich in die Textilfabrikantentochter Annemarie (Carla Juri) verliebt. Nils Althaus spielt den jungen Kari, den wegen seiner Entstelltheit gehänselten Coiffeur, der sich durch Schlagfertigkeit und Witz auszeichnet und optimistisch durchs Leben schlägt. Annemarie und Kari lieben einander. Doch die Liebe darf nicht sein, zu gross ist der Standesunterschied. Melancholisch erinnert sich der alte Kari kurz vor seinem Tod zurück.

Kollers Gedanken zum Verliebtsein

Xavier Koller stand gestern den rund hundert Menschen, die sich den Film angeschaut und begeistert applaudiert hatten, Red und Antwort. Indem sich Koller fragte, wie es hätte sein können, näherte er sich dem Dällebach Kari an, über dessen Kindheit man nichts weiss. Es sei eine subjektive Betrachtungsweise, erklärte Koller: «Das ist meine Version, jemand anderes würde es ganz anders erzählen.» Koller will mit seinem Film keine Botschaft vermitteln: «Der Film ist nicht darauf angelegt, dass er etwas verändern will, ausser der Wahrnehmung.» Koller sprach die Hauptgeschichte an, die geprägt ist von der zaghaften Annäherung der zwei Liebenden. «Sind wir verliebt, kennen wir die Sehnsucht nach der Berührung, die Hoffnung, sich bald wieder zu sehen.» Das seien die Grundgefühle, die alle kennen, die Älteren mehr in der Erinnerung daran und in der Hoffnung, dass die Gefühle wieder aufleben könnten. In diesem Gefühlsbereich seien alle verwandt, alle Wesen uniform.

Zurückhaltung machts spannend

Genau in diesen Gefühlsbereich legt Xavier Koller die Liebesgeschichte. Sie spielt im Jahre 1902, und die Erotik ist eine schüchterne. «Mich hat die Sehnsucht nach Zärtlichkeit interessiert, durch die Zurückhaltung wird es spannend», so Koller. So zeige er zwei, die den Mut noch nicht haben, den Grenzbereich zu überschreiten aus Respekt füreinander und gegenüber den damaligen Konventionen. Es ist eine Geschichte über Toleranz in einer andern Zeit. Typisch Xavier Koller dann beim Abspann: Eine wen iig – und eine we du. So steckt in jedem etwas vom Dällebach Kari.

Bote der Urschweiz

Autor

Bote der Urschweiz

Kategorie

  • Film

Publiziert am

05.03.2012

Webcode

schwyzkultur.ch/3SVV49